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Aus: Ausgabe vom 14.05.2024, Seite 15 / Natur & Wissenschaft
Meeresbiologie

Die Syntax des Meeres

Forscher identifizieren komplexe sprachliche Strukturen bei Pottwalen
Von Felix Bartels
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Können sich so manches verklickern: Pottwale

Nichts eignet sich mehr für Missverständnisse als Sprache. Der Pottwal heißt auf englisch sperm whale. Nach der ölartigen Substanz in seinem Kopf, aus der man lange Zeit Kerzen machte. So weit, so seltsam. Ob die Pottwale ähnliche Probleme mit falscher Semantik haben, bleibt offen. Dass sie sich aber kompliziert ausdrücken können, hat neuere Forschung nachgewiesen.

Während die erwachsenen Pottwalmännchen Einzelgänger sind, bilden Weibchen und Jungtiere soziale Gruppen. Bis zu 20 Tiere durchschwimmen gemeinsam die Ozeane und agieren dabei organisiert. Für die Aufzucht des Nachwuchses und das gemeinsame Jagen ist Kommunikation erforderlich. Die Pottwale benutzen dazu Klicklaute, die bislang kaum entschlüsselt waren. Die Forschung konnte 21 verschiedene phonetische Elemente identifizieren, sogenannte Codas, von denen jede aus einer charakteristischen Klickabfolge besteht und nicht länger als zwei Sekunden dauert.

Eine Forschungsgruppe um Pratyu­sha Sharma vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat nun erstmals analysiert, wie die Pottwale die Codabausteine zur Kommunikation nutzen. Die Untersuchung, die in der naturwissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature Communications vorgestellt wurde, stützt sich auf Audiomaterial von etwa 60 Pottwalen aus dem Raum der Ostkaribik. Das Team wertete aus, in welchen Variationen die verschiedenen Codas in der täglichen Kommunikation einer Herde vorkommen und konnte auf diese Weise Muster ablesen. »Die Vokalisationen der Pottwale sind ausdrucksstärker und strukturierter, als bisher angenommen«, heißt es in dem Bericht. Es stellte sich heraus, dass Codas nicht bloß isoliert stehen, sondern ihrerseits Variationen bilden. Der Nachweis, dass sie in zahlreichen verschiedenen Kombinationen auftreten, legt die Vermutung einer komplexeren Sprache nahe. Je nach sozialer Situation ziehen die Tiere einzelne Coda in die Länge, ein Phänomen, das die Forschungsgruppe »Rubato« taufte. Auch scheinen Pottwale Konnektoren zu nutzen: Gelegentlich werden nach beziehungsweise vor bekannten Coda »Zwischenklicks« gesetzt, was auf eine syntaktische Struktur hinweist. Dieses Phänomen nannten die Forscher »Ornamente«. Auch was den übergreifenden Rhythmus und das Tempo der Lautbildung betrifft, stellte man Variationen fest.

All das deutet darauf hin, dass die Sprache der Pottwale der menschlichen deutlich ähnlicher ist, als bislang vermutet. Syntax bedeutet das durch Anordnung vermittelte Erzeugen von Inhalten, die über den Inhalt der einzelnen Bauteile hinausgehen. Dem Forschungsteam zufolge könnte diese Entdeckung der erste Nachweis derartiger Strukturen bei einer anderen Spezies als der menschlichen sein.

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