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Aus: Ausgabe vom 22.05.2024, Seite 8 / Ansichten

Verkaterter des Tages: Heiliger Geist

Von Felix Bartels
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Nicht nur als Zunge, auch als Taube in Erscheinung getreten: der Heilge Geist

Pfingsten, schrieb Bertolt, der eigentlich Berthold hieß, Pfingsten sind die Geschenke am geringsten, während Ostern, Geburtstag und Weihnachten was einbrachten. Interessant, dass der sakrale Charakter des christlichen Fests sich in seinem profanen Gebrauch vollends spiegelt. Ex nihilo nihil fit.

Einmal mehr haben wir das Fest überlebt, schön pfingstverkatert. Die einen auf der verstopften Autobahn, die anderen auf dem Rückflug von Paris. Vermutlich weiß kein Zehntel von ihnen, was man da begeht. Zu Ostern sucht man Eier (oder mittlerweile I-Pads). Zu Weihnachten wird geschenkt, dass es kracht. Über den Ursprung beider Feste ist sich jeder im klaren: Leben und Tod des berühmtesten Steinbocks der Welt. Pfingsten hingegen ist das Fest des Heiligen Geistes, der die Trinität komplettiert, doch was das bedeutet, wissen nicht mal die, die wissen, dass es das bedeutet.

In seiner Gewohnheit fortfahrend, bestehende Traditionen neu zu belegen, hat das Christentum auch das Pfingstfest nicht erfunden. Die wichtigste Quelle hierfür sind die Apostelgeschichten. Zu Pfingsten habe es gewaltig gewittert, als der heilige Odem in Form von zwölf Zungen auf die Mannschaft niederging, wonach die tüchtigen Jungs eine Zeitlang unverständlich sprachen. Eine Drogenerfahrung also, nur Kekse und Eistee hatten die Apostel noch nicht. Ich persönlich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass man auch ohne Drogen recht gut nicht verstanden werden kann. Schade eigentlich, denn der Heilige Geist ist ein durchaus interessantes Element der christlichen Theologie. Er rettet den von der Vater-Sohn-Beziehung kontaminierten Monotheismus und steht aus demselben Grund im System, aus dem Hegel die Idee des Absoluten oder Platon die Idee des Einen braucht. Aber mei, jetzt red i schon wieder in Zungen …

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (22. Mai 2024 um 13:59 Uhr)
    Dazu Andreas Verstappen (Rabenkalender, Donnerstag, 20. Juni, Weltflüchtlingstag, Fronleichnam, Jahr?): Gott war stinksauer auf seinen Halbbruder Franz-Ferdinand, der plötzlich überall verbreitete, ER habe die Welt erschaffen, und zwar nicht in 7, sondern in schlappen zwoeinhalb Tagen.

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