Jetzt zwei Wochen gratis testen.
Gegründet 1947 Mittwoch, 26. Juni 2024, Nr. 146
Die junge Welt wird von 2801 GenossInnen herausgegeben
Jetzt zwei Wochen gratis testen. Jetzt zwei Wochen gratis testen.
Jetzt zwei Wochen gratis testen.
Aus: Ausgabe vom 04.05.2024, Seite 11 / Feuilleton
Offener Brief

Das Lachen nicht verlernen

Auftrittsverbot provoziert Widerspruch: »An die Mitarbeitersterncheninnen aus dem Werk 2 in Leipzig«. Ein Offener Brief
Von Wenzel
Bildschirmfoto 2024-05-03 um 10.40.26.png
Kein wokes Wellnessprogramm: Wenzel während seines Auftritts bei der XXIX. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz im Januar in Berlin

Im Januar hatten Wenzel und Band ein ausverkauftes Konzert im Werk 2 in Leipzig gegeben. Ein Auftritt mit Folgen, danach teilten die Veranstalter den Musikern schriftlich mit, dass sie nicht mehr dort spielen dürften. Die Antwort des Künstlers Hans-Eckardt Wenzel darauf ist ein »Offener Brief an die Mitarbeitersterncheninnen aus dem Werk 2 in Leipzig«, den jW an dieser Stelle exklusiv veröffentlicht. (jW)

Nach meinem letzten Konzert bei Euch habt Ihr beschlossen, einen weiteren Auftritt von mir zu untersagen. Im Klartext: ein Auftrittsverbot, weil (ich zitiere aus Eurem Schreiben) »die getroffenen Aussagen und vermeintlichen Scherze unserem (also Eurem) Selbstverständnis als Haus und soziokulturellen Zentrum konträr entgegenstehen und für uns (also für Euch) trotz allem Verständnis von Kunstfreiheit nicht akzeptabel sind«. Und da haben wir es auch schon: Eure Absage wäre keine Zensur, noch widerspreche sie der Kunstfreiheit. Mit diesen Taschenspielertricks konnte ich schon in der DDR meine Erfahrungen sammeln. Auch dort gab es keine offizielle Zensur, aber besorgte Bürger, die meine Auftritte zu verhindern wussten. Die Gründe, die Ihr für ein Verbot anführt, will ich kurz zitieren, in der von Euch gebrauchten Sprache.

1. »verfälschende Glorifizierung der DDR-Vergangenheit« (Was wisst Ihr über die DDR? Eigene Erfahrung? Oder das Spezialwissen der Zugereisten?)

2. »positiver relativierender Bezug zu Putin« (diese Sprachkonstruktion ist mir besonders ans Herz gewachsen, sie zeugt von intellektueller Schärfe! – Dass es diesen Präsidenten auf der real existierenden Erde gibt und dass man auch mit ihm reden muss, soll der Krieg beendet werden – ist das schon ein Vergehen?)

3. »über sensiblen Sprachgebrauch amüsiert« – also über das Gendern, Ihr fordert mich auf, »die Verwendung von rassistischen Wörtern und Sprachmustern zu überdenken« … (Der – offensichtlich auch rassistische – deutsche Rat für Rechtschreibung lehnt das Gendern ab. Aber ich verweise auch gerne auf meine Essays und Interviews, in denen Ihr andere Argumente finden könntet. Lesen bildet! Eine Sprache, die nicht mehr für die Poesie gebraucht werden kann, ist eine ideologische, eine bürokratische Sprache. So sehr Ihr dennoch daran hängen mögt, ist das schon ein Grund für ein Auftrittsverbot?)

