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Aus: Ausgabe vom 03.05.2024, Seite 15 / Feminismus
Frauensport

Olympische Spiele erkämpft

Sportlerin und Aktivistin: Zum 140. Geburtstag von Alice Milliat, die den Weg für Frauen ebnete
Von Kai Böhne
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Alice Milliats größte Leidenschaft galt dem Rudern

Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen waren, ebenso wie in der Antike, reine Männersache. Das im Juni 1894 gegründete Internationale Olympische Komitee (IOC) legte wenig Wert auf Frauensport, er galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als unschicklich. Das änderte sich auch in den Folgejahren nur in sehr kleinen Schritten: 1900 durften Frauen bei den Olympischen Spielen im Tennis und Golf starten. Vier Jahre später auch im Bogenschießen. 1908 im Eiskunstlauf und 1912 feierten sie ihr Debüt im Schwimmen.

Bei den Leichtathletikwettbewerben der Olympischen Sommerspiele 1920 in Antwerpen waren keine Sportlerinnen erlaubt. Im Vorfeld hatte Alice Milliat (1884–1957), eine französische Sportlerin und Aktivistin für Frauensport, das IOC mehrfach mit dem Ziel kontaktiert, Frauenwettbewerbe zuzulassen – vergeblich. Als Französischlehrerin und Übersetzerin war Milliat in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts nach London gezogen. Dort entdeckte sie den Sport für sich. Ihre besondere Leidenschaft galt dem Rudern, aber auch Schwimmen und Feldhockey betrieb sie auf hohem Niveau. Sie spielte Basketball und Fußball und nahm an Autorennen teil. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte sie nach Frankreich zurück.

Milliats Ziel war die Beteiligung von Frauen an sämtlichen Sportarten bei Olympischen Spielen und sie blieb hartnäckig und überzeugt davon, dass Sport das Selbstvertrauen von jungen Frauen stärken könne. Gemeinsam mit sportbegeisterten Frauen gründete sie im Oktober 1921 den Internationalen Frauensportverband FSFI (Fédération Sportive Féminine Internationale), dessen vorrangiges Ziel die Anerkennung der Frauenleichtathletik war. Bereits einige Monate zuvor, im März 1921, hatten die Frauen in Monaco internationale Frauenspiele ausgetragen. Rund 100 Athletinnen aus fünf Ländern wetteiferten im Speerwerfen, Kugelstoßen, Hochsprung und im Sprint, Hürden- und Mittelstreckenlauf. Die Wettkämpfe waren ein solcher Erfolg, dass sie im Folgejahr erneut ausgetragen wurden.

Bis 1934 wurden in Konkurrenz zu den Olympischen Spielen insgesamt sieben internationale Sportwettbewerbe für Frauen ausgetragen, die später als Frauenweltspiele bezeichnet wurden. Durch ihren Nachdruck gelang es den FSFI-Frauen bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam zumindest in fünf Leichtathletikdisziplinen antreten zu dürfen. Obwohl sie große Medaillenchancen gehabt hätten, boykottierten britische Sportlerinnen die Wettbewerbe: Ihnen ging die Beteiligung der Frauen nicht weit genug, denn die Männer durften sich in 22 Leichtathletikwettbewerben messen.

Das Tauziehen um die olympischen Leichtathletikdisziplinen für Frauen hielt an. Eine Programmkommission, geleitet von Sigfrid Edström, dem schwedischen Präsidenten des Weltleichtathletikverbandes (IAAF), schlug dem Olympischen Kongress von 1930 mit 26 Stimmen bei einer Gegenstimme vor, die weibliche Teilnahme auf Turnen, Schwimmen, Tennis und Eiskunstlauf zu begrenzen. Erst nach heftigen Diskussionen gelang es in einem zweiten Anlauf, Frauen auch bei den sechs Leichtathletikdisziplinen, 100-Meter-Lauf, viermal 100-Meter-Staffel, 80-Meter-Hürdenlauf, Hochsprung, Diskus- und Speerwurf sowie dem Florettfechten zuzulassen. Demgegenüber konnten sich Männer in 23 Leichtathletik- und sechs Fechtwettbewerben vergleichen.

In Frankreich wurde das Engagement von Alice Milliat für den Frauensport nicht vergessen. Die Städte Saint-Denis und Arcueil benannten Straßen nach ihr. In Nantes trägt seit 2005 ein Studierendenwohnheim und in Bordeaux seit 2018 eine moderne, innerstädtische Sportanlage ihren Namen. Zu Milliats 140. Geburtstag am 3. Mai erinnert die französische Post an diesem Freitag mit einer Sondermarke an die Kämpferin für Frauenrechte im Sport. Drei Jahre zuvor wurde Miliat am Internationalen Frauenkampftag mit einer Skulptur geehrt – sie steht am Eingang des Hauptquartiers des französischen Nationalen Olympischen Komitees in Paris. Die Organisatorin der Frauenweltspiele steht nun neben der Statue von Pierre de Coubertin, dem Gründer der Olympischen Spiele der Neuzeit.

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