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Aus: Ausgabe vom 30.05.2024, Seite 8 / Ansichten

Kontrollierte Offensive des Tages: Borussia Dortmund

Von Raphaël Schmeller
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BVB-Boss Hans-Joachim Watzke (l.) und Rheinmetall-Chef Armin Papperger am Mittwoch in Dortmund

Borussia Dortmund leidet seit einigen Jahren unter Schwächen in der Verteidigung. Mindestens 40 Gegentore pro Saison kassierte der BVB in den vergangenen acht Bundesligaspielzeiten – viel zu viele, um ganz oben mitzuspielen. Den Vereinsbossen wurde das langsam zu dumm, und so präsentierten sie am Mittwoch ihren neuesten Transfercoup: den Rüstungskonzern Rheinmetall. Das Dax-Unternehmen wird »Champions Partner« der Schwarzgelben. Erstmals wird das Rheinmetall-Logo während der Vorbereitung auf das Champions-League-Finale gegen Real Madrid zu sehen sein. Die Werbepartnerschaft bringt dem Klub pro Vertragsjahr einen hohen Millionenbetrag ein. Vielleicht kann damit ja ein neuer Innenverteidiger für den in die Jahre gekommenen Mats Hummels zumindest angezahlt werden.

Spaß beiseite. Dass ein Waffenhersteller als Sponsor im deutschen Fußball auftritt, ist bisher ohne Beispiel. Natürlich ist die Bundesliga längst zu einer Liga der Konzerne geworden (Red Bull in Leipzig, ­Bayer in Leverkusen usw.). Dass aber der Fußball mit einem Rüstungskonzern kooperiert und zudem die Rolle übernimmt, die Notwendigkeit von Kriegen zu erklären, stellt fraglos einen Paradigmenwechsel dar. Angesichts der Bedeutung des Fußballs in Deutschland ein weiteres Zeichen wachsender Militarisierung der Gesellschaft. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke bekennt sich zu dieser »Zeitenwende« auch im Fußball. Man habe sich »ganz bewusst« für Rheinmetall entschieden, um den Diskurs darüber zu »öffnen«, dass »Sicherheit und Verteidigung elementare Eckpfeiler unserer Demokratie sind«, begründete er den Rheinmetall-Deal.

Vor einigen Monaten hatten die BVB-Spieler noch mit einem »Stop War«-Banner posiert. Vielleicht packen sie vor dem Champions-League-Finale am Sonnabend nun einen neuen Slogan aus: »Bitte mehr Krieg, denn wir verdienen kräftig daran.«

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (30. Mai 2024 um 18:35 Uhr)
    Es gibt eben kein richtiges Leben im falschen (Theodor W. Adorno); ergo auch keinen »gesunden« Sport in einer kranken Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die offensichtlich schon so todkrank ist, dass sie meint, den Krieg sportlich nehmen zu können und den Sport »kriegsertüchtigen« zu müssen. So geht zivilisatorischer Fortschritt im 21. Jahrhundert im Zeichen der »Zeitenwende«. Da könnte man doch bei den Massenveranstaltungen in den Stadien, die Bombenkriegsstimmung gezielt nutzen, um jede Menge künftiger Helden gleich aus dem Fanblock heraus zu rekrutieren. Allein der Name Borussia verweist ja schon auf Preußen, die Hohenzollern, Militär und Krieg. Tradition verpflichtet!
  • Leserbrief von René Osselmann aus Magdeburg (30. Mai 2024 um 12:58 Uhr)
    Ich frage mich, was geht in den Köpfen der Bosse vom BVB (Borussia Dortmund) vor, wenn sie so ein Deal mit der Rüstungsschmiede Rheinmetall eingehen? Nein, dafür habe ich absolut kein Verständnis und frage mich, was das soll, ich bezweifle, dass der BVB so sehr in finanzielle Schieflage ist, dass der Verein diesen Kuhhandel eingehen musste! Es macht mich traurig, wenn ein so renommierter Verein ein Sponsoren-Vertrag eingeht und frage mich, wohin soll die Reise hingehen, wenn Rüstungskonzerne hier alle Türen geöffnet werden, um ihre tödliche Fracht anzupreisen. Mir fehlen dazu die Worte!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Andreas E. aus Schönefeld (30. Mai 2024 um 06:50 Uhr)
    Geld stinkt nicht, sagt ein altes Sprichwort. Aber wenn Blut an diesem Geld klebt, und nicht nur Russisches und Ukrainisches, sondern auch Blut aus anderen Krisenregionen dieser Welt, dann ist es zutiefst unmoralisch, wenn sich ein Sportverein aus diesen Kassen finanzieren lässt. Ich hoffe sehr, dass viele BVB-Fans hier genauso ein Machtwort sprechen wie bei den Protesten gegen die angedachten Deals in der DFL und beim DFB. Aber statt mit Tennisbällen zu werfen, sollten sie vielleicht in Größenordnungen zu Hause bleiben und ihren Protest durch Nichtbeachtung der Spiele Ausdruck verleihen. Und ich wünsche mir sehr, dass die Auftritte der gepanzerten BVBer in solchen Stadien wie am Millerntor oder in der Alten Försterei, aber auch in anderen Stadien, sehr unangenehm werden. Die Fans sind eine Macht, die oben erwähnten Proteste haben es bewiesen. Dass sich der BVB wie eine Hure mit Rheinmetall ins Sponsorenbett legt – Hauptsache die Kohle stimmt – ist eine Zäsur für den Sport, der ja eigentlich schon lange so sehr kommerzialisiert ist, dass man sich eigentlich nur noch angewidert abwenden muss.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Marian R. (30. Mai 2024 um 20:59 Uhr)
      Den Fans geht es um (ihren) Fußball, sonst um nichts – jedenfalls bei der übergroßen Mehrheit. Sie wollen Symptome kurieren, sich aber nicht mit Ursachen befassen.

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