4. »Eine Besucherin hat sogar unter Tränen die Halle verlassen.« Hatte sie vielleicht Liebeskummer? Vielleicht eine Depression? Vielleicht ist ihr jemand auf den Fuß getreten? Diese Dame wird zu Eurem Maßstab und nicht die 461 anderen Zuhörer. Sprecht Ihr für die, die zu Euch kommen? Sind die in Euren Augen dümmer als die eine Frau, die gegangen ist – und niemand weiß, warum? Müsst ihr die 461 schützen vor mir? Euch sei es »wichtig (…), dass sich ALLE Besucher:innen bei uns wohlfühlen. Die Vielzahl verstörender Äußerungen seitens Wenzel hat jedoch zum Gegenteil geführt«. Stellt Ihr Euch die Frage, warum die anderen 461 Zuschauer nicht gegangen sind und warum sie mehrere Zugaben verlangten? Und habt ihr vergessen, dass ich Ihnen am Ende dafür gedankt habe, dass sie es – im Unterschied zu Euch – ertragen konnten, Gedanken zu hören, die vielleicht nicht die Ihren sind, und dass wir eine Demokratie nur am Leben halten können, wenn wir diese Kunst des unideologischen Zuhörens wieder erlernen. Das habt Ihr nicht gehört, weil sich Eure Wahrnehmung auf Reizworte konzentriert. Und so fühltet Ihr Euch als moralische Avantgarde; zusammengekauert nach dem Konzert, aus Furcht, irgendwie mit uns in Verbindung gebracht zu werden, war nicht mal mehr ein »auf Wiedersehen« möglich. Nein, das hat Euch getroffen, nicht das Publikum, und auch, diesen Punkt Eurer Anklage will ich nicht verschweigen, dass ich Witze gemacht habe. Das Komische macht sich über falsche Gewissheiten und hohle Macht lustig. Wer sich nicht anzweifeln kann, versteht es nicht. Für den gibt es Comedians. Schließlich habe ich Witze gemacht:

5. »über die Gefahren der Coronapandemie und über nonbinäre Personen …«

Eure Gründe für mein Auftrittsverbot auflistend, kommt es mir vor, als würde ich das Inhaltsverzeichnis des »Handbuchs der Verschwörungstheorien« kopieren. Ich bin erschrocken, wie gut Ihr das schon gelernt habt, ohne genau hinzugucken, verbarrikadiert in Echokammern, die nun aus dem Netz in die Wirklichkeit übergehen, dass Ihr nur noch hören und denken könnt, was Reizworte in Euch auslösen, wie Algorithmen von Suchmaschinen oder Geheimdiensten, die nicht auf Zusammenhänge achten, auf Gestus oder Duktus, sondern nur auf das verteufelte Wort, das doch noch in der Kunst eindeutig zu sein habe, wie die Zahlen. Was bleibt übrig mit so einer Weltsicht, frage ich. Moralisch überheblich sucht Ihr in der Realität nach den Ausnahmen, die Eure Haltung so bestätigen, wie Ihr selbst es für richtig haltet. Könnt Ihr nur Euch selbst ertragen?

Ich schreibe Euch nicht deshalb so ausführlich, weil ich Hoffnung hätte, Eure Meinung zu ändern oder um mich über Euch zu erheben, ich schreibe deshalb so ausführlich, weil es mir die Gelegenheit gibt, über das tieferliegende Problem nachzudenken, es kenntlich zu machen für die anderen Fälle, die es schon gibt und die noch kommen werden – vor allem aber, weil ich diese Art von Banausentum nicht unwidersprochen hinnehmen will. Die Existenz und vor allem die gnoseologische Funktion der Künste stehen auf dem Spiel, und diese Gesellschaft ist gerade dabei, diesen kulturellen Schatz zu verspielen. Ihr spielt da mit! Ich schreibe es, weil ich Eure Haltung und meine Entgegnung genau deswegen öffentlich machen muss. Im Klartext natürlich, weil es nicht mehr anders geht: Diese um sich greifende selbstgefällige Arroganz ist moralisch offerierter Gesinnungsstalinismus. Mit einem einzigen Augenschlag, ohne tiefgreifende Analyse werden auf diese Weise Gedanken oder Kunstwerke kriminalisiert oder mit einem gesellschaftlichen Bann versehen. Habt ihr nie davon gehört, dass die Suche nach Wahrheit ein schmerzhafter Prozess ist? Nicht vergleichbar mit einem woken Wellnessprogramm? Wahrheit lebt von Provokation und Widerspruch, lebt vom Dialogischen, Fehler oder Irrwege eingeschlossen, Experimente jeglicher Art, denn die Dummheit erkennt man daran, dass der und die Dumme glauben, alles schon zu wissen. Ich möchte Euch warnen, weil es sein könnte, dass Ihr mit Eurem selbstgerechten Hochmut nicht für das einsteht, für das Ihr glaubt einzustehen: eine gerechtere Gesellschaft. Das, was Ihr befördert und herausfordert, ist der Dogmatismus eines geschlossenen Systems. Derweil stirbt die Erde vor unseren Augen und will uns nicht mehr ertragen, unser ökologisches Desaster; derweil krepieren Männer, Frauen, Söhne, Kinder und Soldaten in den Kriegen, die sich immer mehr vermehren, aber großen Gewinn bringen den Konzernen und Großmächten. Derweil erodiert die politische Kultur unseres Landes, geraten wir in Notstände, wenn wir nicht unsere Widersprüche friedlich lösen können. In meinem Konzert waren dies die Hauptthemen, nicht die Eurer Liste. Es geht darum, Kräfte zu entfesseln, dass wir zu unseren Erfahrungen stehen können, dem Liebeskummer und dem Weltschmerz, dass wir nicht verlernen, über die Dummheit zu lachen. Vielleicht kann ich Euch anregen, darüber nachzudenken und in anderen Fällen eine weisere Position einzunehmen.

