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Aus: Ausgabe vom 16.04.2024, Seite 1 / Ausland
Sudan-Konferenz

Sudan: Größte Flüchtlingskrise der Welt

Hilfekonferenz in Paris mit wenig Zusagen. Konflikt ist internationalisiert
Von Arnold Schölzel
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Geflüchtete Frauen aus Darfur erhalten Nachricht von den Hinterbliebenen (Adre/Tschad, 7.11.2023)

Ein Jahr nach Beginn des Kriegs im Sudan richteten Frankreich, die Bundesrepublik und die EU am Montag in Paris eine internationale Konferenz dazu aus. Nach einem nichtöffentlichen Ministertreffen fand am Nachmittag eine Geberkonferenz statt. Die UNO veranschlagt die benötigte Summe auf 3,8 Milliarden Euro. Deutschland sagte für 2024 244 Millionen Euro zu, Frankreich 110 Millionen Euro, die EU-Kommission rund 355 Millionen Euro. Insgesamt wurden am Montag von Diplomaten Zusagen in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro erwartet. Parallel zu beiden Konferenzteilen kamen etwa 40 Vertreter der sudanesischen Zivilgesellschaft zusammen.

Der am 15. April 2023 entfesselte Kampf zwischen dem sudanesischen De-facto-Machthaber Abdel Fattah Al-Burhan und seinem früheren Stellvertreter Mohammed Hamdan Daglo hat die gegenwärtig größte Flüchtlingskrise weltweit ausgelöst. Laut UNO sind mehr als 8,6 Millionen Menschen auf der Flucht vor der Regierungsarmee SAF und Daglos Miliz RSF. Amnesty International fordert, der UN-Sicherheitsrat müsse das bereits für die Region Darfur geltende Waffenembargo auf das ganze Land ausweiten. Die Linke im Bundestag verlangt, dass die Bundesregierung die Lieferung von sechs Airbus A-400 M an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) nicht genehmigt. Die VAE unterstützen in erheblichem Maße die RSF.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) sagte zu Beginn der Konferenz vor Journalisten, 25 Millionen Menschen, rund die Hälfte der sudanesischen Bevölkerung, seien »dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen«. Frankreichs Außenminister Stéphane Séjourné erklärte, der Sinn des Treffens bestehe darin, »das Schweigen zu brechen, das diesen Konflikt umgibt, und die internationale Gemeinschaft zu mobilisieren«.

Ähnlich wie im vom Westen zerstörten Libyen ist der Krieg internationalisiert. So wies der sudanesische Diplomat Nureldin Satti am Montag in einem Interview mit Radio France Internationale darauf hin, dass die Ukraine an der Seite der SAF kämpfe, russische Soldaten an der Seite der RSF.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Andreas E. aus Schönefeld (16. April 2024 um 14:24 Uhr)
    Ich war in den letzten acht Jahren dreimal im Sudan. Meine Eindrücke beziehen sich auf die Region rund um Port Sudan, die sich damals in Richtung Tourismusmagnet vor allem für Sporttaucher entwickelte. Trotz der damals schon geltenden Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes sind wir, meine Tauchpartner und ich, immer voller positiver Eindrücke und vor allem immer mit neuen Freundschaften mit Einheimischen nach Hause zurückgekehrt. Um so schmerzhafter ist für mich diese Entwicklung. Im Hafen von Port Sudan haben wir immer offen und frei mit Einheimischen über ihre Probleme und ihr Leben reden können. Wir haben die unendliche Gastfreundschaft der Sudanesen erlebt. Allein darüber könnte ich ein Buch schreiben. Mir ist ein Gespräch mit einem Bootsmann von unserem Safarischiff in Erinnerung. Er bat mich, ihm zu helfen, nach Deutschland zu kommen. Meine Frage nach dem »Warum« und meiner Bemerkung, das es doch vor Ort so viel zu tun gäbe für ein besseres Leben für alle Sudanesen sagte er einen für mich entscheidenden Satz: »Ich baue lieber bei Heckler und Koch Maschinengewehre zusammen, als mich hier von diesen deutschen Waffen töten zu lassen.« Dieser Satz hat mich sehr geprägt. Wir müssen es endlich beenden, dass deutsche Waffen in Krisengebiete geliefert werden. Denn diese Lieferungen erzeugen erst die Fluchtursachen und die bittere Not in den betroffenen Ländern – nicht nur im Sudan, sondern auch im Jemen, in Palästina und anderswo. Und auch alle anderen Waffenlieferungen sind zu beenden – jede Waffe findet ihren Krieg. Waffenexporte, egal von wem, sind die Vorbereitung und die Durchführung von kriegerischen Handlungen. Schluss mit den Waffenexporten – für immer!

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