junge Welt: Jetzt am Kiosk!
Gegründet 1947 Sa. / So., 18. / 19. Mai 2024, Nr. 115
Die junge Welt wird von 2751 GenossInnen herausgegeben
junge Welt: Jetzt am Kiosk! junge Welt: Jetzt am Kiosk!
junge Welt: Jetzt am Kiosk!
Aus: Ausgabe vom 16.05.2024, Seite 8 / Ansichten

Leerer-Blick-Politiker des Tages: Michael Roth

Von Arnold Schölzel
8 port.jpg

Als sich die Bundesrepublik unter Führung von SPD und Bündnis 90/Die Grünen 1998 anschickte, mit Frieden Schluss und mit Krieg endlich Ernst zu machen, zog der hessische Juso Michael Roth in den Bundestag ein. So etwas prägt. Roth engagierte sich für bewaffnete deutsche Außenpolitik und wurde belohnt: 2013 bis 2021 durfte er sich Staatsminister im Auswärtigen Amt nennen, seither Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Krieg gegen Russland ist seine politische Geschäftsidee, also reisten er, Panzerfreund Anton Hofreiter und Panzerfreundin Marie-Agnes Strack-Zimmermann als erste deutsche Politiker im April 2022 nach Kiew. Roth holte sich damals noch mit dem Ruf nach schweren Waffen für Kiew eine Klatsche in der eigenen Partei. Die ist bei Lieferung von Mordinstrumenten inzwischen weiter, dennoch fiel Roth im Dezember 2023 bei den Wahlen zum SPD-Vorstand durch, was zu Jubel bei Parteitagsdelegierten führte. Seitdem fühlt sich der Schieß- und Totschlagsympath gemobbt und erzählte im März dem Stern, in der Fraktion fühle er sich wie in einem »Kühlschrank«. 2025 will er nicht mehr für den Bundestag kandidieren. Roth ist ein Opfer Putins.

Und leidet mit dessen zukünftigen mit. Dem aktuellen Spiegel sagte er über seine baltischen Politikkollegen: »Mit was für Ängsten die leben, können wir uns kaum vorstellen.« Spiegel: »Roths Augen werden feucht, ein paar Sekunden (lang) schaut er ins Leere.« Am Wochenende war er aus dem Nichts zurück und fuhr mit von Russenangst gebeutelten baltischen Politikkollegen nach Georgien. Am Dienstag erläuterte er direkt aus Tbilissi im Deutschlandfunk, das Land stehe vor der »Russifizierung«. Wie auch immer die aussieht – der heimtückische Russe erobert offenbar jetzt schon unbewaffnet –, Roth dürfte sich anstrengen, dass da endlich geschossen wird. Anschließend feuchte Augen eingeschlossen.

Tageszeitung junge Welt am Kiosk

Die besonderen Berichterstattung der Tageszeitung junge Welt ist immer wieder interessant und von hohem Nutzwert für ihre Leserinnen und Leser. Eine gesicherte Verbreitung wollen wir so gut es geht gewährleisten: Digital, aber auch gedruckt. Deswegen liegt in vielen tausend Einzelhandelsgeschäften die Zeitung aus. Überzeugen Sie sich einmal von der Qualität der Printausgabe. Alle Standorte finden Sie unter diesem Link.

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (15. Mai 2024 um 21:29 Uhr)
    Ist der Medizinsektor in den baltischen Staaten auch so kaputt wie hierzulande? Kein Termin beim Angsttherapeuten? Kein Anxiolytikum in der Apotheke? Liefern die Chinesen mal wieder nicht? Kommen die feuchten Augen des Herrn Roth vom Chlorpikrin aus den ostseeischen Munitionsresten des Ersten Weltkriegs?

Mehr aus: Ansichten