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Aus: Ausgabe vom 11.06.2024, Seite 15 / Natur & Wissenschaft
Mondmission

Ein kleiner Schritt

Chinas Raumfahrtprojekt »Chang’e 6«: Bodenproben von der »Rückseite« des Mondes
Von Nina Hager
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Animation der Sonde Chang’e 6

Am 3. Mai war die Sonde »Chang’e 6« der Nationalen Raumfahrtbehörde Chinas (CNSA) gestartet. Bestehend aus einem Lander, einem Rover und einem Orbiter, die mittels einer Trägerrakete vom Typ »Langer Marsch« in die Umlaufband des Mondes gebracht wurden. Ziel der Mission war, der sogenannten Rückseite des Mondes, das heißt: der der Erde konstant abgewandten, bis zu zwei Kilogramm Bodenproben zu entnehmen und die Gesteinsmengen mit Hilfe einer Rückkehrkapsel zur Erde zu bringen.

Fast einen Monat später, am 1. Juni, landete »Chang’e 6« im südlichen Teil des Apollo-Kraters, der in einem großen Einschlagbecken auf der erdabgewandten Seite des Mondes liegt. Zwei Tage später startete die Aufstiegsstufe der Sonde mit den Bodenproben und koppelte am 6. Juni erfolgreich an den Orbiter an. Mittlerweile ist die Bodenkapsel mit einem »Rückkehrer« auf dem Weg zur Erde, um den 25. Juni soll er in der Inneren Mongolei landen. Verläuft die Mission auch in der letzten Etappe erfolgreich, sind wichtige neue Erkenntnisse über die Frühzeit unseres Sonnensystems und den Mond selbst zu erwarten. Die Mission »Chang’e 6« soll insgesamt etwa 53 Tage dauern. Während dieser Zeit sollen das Landemodul und ein offenbar mit KI-Software ausgestatteter Minirover auf der Mondoberfläche wissenschaftliche Experimente durchführen.

Dass die der Erde abgewandte Seite unseres Erdtrabanten nicht »The Dark Side of the Moon« ist, war spätestens ab 1959 allgemein bekannt. Damals, mit Start am 4. Oktober des Jahres, sandte die Sowjetunion ihre Mondsonde »Luna 3« (»Lunik 3«) die ersten – noch recht unscharfen – Bilder von der Rückseite des Mondes gen Erde. Bereits diese Aufnahmen überraschten, denn im Gegensatz zur erdzugewandten Seite gibt es auf der Mondrückseite zum Beispiel weitaus weniger Tiefebenen (Mare) wie auch weniger Gebirge, dafür zahlreiche Krater. Die Landkarten der der Erde zugewandten Seite und der Rückseite des Mondes zeigen also signifikante Unterschiede. Ursachen dafür findet man im Prozess der Entstehung und Entwicklung des Erde-Mond-Systems. Eine Theorie besagt, dass vor circa vier Milliarden Jahren die glühende Oberfläche der Erde Auswirkungen auf die erdzugewandte Seite unseres Erdtrabanten hatte, während dessen Rückseite durch den Einfluss der kalten Umgebung des Alls allmählich abkühlte. Der Mond umkreiste in diesem Zeitalter des Universums die Erde übrigens auf einer weitaus niedrigeren Umlaufbahn als heute (30.000 bis 70.000 Kilometer). Die chinesischen Weltraumforscher hoffen, dass das zur Erde gebrachte Material aus dem Einschlagbecken auf der Mondrückseite und die Untersuchungen vor Ort weitere Erkenntnisse über die Unterschiede zwischen erdzugewandter und rückwärtiger Seite des Trabanten bringen. Auch seine Entstehung wie auch die unseres Sonnensystems soll vermittels der Proben tiefer verständlich werden.

Anfang 2019 war der Volksrepublik China mit der Sonde »Chang’e 4« als erstem Land eine Landung auf der Mondrückseite gelungen. In der Nähe des Südpols rollte der an Bord befindliche Rover wenige Stunden später auf die Mondoberfläche. Notwendig für die Mission – und auch für die kommende, »Chang’e 6« – war unter anderem der vorausgegangene Start eines Kommunikationssatelliten. Er hatte die trianguläre Verbindung zwischen »Chang’e 4«, dem Rover und der Erde während der gesamten Mission zu gewährleisten. Ende 2020 war »Chang’e 5« erfolgreich. Zum ersten Mal seit der sowjetischen Mondmission »Luna 24« im Jahr 1976 konnten wieder Mondproben zur Erde gebracht werden. Verläuft die Mission von »Chang’e 6« nun erfolgreich und gelingen ferner die Missionen »Chang’e 7« (geplant 2026) und »Chang’e 8« (geplant 2028), bei denen unter anderem in der Südpolregion auf der erdzugewandten Seite unseres Trabanten Bodenzusammensetzung, Topographie, aber auch die äußerst dünne Exosphäre des Mondes untersucht werden sollen, wären das für die chinesischen Raumfahrtpläne sehr wichtige »kleine Schritte« auf dem Weg zum Mond. Denn »Chang’e 7« und »Chang’e 8« sollen den Aufbau einer internationalen Mondforschungsstation vorbereiten.

Am 24. Januar 2004 hatte der damalige Ministerpräsident, Wen Jiabao, nach langen Vorbereitungen offiziell das Mondprogramm der Volksrepublik China zur Erkundung des Trabanten verkündet. Auf unbemannte Erkundungsmissionen, dem ersten »großen Schritt«, könnten also in einigen Jahren bemannte Missionen folgen und später die Errichtung einer Bodenstation. Der erste kleine Schritt war das Erreichen einer Mondumlaufbahn (»Chang’e 1« im Jahr 2007 und »Chang’e 2« im Jahr 2010), der zweite die erfolgreiche Landung auf dem Mond und die Erkundung der Umgebung der Landestelle mit einem Rover (»Chang’e 3« im Jahr 2013 und »Chang’e 4« im Jahr 2018). Dabei sucht man seit längerem verstärkt die Kooperation mit internationalen Partnern. An der Mission von »Chang’e 6« sind französische, italienische und schwedische Institutionen beteiligt. Ein Cubesat-Orbiter, ein Kleinsatellit, den ein pakistanisches Institut in Zusammenarbeit mit einer Shanghaier Universität entwickelt hatte und der Erkundungsaufgaben erfüllen soll, wurde von »Chang’e 6« in Mondnähe »getrennt«.

Mittlerweile gehört die Volksrepublik China zu den großen Raumfahrtnationen. Was ihr Raumfahrtprogramm besonders auszeichnet, sind die langfristige Planung und die konsequente Verfolgung einmal benannter Ziele.

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