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Aus: Ausgabe vom 18.05.2024, Seite 8 / Ansichten

Freie-Welt-Verteidiger des Tages: Antony Blinken

Von Dominik Wetzel
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Was gehört zu einer gelungenen Reise? Gutes Essen, nette Unterhaltung. Beim Kiew-Besuch des US-Außenministers Antony Blinken am Dienstag war alles dabei. Mittags war er mit dem Amtskollegen Dmitro Kuleba verabredet. Nachdem ihr letztes Date leider bei McDonald’s war, gab’s diesmal was für echte Helden: Bei »Veterano Pizza«, einer Kneipe, die vor ukrainischem Nationalismus nur so trieft, ist der Name Programm. An den Wänden hängen Militärabzeichen ohne Ende. Wie den Journalisten Chay Bowes und Alexander Rubinstein auffiel, ist von Insignien des mit Neonazis reich bestückten »Asow«-Bataillons bis zu Hakenkreuzen der SS-Panzerdivision »Wiking« alles dabei. Auch auf ein gerahmtes Foto des brennenden Gewerkschaftshauses in Odessa ist man stolz. 48 Tote und mehr als 200 Verletzte waren am 2. Mai 2014 das Ergebnis des Pogroms an Gegnern des »Euromaidan«.

Blinken wäre nicht Chefdiplomat, wenn er nicht kräftig für den Sieg in die Saiten hauen würde. Also nahm er die E-Gitarre und machte am Abend in einer Bar nochmal klar, wofür die Ukrainer kämpfen und sterben. Wer Konzerninteressen, Rohstoffe und geopolitische Schachspiele vermutet, kann sich schon mal als Staatsfeind listen lassen. Die richtige Antwort ist natürlich die Verteidigung der Freien Welt! Also »Rockin in the free world«, von Neil Young geschmettert. Das Lied war 1989 aus Protest gegen George Bush den Ersten geschrieben worden. Die freie Welt hat »eine freundlichere, sanftere Hand am Maschinengewehr« heißt es im Text. Was Blinken wohl bei der Zeile, »Ich fühle mich nicht wie Satan. Aber für sie bin ich es«, gedacht hat? Fehlt bloß noch, dass er sich vor Universitätsproteste stellt und Youngs »Ohio« singt, damit die nörgelnden Kriegsgegner das Kent State Massaker nicht vergessen.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Marian R. (21. Mai 2024 um 17:50 Uhr)
    Es gibt im Internet viele Bilder, Webseiten usw. in denen der jeweils anderen Seite vorgeworfen wird, die Nazisymbole hinzugefügt – oder entfernt zu haben. Seit KI ist auf Bilder, Videos usw. kein Verlass mehr und die jW sollte sich nicht mit solchen Äußerlichkeiten abgeben. Alles ist echt – alles ist falsch für Menschen, die nicht vor Ort sind – also uns Medienkonsumenten. So schwer es auch ist – wir müssen uns andere Argumentationsketten erschaffen, die visuellen und akkustischen haben (leider) ausgedient.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Marc P. aus Cottbus (20. Mai 2024 um 14:11 Uhr)
    Als ich vor einigen Tagen zum ersten Mal hörte, der US-Außenminister hätte mit Gitarre auf einer Jam-Session in einem Kiewer Nachtklub gespielt, dachte ich spontan: »Deep Fake. Kennt man ja.« So instinktlos und abgebrüht kann der doch nicht sein, dachte ich. Aber nun, da ich lese, dass er das in einer Nationalistenkneipe getan hat, in der man ungeniert den ukrainischen Mordbanden des Zweiten Weltkrieges und des »Euromaidan« huldigt, halte ich es für glaubwürdiger. Nach dem Krieg haben sie SS-Kriegsverbrecher protegiert, wenn diese sich gegen den Osten haben instrumentalisieren lassen und bis 1955 fast sämtliche noch in Haft sitzenden freigelassen. Das kanadische Parlament feiert einen ukrainischen SS-Veteranen mit standing ovations. Warum sollte der US-Außenminister dann nicht auch mit ukrainischen Nationalisten in Kiew jammen, in dazu passendem Ambiente? Normal.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (17. Mai 2024 um 21:12 Uhr)
    Es mag sein, dass Antony Blinken in der Ukraine noch große Hoffnungen und Erwartungen weckt, doch in anderen Krisenregionen der Welt, insbesondere im Nahen Osten und in China, ist dies nicht mehr der Fall. Bei seiner letzten Chinareise im April wurde er von der US-Botschaft in Beijing vom Flughafen abgeholt – für einen US-Außenminister mehr als eine Blamage. Er muss sich an seinen Erfolgen messen lassen, doch in letzter Zeit lässt er viele Wünsche offen. Weder die Verbündeten, wie Israel, noch die Gegner nehmen ihn und somit die US-Außenpolitik ernst. Nur die naive ukrainische Regierung vertraut noch auf seine Worte – aber wahrscheinlich auch nicht mehr lange.

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