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Aus: Ausgabe vom 08.05.2024, Seite 1 / Titel
Dank Euch, Sowjetsoldaten!

Antifaschistische Zeitenwende

79. Jahrestag der Zerschlagung des deutschen Faschismus: Flagge der Sowjetunion in Berlin erneut unerwünscht
Von Nico Popp
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Berlin, 2. Mai 1945: Soldaten der Roten Armee hissen die sowjetische Flagge auf dem Reichstagsgebäude

Die Peinlichkeit ist schon beinahe zur Routine geworden in der Stadt, die einmal die Hauptstadt Nazideutschlands war: Am 8. und 9. Mai werden Polizisten in Berlin wieder das Zeigen der Flagge der Sowjetunion – des Staates, dessen Soldaten die für die Zerschlagung der faschistischen Diktatur in Deutschland entscheidenden Siege erfochten und dabei unvergleichlich große Opfer gebracht haben – an den drei wichtigsten sowjetischen Ehrenmalen, die zugleich auch Grabstätten für Soldaten der Roten Armee sind, verhindern. Die deutsche Ideologie des Jahres 2024, die es erlaubt, diesen Vorgang für vollkommen logisch zu halten, ist schiere Idiotie: Putin ist Hitler und versucht als solcher, die Sowjetunion wieder zu errichten.

Der antifaschistisch frisierte liberale Durchschnittskopf landet hier, wie stets und überall, mit schlafwandlerischer Sicherheit beim stupidesten Antikommunismus: Seine exekutive Gestalt sind Polizisten, die – wie in den beiden Vorjahren mehrfach geschehen – am 8. und 9. Mai im Treptower Park, im Tiergarten und in der Schönholzer Heide Menschen, die Fahnen kommunistischer Parteien oder die schlichte rote Fahne der Arbeiterbewegung mit sich führen, auffordern werden, diese ruckzuck wegzupacken, weil sie angeblich unter das groteske Flaggenverbot fallen. Diese Orientierungslosigkeit muss man indes dem polizeilichen Fußvolk nicht vorwerfen: Die dafür ursächliche Vorleistung an Konfusion haben diejenigen erbracht, die diese Verfügung auf der Grundlage einer politisch interessierten Verwechslung des russischen Staates von heute mit der vor über drei Jahrzehnten zerstörten UdSSR ausgearbeitet haben.

Auf dieser Linie wurde 2024 sogar noch einmal nachgelegt: Während vor einem Jahr zunächst nicht nur das Zeigen der sowjetischen und russischen, sondern auch das der ukrainischen Flagge untersagt worden war (nach einer wütenden politisch-medialen Intervention wurde das wieder kassiert), wird diesmal gar nicht erst der Versuch unternommen, das Zeigen von Symbolen des ukrainischen Nationalismus an den fraglichen Mahnmalen, die politisch in einen antifaschistischen und internationalistischen Kontext gehören, zu verhindern. Es gilt also, weil alles auf dem Kopf steht, auch am nunmehr 79. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus so vielen Menschen wie möglich dabei zu helfen, in diesem Nebel nicht die Orientierung zu verlieren – anders wird die nächste antifaschistische Zeitenwende nicht zu machen sein.

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  • Leserbrief von Peter Groß aus Bodenseekreis (8. Mai 2024 um 16:20 Uhr)
    Die Parlaments- und Medienmilitaristen verlegen ihre Soldateska an die Ostfront. Die Bundeswehr zieht mit Familienangehörigen an die russische Grenze, hat die Ukraine fest im Blick und zerstört für Neubauten und Übungsplätze massiv die Umwelt. In der Ukraine werden von SPD-Scholz, Habeck und Konsorten neue Großsiedlungen errichtet. Wohnungen, die für Menschen unter Berücksichtigung von Flüchtlingen in Deutschland dringend gebraucht werden. Der Umzug von Unternehmen wird voll subventioniert und die Gewerkschaften, besonders IG Metall wundern sich, dass Arbeitsplätze beispielsweise für die Stahlproduktion in Deutschland weniger werden. Rheinmetall braucht für Panzer Stahl und Rheinmetall ist schon vor Ort in der Ukraine. Daher kommt der Zwang in Deutschland alle Erinnerungskultur und Mahnmale unter fadenscheinigen Begründungen zu beseitigen. Nein, wir werden wohl nicht mehr lernen woran die DDR gescheitert ist. Das immer neue Schulden machen und der Schuldendienst für Russland hat sie vernichtet. Die Linke versteht immer noch nicht, dass immer neue Schulden und die Schuldenbremse aufheben, immense Profite für reiche Anleger durch ewige Zinsbelastung bedeuten. Heute ist der Schuldendienst jährlich bei über 40 Milliarden Euro. Lange hat die DDR den Aufwand für Wiedergutmachung allein getragen, bis der Ausverkauf oder die Übernahme durch ehemals faschistische Großkonzerne gelang. Nie wird man je verstehen, wie die Zusammenhänge sind. Wenn man den deutschen Geschichtsfälschern nicht vehement entgegentritt. Der Schoß gebiert inzwischen reichlich Ungeheuer wie man (nicht nur) in den zahlreichen Talk-Shows sehen kann. Also Berliner, lasst euch wenigstens das Singen nicht verbieten.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (7. Mai 2024 um 23:33 Uhr)
    Man kann nicht oft und nachdrücklich genug darauf hinweisen, dass die Befreiung vom Faschismus in Deutschland von von außen kam. Der Schoß ist fruchtbar immer noch. Da wäre die Frage, welche Orientierung viele Menschen haben, die sie verlieren müssten...

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