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Aus: Ausgabe vom 22.04.2024, Seite 8 / Ansichten

Remigrationsfan des Tages: Marine Le Pen

Von Arnold Schölzel
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Marine Le Pen

Das 101. Département Frankreichs liegt 8.000 Kilometer von Paris entfernt im Indischen Ozean und heißt Mayotte. Die Inselgruppe gehört völkerrechtlich zu den Komoren, nach französischer kolonialistischer Konstruktion aber zu Frankreich und zur EU. Konsequenz: Auf Mayotte gilt das sogenannte Boden-, nicht das deutschtümliche Blut- und Bodenrecht. Wer dort geboren wird, ist Franzose und EU-Bürger. Das zieht Einwanderer aus Ostafrika und Madagaskar an, von den 310.000 registrierten Einwohnern stammen mehr als die Hälfte von dort, Zehntausende weitere werden vermutet.

Das alarmiert seit langem die Führer der Migrantenbekämpfung in der EU, den faschistischen Rassemblement National (RN). Der RN-Vorsitzende Jordan Bardella sieht in Mayotte, was ganz Frankreich drohe, der Neonazi Éric Zemmour nennt das Bodenrecht »Waffe Afrikas für den Bevölkerungsaustausch«.

Zwei Tage nahm sich die RN-Abgeordnete und mehrfache Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen am Wochenende Zeit, um auf Mayotte Wahlkampf gegen Migration und für mehr EU-Hilfe für Fischer zu führen. Nötig ist das nicht: Der RN dürfte bei den EU-Wahlen in Frankreich die Nase vorn haben, Emmanuel Macrons Regierung ist schon eingeknickt und will auf Mayotte das Bodenrecht abschaffen. Womit dann im Staatsgebiet zwei Geburtsrechte existieren würden.

Mitten in die Mayottetour kam nun aber ein Dolchstoß in den Rücken von Le Pen – von der AfD. Die stellte in der vergangenen Woche die Zugehörigkeit der Inselgruppe zu Frankreich in Frage. Le Pen zeigte sich »verärgert« und beschied den Spießgesellen, sie sollten sich »lieber um Deutschlands Probleme kümmern«. Sie werde ihnen »einige Lektionen in Geopolitik« erteilen. Die AfD stotterte, »dass RN das nun aufstößt, konnte hier keiner ahnen«. Der gemeinsame »Remigrations«-Furor wird alle Wunden heilen.

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