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Aus: Ausgabe vom 23.05.2024, Seite 16 / Sport
Eishockey

Auflauf der Stars

Erste Bilanz vor den Viertelfinalspielen der Eishockey-WM der Männer in Tschechien. Mehr als 100 NHL-Profis spielen mit
Von Andreas Müller
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Es hat dennoch mal wieder nicht gereicht: Österreich stellt sich Kanada in der Gruppenphase der Eishockey-WM

Österreich und ein Viertelfinale bei Weltmeisterschaften im Eishockey, das will nicht zusammenpassen. Da holen die Austria-Cracks nach einem 1:6-Rückstand gegen Kanada mit fünf Toren im letzten Drittel noch sensationell einen Punkt und gewinnen mit der Schlusssirene ebenso sensationell 3:2 gegen die Finnen, um danach im letzten Vorrundenmatch am Dienstag mit 2:4 gegen den Tabellenletzten und damit Absteiger Großbritannien den Einzug in die K.-o.-Runde zu verspielen. Es wäre das beste WM-Ergebnis seit 30 Jahren gewesen. Dank des österreichischen Versagens darf Finnland am Donnerstag im Viertelfinale in Ostrava gegen die Schweden ran, die in ihrer Vorrundengruppe mit sieben Erfolgen makellos blieben. In den weiteren K.-o.-Spielen trifft mit Titelverteidiger und Rekordweltmeister Kanada als Vorrundenprimus der anderen Gruppe in Prag ebenfalls am Donnerstag auf die Slowakei, während es die Auswahl des Deutschen Eishockeybundes im »ewigen Nachbarschafts­duell« in Ostrava mit der Schweiz zu tun bekommt. Gastgeber Tschechien trifft in Prag auf das Team der USA.

Olympias Schatten

Allein bei diesem Duell werden drei Dutzend Akteure aus der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) auf dem Eis stehen. Allen voran der aktuelle tschechische Nationalheld David Pastrňák, mit 13 Millionen US-Dollar Jahresgehalt einer der Topverdiener in der NHL. Bisher in der Metropole an der Moldau in den WM-Tagen nur als Werbeikone omnipräsent, wurde der Stürmer nach dem Aus seiner Boston Bruins letzte Woche in der zweiten Runde der Stanley-Cup-Play-offs gegen die Florida Panthers nun für die entscheidende Phase des WM-Turniers eingeflogen. Er soll bei den Tschechen für zusätzliche Offensivpower sorgen. Allein die Personalie Pastrňák, der selbstverständlich auch am kommenden Sonnabend an seinem 28. Geburtstag im Halbfinale die Schlittschuhe schnüren möchte, elektrisiert eine ganze Nation. Um so mehr, als die US-Amerikaner diesmal nicht mit einem besseren Collegeteam angereist sind, sondern rund um Kapitän Brady Tkachuk von den Ottawa Senators fast ausschließlich NHL-Spieler versammelt haben.

Insgesamt meldeten die 16 Teams für das 87. WM-Turnier mehr als einhundert Profis aus der besten Liga der Welt, weit mehr als in den Vorjahren. Der Starauflauf, zu dem mit Erik Karlsson und Rasmus Dahlin im Trikot der Schweden auch zwei der weltweit bestbezahlten Verteidiger gehören, ist kein Zufall. Mit dieser Präsenz wirft das nächste olympische Turnier seine ersten Schatten voraus. Die NHL-Bosse sollen bereit sein, für die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo den Spielbetrieb ruhen zu lassen, um die Profis für ihre Nationalmannschaften freizustellen, nachdem sie bei Olympia zuletzt zweimal gefehlt hatten. Mancher will sich vermutlich schon jetzt mit den größeren europäischen Eisflächen vertraut machen. Auch Eishockeymillionäre haben schließlich kein automatisches Recht auf ein Olympiaticket und müssen sich sportlich empfehlen.

Neue Normalität

Von den deutschen NHL-Spielern sind Verteidiger Maksymilian Szuber (Arizona Coyotes), die Stürmer Lukas Reichel (Chicago Blackhawks), Nico Sturm (San Jose Sharks) und John-Jason Peterka (Buffalo Sabres) sowie Torhüter ­Philipp Grubauer (Seattle Kraken) im WM-Kader. Mit einem Jahressalär von knapp sechs Millionen US-Dollar ausgestattet, soll Grubauer dem Vernehmen nach dieser Tage gern bereit sein, hin und wieder die Kreditkarte zu zücken, um seine Mannschaftskollegen zur warmen Mahlzeit einzuladen. Der aktuell prominenteste deutsche Akteur am Puck, Leon Draisaitl, war jedoch nicht zu haben. Er hat mit den Edmonton Oilers am Dienstag mit einem 3:2 im siebten Spiel der Serie gegen die Vancouver Canucks das Stanley-Cup-Halbfinale erreichte und ist dort ab dem 24. Mai gegen die Dallas Stars gefordert.

»Wir sind froh, dass wir die erste Etappe unserer Reise gut überstanden haben«, bilanzierte Bundestrainer Harold Kreis nach den sieben Vorrundenpartien. Das Pflichtprogramm ist erfüllt. Mit 34 Treffern erzielte die DEB-Auswahl die drittmeisten von allen Teams, glänzte mit dem Bestwert im Überzahlspiel und viel Licht vorm gegnerischen Kasten beim 8:2 gegen die Letten und beim 8:2 gegen Kasachstan, den höchsten WM-Siegen seit 2012. Die Männer um Kapitän Moritz Müller von den Kölner Haien wissen, dass sie als Vizeweltmeister des Vorjahres und aktuelle Nummer fünf der Weltrangliste nicht mehr zu den Kleinen im Welteishockey gehören. Der Sieg gegen die Slowakei (6:4) zum WM-Auftakt war keine Überraschung mehr, die Ergebnisse gegen Polen (4:2) und Frankreich (6:3) gehören zur neuen Normalität und zum neuen Selbstverständnis des DEB-Teams im Aufwind nach der olympischen Silbermedaille von 2018. Doch führten die beiden herben 1:6-Niederlagen gegen die USA und Schweden ebenso deutlich vor Augen, wie hoch die Trauben gegen absolute Weltklasseteams noch immer hängen. Erst recht, wenn die führenden Nationen am Puck mit Toppersonal antreten. Die WM-Medaillen 2024 sind daher besonders wertvoll.

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