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Aus: Ausgabe vom 19.04.2024, Seite 11 / Feuilleton
Gazakrieg

Sein gutes Recht

Der Schauspieler Dieter Hallervorden hat sein Video zum Krieg in Gaza gegen Kritik verteidigt. Darin spricht er im Zusammenhang mit Israels Politik auch von Apartheid und Völkermord. »Ich habe von meinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht, wohl wissend, dass ich damit nicht die Meinung aller äußere«, sagte der 88jährige in der RBB-»Abendschau« am Mittwoch. »Ich glaube, dass die Situation im Gazastreifen nicht mit dem Völkerrecht vereinbar ist, dass die Situation nichts zu tun hat mit Menschlichkeit.« In einem dreiminütigen Video, das Hallervorden am Dienstag auf Facebook postete, fordert er eine Feuerpause und eine Freilassung »aller Geiseln«. Hallervorden spricht ein Gedicht, das er gemeinsam mit dem politischen Nacktflitzer Diether Dehm geschrieben hat. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und frühere Grünen-Politiker Volker Beck hatte das Video gegenüber Bild ein »Beispiel für Schuldabwehrantisemitismus im Zusammenhang mit Täter-Opfer-Umkehr im Nahostkonflikt« genannt.(dpa/jW)

  • Leserbrief von Franz S. (30. April 2024 um 13:27 Uhr)
    Die Charakterisierung des »politischen Nacktflitzers Diether Dehm« ist gut getroffen.
    Volker Beck ist im Zusammenhang mit der aktuellen Situation in Nahost zweifellos ein
    Kriegshetzer. Bei der Solidarität mit den Palästinensern muss man aber bedenken, dass sich da jede Menge fragwürdige Gestalten dranhängen. Wer das bestreitet, ist naiv.
    Hallervorden ist bisher nicht mit fortschrittlichen Äußerungen aufgefallen. Im Gegenteil: Bei der österreichischen Romy-Verleihung 2015 in Wien nahm Hallervorden den Preis entgegen, bedankte sich und fügte hinzu: »Und morgen führe ich die Romy heim ins Reich.«
    Mit welchem politischen Gesindel sich Dehm herumtreibt, zeigt das Video, das auch auf den Nachdenkseiten – wo regelmäßig die Hetze von Coronaleugnern und Impfgegnern veröffentlicht wird – am 27. April 2024 angeboten wurde (www.youtube.com/watch?v=QcxOgvEcNTs). Auszüge aus dem Interview mit dem Coronaleugner Paul Brandenburg: »Der Massenmörder (Lauterbach) war umgeben von einer Horde Geisteskranker«. Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates wird als »Professorin für deutsche KZ-Ethik« bezeichnet (42:30). Minute 1:05:35: »Es haben diejenigen Haftstrafen verdient, die in Impfzentren gearbeitet haben (…) die gehören dauerhaft eingesperrt. Wer so was macht, ist nichts anderes als ein KZ-Helfer.«
  • Leserbrief von Claudia Kratofil (29. April 2024 um 13:01 Uhr)
    Es gibt unzählige Beiträge, die unbestritten wertvoll sind, mich jedoch zwingen, das Fremdwörterbuch zum Verstehen zu Rate zu ziehen. Ausgerechnet in diesem so unmenschlichen Gaza-Konflikt, der mich innerlich zerreißt, einen künstlerischen Beitrag mit einem solchen Stammtischniveau (politischer Nacktflitzer) zu kommentieren, empfinde ich als skandalös. D. Hallervorden hat eine Reichweite, die weit über die der Veranstaltungen in der Maigalerie und auch die der jW hinausgeht. Daher ist es wichtig und anerkennenswert, dass auf diese Art und Weise ein Diskurs bei einer breiten Masse der Bevölkerung in Gang gekommen ist. Euer Beitrag wirkt auf mich arrogant und erhaben. Persönliche Abrechnungen mit Protagonisten dürfen nicht an diesem tragischen Thema abgearbeitet werden, nicht in der Tageszeitung meiner Wahl.
  • Leserbrief von Marianne Linke aus Stralsund (21. April 2024 um 16:34 Uhr)
    Liebe Freunde, dieser Beitrag hat mir fast die Sprache verschlagen. In dieser sehr angespannten Weltlage auf diese Weise sich über den äußerst mutigen, sensiblen, politisch klugen Dieter Hallervorden und seinen Co-Autoren Diether Dehm zu äußern, halte ich menschlich für äußerst unanständig. Euer Beitrag mit dem abschließenden Zitat des Grünen-Politikers Volker Beck geht mE politisch vollkommen an der Sache vorbei und ist einer soliden, verständnisvollen Argumentation über die Lage im Nahen Osten nicht dienlich und der jungen Welt - wie ich sie auch im Zu-sammenhang mit dem jüngst verbotenen Palästina-Kongress erlebt habe - nicht würdig. Mit freundlichen Grüßen Dr. Marianne Linke, Stralsund.

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