Wenzel, Berlin im April 2024

2 Wochen kostenlos testen

Die Grenzen in Europa wurden bereits 1999 durch militärische Gewalt verschoben. Heute wie damals berichtet die Tageszeitung junge Welt über Aufrüstung und mediales Kriegsgetrommel. Kriegstüchtigkeit wird zur neuen Normalität erklärt. Nicht mit uns!

Informieren Sie sich durch die junge Welt: Testen Sie für zwei Wochen die gedruckte Zeitung. Sie bekommen sie kostenlos in Ihren Briefkasten. Das Angebot endet automatisch und muss nicht abbestellt werden.

  • Leserbrief von Franz S. (14. Mai 2024 um 11:22 Uhr)
    »Wahrheit lebt von Provokation (!) und Widerspruch (…) Fehler oder Irrwege (!) eingeschlossen, Experimenten jeglicher (!) Art«.
    Dieser oberflächlichen, allgemeinen und nach rechts offenen Definition von Meinungsfreiheit könnten sich auch Coronaleugner, Holocaustleugner und andere Querdenker sofort anschließen. Auch der Nazi Höcke, wenn er wieder mal eine der (zurecht) verbotenen Parolen raushaut. Das könnte man alles als Provokation verharmlosen. Das Ganze erinnert auch an die Klage, vor allem aus der rechten Ecke, wenn immer von »Verengung des Meinungskorridors« die Rede ist. Nach dem Motto: Das wird man wohl noch sagen dürfen. Apropos Querdenker bzw. Anbiederung an diese. Aus einem Lied von Hans-Eckardt Wenzel zu den notwendigen Coronamaßnahmen: »Es feiern Diktatoren, die Freiheit ist verloren (…) das Grundgesetz war gestern, heut kommt die Polizei.«
  • Leserbrief von H. Presberger aus Potsdam (13. Mai 2024 um 14:12 Uhr)
    Kaum zu glauben, was Wenzel im Leipziger Werk 2 widerfuhr, welches sich für alternative, autonome Kulturarbeit feiern lässt. Aber in unser Leipzig, das »Kleine Paris«, fallen die Spießer ein!
    Aufgewachsen um die Ecke kenne ich noch die ursprüngliche Fabrik, wo fleißig gearbeitet wurde und wir Sägespäne für Meerschwein holten. Wäre es mal dabei geblieben! Ende der 80er mussten wir die Wandlung unseres gemütlichen Connewitz zur gewalttätigsten Schmuddelecke der BRD miterleben. Die dort herumgeisternden Typen haben in unserem Geist der von Goethe gepriesenen, gebildeten Leute sowenig gemein wie die zugezogenen! Gemeint sind Sachsenverächter. Wer nach Connewitz auf Konzerte geht, darf nicht zart besaitet sein. Wie alle Menschen mit gesundem Verstand lieben wir Sachsen den deftigen Witz. Mokiert sich einer darüber, ist Schluss mit lustig, dann wermer gemeene! Also Werk-2-Betreiber: »Was uns nicht umhaut, macht uns härter.« Wenzel wünsche ich noch größte Erfolge.
  • Leserbrief von Bernd Vogel aus Leipzig (13. Mai 2024 um 12:07 Uhr)
    In der Diskussion über den offenen Brief von Wenzel ist vieles richtige gesagt worden (Gina Pietsch und Sabine Puls in der jW vom 11./12. Mai 2024). Auf einen Aspekt möchte ich noch aufmerksam machen. Wenzel stellt als Praktiker fest, dass in der Gendersprache keine Poesie möglich ist. Ein vernichtendes Urteil. Aber es ist zu befürchten, dass die frommen Eiferer des Genderns dies nicht anerkennen werden. Die heutige Mode der Gendersprache ist eine Art sprachliche Maschinenstürmerei. Man glaubt, durch sprachliche Veränderungen die materiellen Verhältnisse ändern zu können, während man sie aber nur durch eine sprachliche Veränderung anerkennt. Man hat durch die Gendersprache nur die vorhandenen Verhältnisse anders interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.
  • Leserbrief von Axel L. (8. Mai 2024 um 22:39 Uhr)
