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Aus: Ausgabe vom 15.05.2024, Seite 10 / Feuilleton

Stelzer, Messemer

Von Jegor Jublimov
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Herr Neumann (Hannes Stelzer) und Nike (Nadja Uhl) in Andreas Dresens »Sommer vorm Balkon«

Er gehörte zu den Typen, die nicht im Mittelpunkt von Filmen standen, aber ohne die diese Werke viel langweiliger gewesen wären. Hannes Stelzer (der eigentlich Hans-Joachim hieß) wurde am Donnerstag vor 100 Jahren in Görlitz geboren und hat, nachdem er seine Film- und Fernsehlaufbahn mit 40 Jahren startete, bis zu seinem Tod 2015 in rund 150 Filmen vor der Kamera gestanden. Nachdem er noch für kurze Zeit in den Krieg ziehen musste, konnte er 1946 am Theater seiner Heimatstadt debütieren. Er spielte später in Schwerin und Potsdam, wo die Verbindung zu den Babelsberger Ateliers entstand. Seine erste bemerkenswerte Rolle übernahm er 1965/66 in dem abenteuerlichen antifaschistischen Mehrteiler »Geheimkommando Bumerang«. Es folgten kleinere Aufgaben, etwa als nervöser Zeitgenosse, neugieriger Nachbar, patenter Arbeitskollege u. ä. in »Weite Straßen, stille Liebe« (1969), »Sieben Sommersprossen« (1978), »Frühlingssinfonie«(1983) oder im Jahre 2002 in der köstlichen Komödie »Jetzt oder nie – Zeit ist Geld« an der Seite von Christel Peters. Sie war auch eine der Hauptdarstellerinnen, als er 2005 den Rentner Neumann in Andreas Dresens »Sommer vorm Balkon« spielte.

Am Freitag wird der 100. Geburtstag eines süddeutschen Hannes begangen. Hannes Messemer (der eigentlich Johannes hieß), stammte aus Bayern und starb mit nur 67 Jahren 1991. Er konnte sich nach der Kriegsgefangenschaft ohne Ausbildung als Schauspieler in Tübingen, Hannover, München und Hamburg verdingen und zu einem der ausdrucksstärksten Bühnendarsteller reifen, dessen Kennzeichen klare Diktion und exakte Körpersprache waren. Zyniker und andere Unsympathen blieben seine Domäne. Zum Film holte ihn Wolfgang Staudte für die ersten Filme, die er im Westen drehte, nachdem er sich mit der Defa wegen künstlerischer Differenzen um »Mutter Courage« überworfen hatte. In »Rose Bernd« (1957) spielte Messemer den Drucker Keil neben Maria Schell, in »Madeleine und der Legionär« (1958) einen Fremdenlegionär neben Hildegard Knef. Schnell machte er Karriere, spielte als ehemaliger Kriegsgefangener auch in antisowjetischen Streifen wie »Der Arzt von Stalingrad« nach Konsalik (1957), »Taiga« (1958) und »Menschen im Netz« (1959) nach Herbert Reinecker – beide Autoren: ehemalige Nazis. Gleichzeitig begann Messemers internationale Filmkarriere in französischen, italienischen und US-amerikanischen Filmen als Partner von Stars wie Brigitte Bardot, Vittorio De Sica, Lino Ventura, Sergej Bondartschuk oder Jon Voight. Seit Mitte der sechziger Jahre arbeitete Messemer verstärkt fürs Fernsehen, übernahm neben Serien immer wieder Rollen in anspruchsvollen Literaturadaptionen. Gleiches gilt für seine umfangreiche Arbeit für Hörspiele, wo er von ­Goethe bis John le Carré zwischen 1951 und 1984 eine große Bandbreite bewies. Um so tragischer war es, dass ihm ein Kehlkopfleiden seit Mitte der achtziger Jahre die Stimme raubte.

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