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Aus: Ausgabe vom 11.06.2024, Seite 2 / Inland
Politischer Film

»Es liegt an Karl Marx auf dem Plakat«

Dokumentarfilm über junge Aktivisten und Organisierungsformen: Werbung von Instagram blockiert. Ein Gespräch mit Joana Georgi
Interview: Annuschka Eckhardt
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Darf auf Instagram nicht beworben werden: Karl Marx

Für Ihren Dokumentarfilm »Niemals allein, immer zusammen«, der ab dem 13. Juni im Kino anlaufen wird, haben Sie fünf Berliner Aktivisten ein Jahr lang durch ihren Alltag begleitet. Wo sind die Protagonisten organisiert?

In der Berliner Krankenhausbewegung, in der migrantischen Bewegung, sie machen politische Kunst, sind in der Initiative »Deutsche Wohnen und Co. enteignen« organisiert. Wir folgen auch einer Person, die bei Fridays for Future aktiv war und da in der Bewegung ein bisschen radikalere Stimmen vertrat.

Welchen Problemen begegnen die Aktivisten in ihrem Alltag?

Sie zeigen, dass wir täglich mit Ungerechtigkeiten konfrontiert sind, die das System uns überstülpt. Sei es dadurch, dass uns der Mehrwert vom Lohn abgeschöpft wird oder dass Menschen rassistisch oder sexistisch diskriminiert werden. Die fünf Protagonisten zeigen, wie diese alltäglichen Unterdrückungsmechanismen sie immer wieder dazu bringen, politisch aktiv zu werden.

Und wofür kämpfen sie?

Die fünf setzen sich für radikale linke Politik ein. Sie sind alle Marxisten, die sich für einen Systemwechsel starkmachen. Sie prangern zwar einzelne Unterdrückungsmechanismen an, machen aber auch immer klar, dass das Ziel ist, das gesamte kapitalistische System zu überwinden.

Im Film wird dazu aufgerufen, sich zu organisieren. Was bedeutet Organisierung für Sie?

Der Film will dazu anhalten, dass Leute politisch aktiv werden und sich eben nicht nur politisieren und politische Meinungen haben, sondern tatsächlich auch in die Organisierung gehen. Ich verstehe darunter einmal eine Organisierung im ganz direkten Umfeld, sei es in der Schule, beim Studium oder in Gewerkschaften. Und dann, in einem zweiten Schritt – weil man häufig in diesen Organisierungsformen, zum Beispiel in der Schule, allein ist mit seiner linken Politik –, dass man sich noch eine Gruppe sucht oder eine Partei, die ähnliche politische Ansichten teilt. Orte also, in denen man sich schulen kann, wo man sich auch international austauschen kann und einfach einen größeren Organisierungsanschluss hat.

Die Aktivisten sind alle in unterschiedlichen Initiativen organisiert. Wo sind Schnittstellen, die eine Massenorganisierung hervorbringen könnten?

Die fünf zeigen ganz gut, dass auf persönlicher Ebene schon eine Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bewegungen besteht. Unsere Aufgabe ist, diese persönliche Vernetzung auf eine strukturelle Ebene zu heben – sei es in Form einer Partei oder einer übergeordneten Organisierungseinheit.

Wie haben Sie den Film finanziert?

Das war leider alles ziemlich prekär. Wir haben Spenden bekommen von ein paar kleineren NGOs und aus einer Crowdfundingkampagne. Damit konnten wir zwar knapp die Personalkosten decken, haben uns als Regie und Produktion aber nichts bezahlt. Es war generell ein Balanceakt, auszuhandeln, wer wann wie lange arbeiten kann, da wir alle nebenher Jobs oder ein Studium bewältigen mussten. Der Filmmarkt ist sehr zögerlich, junge Filmschaffende zu fördern, und sträubt sich, Themen zu behandeln, die politisch anecken könnten.

Auf Ihrem Filmplakat ist eine Statue von Karl Marx zu sehen, drumherum sitzen Aktivisten, im Hintergrund sieht man rote Fahnen. Das Plakat darf bei Instagram nicht beworben werden. Woran liegt das?

Wie viele andere Filme, die selbstverständlich Werbung schalten, haben auch wir versucht, unser Filmplakat online zu bewerben – unter anderem auf Instagram, damit Leute vom Film mitbekommen und ins Kino gehen. Das wurde uns von der Plattform untersagt, auch mit der Androhung, den Kanal zu sperren. Die Begründung war, dass Werbung zu politisch oder gesellschaftlich relevanten Themen verboten ist. In meinen Augen ist es ein krasser Eingriff in die Kunstfreiheit, weil damit quasi jedem politischen Film verboten wird, Werbung zu zeigen. Im Gegensatz zu anderen Filmen, die keine politischen Themen behandeln. Wir gehen davon aus, dass es an Karl Marx auf dem Plakat liegt, dass wir den Film nicht bewerben dürfen.

Joana Georgi ist Regisseurin und geht mit ihrem Dokumentarfilm »Niemals allein, immer zusammen« auf Kinotour

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Verena B. aus Berlin (11. Juni 2024 um 11:59 Uhr)
    Vielen Dank für das Interview. Der Film von Joana Georgi scheint sehr interessant zu sein. Für alle, die die Frauen noch nicht ganz aus den linken und marxistischen Bewegungen auslöschen wollen, füge ich an: Die fünf Aktivisten sind fünf Aktivistinnen. Verena Bosshard, Berlin

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