    In seiner Stellungnahme (https://www.instagram.com/p/C6oZKB_Ig6u/) zum offenen Brief von Herrn Wenzel behauptet das Werk 2, es habe kein Auftrittsverbot gegeben, sondern lediglich eine »Einladung zu einem Gespräch über die Vorfälle und unsere Haltung dazu«. Ohne den genauen Inhalt der ursprünglichen Mail des Werk 2 an Herrn Wenzel zu kennen, dürfte es schwierig werden, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.
  • Leserbrief von Siggi aus Dresden (8. Mai 2024 um 08:38 Uhr)
    Danke an Wenzel für die klaren Worte und auch an die junge Welt fürs Drucken!
  • Leserbrief von Martha Schrank aus Ost-Berlin, Adlershof (7. Mai 2024 um 12:37 Uhr)
    »Wir wollen in diesem Land leben, und es macht uns krank, tatenlos mitansehen zu müssen, wie Versuche einer Demokratisierung, Versuche einer gesellschaftlichen Analyse kriminalisiert bzw. ignoriert werden. Wir fordern jetzt und hier sofort den öffentlichen Dialog mit allen Kräften. Wir fordern eine Öffnung der Medien für diese Probleme. Wir fordern Änderung der unaushaltbaren Zustände. Wir wollen uns den vorhandenen Widersprüchen stellen, weil nur durch ihre Lösung und nicht durch ihre Bagatellisierung ein Ausweg aus dieser Krise möglich sein wird.« Das ist ein Zitat aus der Resolution von DDR-Künstlern vom 18. September 1989. Der maßgebliche Verfasser und Erstunterzeichner war - H.E. Wenzel! Der Wenzel, der jetzt, im vereinten, blühenden Deutschland, wieder nicht mehr auftreten darf, zumindest nicht im Werk 2 in Leipzig... der »Heldenstadt« von 1989... Ist es nicht erschreckend, dass wir Ostdeutsche das alles wieder erleben?! Wo ist die viel beschworene Meinungsfreiheit, die Akzeptenz der Meinung Andersdenkender? Kommt mir alles fatal bekannt vor. Ich habe Wenzel zuletzt live erlebt im Theater Ost in Adlershof, habe gehört, was er zu Krieg und Frieden, Putin, Gendersprech zu sagen hat - und er spricht mir aus der Seele, dem Herz und dem Verstand! Sein Konzert im Juni 2024 in Kamp war nach 3 Minuten ausverkauft - sind das alles Idioten, die ihn hören, sehen wollen? Wohl kaum. Ich schäme mich für die Veranstalter in Leipzig. Sie sind auf dem schlechtesten Weg so zu werden, wie es die üblen Funktionäre in der DDR waren. Ich empfehle ihnen dringend, sich den ausgezeichneten Dokfilm »Glaubt nie, was ich singe« von Lew Hohmann anzusehen, damit sie eine Ahnung bekommen, mit wem sie es zu tun haben. Mit einem klugen Mann, einem Poeten - wir sollten uns glücklich schätzen, dass wir solche Künstler haben. Ins Theater Ost wurde Wenzel gleich nach seinem Konzert wieder eingeladen, hier wird er hoffentlich bald wieder spielen! Und wir werden ihn feiern!
  • Leserbrief von KCL (6. Mai 2024 um 21:25 Uhr)
    Hallo, ich bin 26 und quasi mit Wenzel aufgewachsen und sozialisiert. Ich war auf dem Konzert im Werk 2 und gehöre zu denen, die dieses Mal nicht aus Freude oder Rührung geweint haben. Kein Liebeskummer und kein schlechter Tag haben mir die Tränen in die Augen getrieben, es warst du, Wenzel. Es war die konkrete Ausladung aller, die nicht hören »können«, was du zu sagen hast. Schockiert stand ich da und wusste nicht, wohin mit mir. Ich war ja gerade ausgeladen worden, aber wollte doch die Musik, die ich so liebe, hören. Im Fall des Werk 2 finde ich die Entscheidung nachvollziehbar. Wenzel bot uns an, den Saal zu verlassen, das Werk 2, als Gastgeber, hat sich dazu entschlossen, dem Folge zu leisten und die Zusammenarbeit einzustellen. Mein Eindruck war, dass Wenzel sich über die Dimensionen seiner Aussagen bewusst war. Er entschuldigte sich am Ende seines Auftritts und bedankte sich fürs Durchhalten. Durchhalten, ja, aber von jetzt scheint die Situation so verfahren, dass die Wege sich trennen müssen. Das Gendern und die Eigenheiten der Sprache meiner Generation hätten überhaupt kein Thema sein müssen. Schreib doch, was du willst, wer hindert dich daran? Die Musik wird gehört, die Bücher gelesen, die Konzerte besucht. Die Welt dreht sich weiter. Ich habe das Konzert und vor allem das Programm zwischen den Liedern als kollektive Bauchpinselung und ein einziges »endlich sagt’s mal jemand« empfunden. Es ging nicht ums einander verstehen. Es gab keine Aussicht auf Dialog. Es war ein Monolog, so alt wie die Menschheit: »Die Jugend verdirbt die Gesellschaft, die wir so mühsam aufgebaut haben und versteht nichts!« Aussagen, die während des Konzertes von Wenzel, zum Staat, zur Politik und Gesellschaft getroffen wurden, bergen die Gefahr Tür und Tor für Gedankengut zu öffnen, das der Gesellschaft mehr schaden wird, als sprachliche Präferenzen. Ich vermisse jetzt schon, mich der Wenzel-Fangemeinde zugehörig fühlen zu können. Es war eine schöne Zeit, vielleicht kommt sie wieder.
  • Leserbrief von Matthias W. aus Leipzig (6. Mai 2024 um 20:53 Uhr)
    Ganz ehrlich, so richtig gefallen mir die Aussagen von Wenzel schon seit Corona nicht mehr. Manche Äußerungen und Stücke wie »Alter weißer Mann« klingen seit einer ganzen Weile nach einem jammernden alten weißen Mann … Schade Wenzel.
  • Leserbrief von Antje Brotsch aus Grimma (6. Mai 2024 um 19:41 Uhr)
    Es ist erstaunlich, vor allem wenn man die Leserbriefe liest, es gibt sie noch, intelligente, friedliebende und freiheitsliebende Menschen, die sich nicht blenden lassen von den aktuellen wahrheitsfernen Medien und Politikern. Leider wahrscheinlich die meisten im älteren Semester.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Stephan K. aus Neumarkt i.d.OPf. (6. Mai 2024 um 18:49 Uhr)
    Ich möchte meine Solidarität und volle Zustimmung zu Wenzels Text und den hier publizierten Leserbriefen zum Ausdruck bringen. Ich freue mich nun auf das nächste Konzert von Wenzel, am 09.05. – beim Paradiesvogelfest (08.05.–12.05.), auf dem Schloss Weitersroda bei Hildburghausen, ganz besonders.
  • Leserbrief von Jens-Uwe Röhl aus Hoyerswerda (6. Mai 2024 um 18:30 Uhr)
    Eine kurze Anekdote zum Thema: Ich war vor ein paar Jahren beim (Nachfolge-)Festival des politischen Liedes in der Wabe in Berlin. Nicht zuletzt, weil Mensching/Wenzel mit einem ihrer raren gemeinsamen Auftritte angekündigt waren. Durch die Räume lief Malcom Z (Jürgen Eger) mit einem großen Schild »ICH HABE HIER AUFTRITTSVERBOT«. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit Wenzel/Mensching auf der Bühne beklagte er aus dem Publikum heraus die ihm gegenüber stattfindende Zensur. Darauf hin Wenzel zu ihm: Nicht eingeladen zu sein ist kein Auftrittsverbot. Fand ich damals schlüssig. Finde ich heute noch schlüssig (noch dazu aus berufenem Munde). Punkt. Im übrigen empfiehlt sich zumindest die Kenntnisnahme der Darstellung des Vorgangs aus Sicht der Veranstalter (siehe Facebook).
  • Leserbrief von Peter Groß aus Bodenseekreis (6. Mai 2024 um 14:08 Uhr)
    Kultur wird vereinnahmt, gekauft, zu oft verhindert. Nicht erst seit es Kulturstaatssekretärinnen gibt. Es ist ein ewiges Geschehen. Claudia Roth ist vorbelastet. Sie ist von Angst geplagt, seit Hoffmanns Comic Theater, Ton Steine Scherben und der Nähe der Haschrebellen zur palästinensischen Kultur. Ich kenne seit 50 Jahren, die Versuche der Vereinnahmung, der politischen Beeinflussung, den Druck für Staatsknete einen Verein gründen zu müssen, das folgende ritualisierte Antragswesen für Almosen, auch die Gier nach sicherem Gehalt über staatliche Dauerförderung. Auch Werk 2 hat das bestimmt zur Perfektion getrieben und den, soweit überhaupt vorhandenen, kulturellen Sachverstand durch Obrigkeitshörigkeit ersetzt. Wen es interessiert, der mag die lange Liste geförderter Projekte im Geschäftsbericht von »Demokratie leben« einmal durchsehen und Rückschlüsse ziehen, warum ausgerechnet alle geförderten Projekte derzeit eine so staatstragende und parteinahe Politik betreiben. Zur DDR-Vergangenheit fällt mir, als im Käfig West-Berlin gehaltenen Trizonesiendeutschen, viel ein: Die kulturellen Nischen in der gesamten DDRepublik, das strikte Verbot von Kinderarbeit, Franz Club, Friedensuniversität, geduldete Hausbesetzungen und Wohnungsbau. Der Vorname von Putin ist nicht Kriegsverbrecher, wenn man das Gespräch sucht. Weit über 220.000, vor dem Ukrainekrieg geflüchtete Männer als Kriegsdienstverweigerer in Deutschland fordern andere Wege. Ein kulturelles Neuland. Das Gendern schuf kommerzielle, mittelständische Bildungsschmieden ohne Mehrwert, aber mit staatlichem Zertifikat, ist angesichts des Vordringens der amerikanisch/englischen Sprache ohnehin von vorgestern. Ich fürchte, die kulturelle Einfältigkeit des Werk 2 goutiert zukünftig eher Vortragskünstlerinnen aus dem Kreis der »Ladies Night Youngstars«. Deren Protagonistinnen das domestizierte Westvolk oder Ostvolk mit Vorträgen über gebleachte, also weiß aufgehellte Arschlöcher (Sendung WDR, 04.05.2024) zum Beifall zwingen.
  • Leserbrief von Roland Winkler aus Aue (6. Mai 2024 um 11:33 Uhr)
    »Wahrheit lebt von Provokation und Widerspruch, lebt vom Dialogischen, Fehler oder Irrwege eingeschlossen, Experimente jeglicher Art, denn die Dummheit erkennt man daran, dass der und die Dumme glauben, alles schon zu wissen. Ich möchte Euch warnen, weil es sein könnte, dass Ihr mit Eurem selbstgerechten Hochmut nicht für das einsteht, für das Ihr glaubt einzustehen: eine gerechtere Gesellschaft.« Hans-Eckardt Wenzel
    Der Liedermacher Wenzel hat seine Erfahrung mit Medien-, Presse-, Aufrittsfreiheit nicht nur in der DDR, nun gar im Lande der angeblichen Erfinder aller Freiheiten.
    Es ist schon zwei, drei Jahre her, als wir einen Auftritt des Liedermachers im Norden Berlins besuchen konnten. Er ist politisch, war es nicht nur gegen die DDR, hat sich Kritik auch am Jetzt und Heute bewahrt. Das mögen Eliten hierzulande ebensowenig, wie es in der DDR der Fall war. Allen denen, für die nur gut und böse gilt, denen DDR und einig Deutschland ein und dasselbe sind, die keinen Unterschied ausmachen, denen es des politischen Standpunks eigner Zugehörigkeit fehlt, die um ihre wirkliche Rolle und Stellung in jeweiliger Gesellschaft nichts wissen, denen hat der Hans-Eckardt Wenzel vieles voraus. Es steckt mehr als oberflächlicher Geist in den zwei eingangs zitierten Sätzen aus seinem offenen Brief an Veranstalter in Leipzig, die ihm wohl zeigen wollten, wo hier Ende der Freiheit und Demokratie ist.
    Wenzel ist ein anderes Kaliber, als es so viele der Bürgerbewegten waren und sind, die sich seit Jahrzehnten feiern lassen, angepasst, voller Antikommunismus, Gefallsucht und Hass im Heute kaum Kritisches sehen wollen, gesellschaftlich nichts begreifen. Einigen der Bürgerbewegten, deren Verstand nur dazu diente und reichte sich im DDR-Hass zu suhlen, damit Anerkennung und mediale Auftritte zu bekommen, haben wir als Besucher des Konzerts bei Wenzel gesehen.
    In Leipzig hat es Wenzel gewagt, mit Text und Gesang an verheerende deutsche »politische Kultur«, an Erdensterben, an Kriege und Profiteure daran, zu erinnern. Solche Meinungsfreiheit ist unerwünscht. Heutige junge Generationen haben nur die Überzeugung zu schlucken, dieser marktwirtschaftliche Kapitalismus ist das beste, was die Menschheit hat, es ist das Ende der Geschichte, somit hat diese Gesellschaft, Bildung und Kultur kein Interesse daran Kritik der politischen- ökonomischen Verhältnisse zu vermitteln. Den Rest der Welt, wer, warum damit umgeht bei Strafe des eignen Untergangs, das hat nach dem Menschenbild dieser Gesellschaft bestenfalls in Sonntagsreden zu interessieren.
    Das Lachen nicht verlernen ist oft nicht ganz leicht, wenn alle gesellschaftliche Kritik möglichst unpolitisch sein soll, eignes Denken überflüssig zu sein hat, Lehrmeinungen sich bis zu dümmsten Behauptungen auf unterstem Niveau bewegen. Was Wenzel mit »Politischer Kultur« meint,kann erahnt werden.
  • Leserbrief von Gina Pietsch (6. Mai 2024 um 10:41 Uhr)
    Die traurigste Information an Wenzels Brief war für mich, dass die Auftrittsverbote aus Leipzig kamen. Ist doch normal, könnte nun mancher sagen, ja, und ich sag das mittlerweile auch. Diese meine Unistadt – Karl-Marx-Uni natürlich – die sich nun so gerne Heldenstadt nennt, hat ihre »Revolution« offensichtlich vergessen oder immer schon anders verstanden, als ich es erhoffte.
    Wenzel hat einen klugen, wichtigen und auch schönen Brief geschrieben, und die Adressaten sollten stolz sein, von ihm in dieser Weise erwähnt worden zu sein. Bei wem wollten sie sich mit diesem Verbot anbiedern? Bei denen, die uns die Kriegsmüdigkeit übelnehmen, die nicht genug Gelder vom Bau von Krankenhäusern und Schulen, von der Unterstützung der immer ärmer werdenden Kinder in unserem Lande abziehen können, zum Verschenken von immer gefährlicheren und teureren Waffen an Kriegsführer, die uns jedes Mitleiden mit den im Gaza durch Bomben und Hunger Getöteten als »Judenhass« auslegen? Sich auf deren Seite zu stellen, ist nicht nur provinzlerisch dumm, sondern lebensgefährlich für uns alle. Wenzel sei Dank, dass er mit seiner Kunst auf der anderen Seite steht.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (5. Mai 2024 um 16:13 Uhr)
    Nicht einfach, unter die solchen Umständen das Lachen nicht zu verlernen.
  • Leserbrief von brigitte schiller aus Berlin (5. Mai 2024 um 13:25 Uhr)
    Wow, was für ein toller Brief – er reflektiert meine Weltsicht und Erfahrungen der letzten Monate. Meinen tiefen Respekt und ein weiter so bitte! Wir brauchen genau solche Künstler und Kunst. Mit herzlichen Grüßen, Brigitte Schiller
  • Leserbrief von Sabine Puls aus Alt Schönau (5. Mai 2024 um 02:29 Uhr)
    Bravo, Herr Wenzel! Besser kann man es nicht in Worte fassen. Sie sprechen aus, also schreiben auf, was viele Menschen denken. Es ist ein Graus zuzusehen und zuzuhören, was sich in Deutschland gerade vor unser aller Augen abspielt. Es macht mich wütend und traurig zugleich. Die Leute, die vorgeben für Gleichheit, Gerechtigkeit und Toleranz zu kämpfen, schwingen sich zu Richtern über alles und jeden auf und sind Moralapostel mit einem derart eingeschränkten Horizont, dass einem Angst und Bange wird. Vielen Dank an die junge Welt, die Wenzels offenen Brief veröffentlicht hat, auch wenn mir in den letzten 20 Jahren nicht alle Artikel gefallen, nicht jede Kurve geschmeckt hat, die Ihr inhaltlich genommen habt. Wenn es jetzt nicht gelingt, dass sich vernünftige, wahrhaft tolerante, kluge und streitbare Geister in dieser Republik zusammentun, dann bangt mir vor der Zukunft. Auf ein offenes, freies, versöhnliches und lachendes Leben, keine Worthülsen und Gesinnungspolizisten! Hochachtungsvoll Sabine Puls
  • Leserbrief von Klaus Müller aus Lugau, OT Ursprung (4. Mai 2024 um 17:05 Uhr)
    Menschen wie der Künstler und Sänger Hans-Eckardt Wenzel geben in dieser wirren und irren Zeit Halt und Kraft. Wenzel nennt Missstände Missstände, Unrecht Unrecht, spricht unangepasst und mutig Wahrheiten aus, prangert an, was unwahr und einseitig ist und in der Gesellschaft schiefläuft. Er unterwirft sich keinem Herrscherdenken und keinen Volkes Vorurteilen. Gelassen und überzeugend antwortet er denen, die ihn anfeinden und zu demütigen versuchen, erweist sich ihnen in seinem Wissen, im Demokratieverständnis und in seiner Menschlichkeit haushoch überlegen. Dass ein solcher Mann ausgegrenzt werden soll, passt leider in die Zeit.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heiko K. aus Leipzig (4. Mai 2024 um 16:20 Uhr)
    Wer Wenzel Auftrittsverbot erteilt, hat sie nicht mehr alle. Ich gehe nie mehr ins Werk II.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Andreas E. aus Schönefeld (4. Mai 2024 um 09:30 Uhr)
    Es ist ein weiterer Fall von Unterdrückung kritischer Meinungen. Die BRD bewegt sich immer schneller in die Richtung, die man z. B. Russland oder China immer andichtet. Was wäre das für ein Gejammer, wenn so etwas dort passieren würde? Aber die »Gründe« findet man auf der Webseite von Werk 2 Leipzig. Man braucht sich nur die Fördererliste des e. V. ansehen, Sachsens Ministerien sind darin vertreten, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, einige Leipziger Ämter – kurz gesagt: Wessen Brot ich fress, dessen Lied ich sing. Aber Wenzel sollte sich keine Sorgen machen. Die Kampagne vom letzten Jahr gegen Tino Eisbrenner hat ihm so viele Auftritte beschert, dass er nicht nachkommt. Hans-Eckhardt, lass Dich nicht verbiegen (daran glaube ich eh nicht). Du hast genügend treue Fans und es wird auch alternative Auftrittsorte geben, ich kenne da viele, die kein Problem mit Dir haben werden.

Ähnliche:

  • Peter Sodann (1. Juni 1936–5. April 2024) im Kistenlabyrinth sei...
    09.04.2024

    Ein Mann der Bücher

    Zum Tod des Schauspielers, Regisseurs und Autors Peter Sodann
  • Gert Wunderlich: Hemmungsloser Maximalprofit tötet Moral. Plakat...
    18.11.2023

    Meister der Form

    Eine Erinnerung an den Plakatkünstler, Typographen, Buch- und Schriftgestalter Gert Wunderlich anlässlich seines 90. Geburtstages
  • »Kann ein Streichquartett für Oboe, Klarinette und Fagott sozial...
    11.08.2023

    Darf’s noch etwas mehr sein?

    Zur Ausstellung »›Anmut sparet nicht noch Mühe‹ – Der Komponist Hanns Eisler« im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig

Regio:

Mehr aus: Feuilleton