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Aus: Ausgabe vom 15.04.2024, Seite 15 / Politisches Buch
Forschungen zur Arbeiterbewegung

Leistungen und Niederlagen

Neues Heft der Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung
Von Stefan Bollinger
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Für ein menschenwürdiges Leben: Maidemonstranten am Leipziger Johannisplatz (1. Mai 1948)

Das neue Heft der Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung erinnert an kämpferische Frauen und Männer, die für Demokratie, Sozialismus und ein menschenwürdiges Leben eintraten. Lutz Heuer etwa schreibt über Frauen, die im Osten Berlins ab 1945 Hand anlegten beim Wiederaufbau. Die biographischen Kurzdarstellungen zeigen vor allem, dass vielfach sie es waren, die den nicht immer freiwilligen Arbeitseinsatz organisierten. Und Heuer belegt, wie die DDR in diesem Bereich frühzeitig Weichen für ein gleichberechtigtes Wirken der Geschlechter stellte – auf dem Bau, in Architekturbüros und Planungsbehörden. Er sieht aber auch die Widersprüche dieser Entwicklung, zum Beispiel die mangelhafte Vertretung von Frauen in Leitungsfunktionen und bei Auszeichnungen. Er will »die Lebensleistungen dieser im Bauwesen arbeitenden Frauen« nicht dem Vergessen preisgeben: »Sie haben Erinnerung und Würdigung verdient. Die Stadt Berlin und die dem Krieg nachfolgenden Generationen sind ihnen zum Dank verpflichtet.«

Gerhard Weiss schreibt über die Novemberrevolution 1918 in Hamburg: »Das regierende Handels-, Finanz- und Industriebürgertum in Hamburg war auf die Sicherung seiner Privilegien nicht weniger bedacht als Fürsten und Junker in den vom Adel regierten Provinzen des Reiches.« Hafen- und Werftarbeiter, Soldaten und Matrosen bringen die Revolution in die Stadt, erleben aber auch die Tücken der Konterrevolution. Deutlich wird die Schwäche der USPD und der radikalen Linken, fehlende Kompetenz und fehlende konkrete Programmatik. SPD und Bürgerliche haben bessere Ausgangspositionen und schaffen es, dem Umsturz den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Die Beiträge von Olaf Briese und Reinhold Zilch führen in das 19. Jahrhundert zurück. Da ist die »Arbeiter-Verbrüderung«, mit fast 20.000 Mitgliedern deutlich stärker als der Bund der Kommunisten. Aus der 48er Revolution hervorgegangen, schuf sie wesentliche Grundstrukturen einer organisierten Arbeiterbewegung in Deutschland und blieb doch im Kleinklein der politischen und vor allem sozialen Kämpfe stecken. Zudem stellten Staat und Kapital gegen Ende des Jahrhunderts der zunehmenden Stärke und Streikbereitschaft der organisierten Arbeiter systematisch Streikbrecher entgegen.

Beiträge und Dokumentationen von Siegfried Prokop bzw. Andreas Heyer befassen sich mit dem Philosophen Wolfgang Harich, einem »linientreuen Dissidenten«. Nach einem Vorstoß zur Absetzung Walter Ulbrichts 1956 von diesem abserviert, ohne die erhoffte sowjetische Unterstützung verhaftet und ins Zuchthaus verfrachtet, blieb er seinen Idealen treu, wollte in der DDR arbeiten, entdeckte früh das Thema Ökologie und profilierte sich im letzten DDR-Jahrzehnt als scharfer Gegner einer Nietzsche-Renaissance. Er blieb letztlich aber ein kaltgestellter Mahner, der trotz vieler Briefe an Erich Honecker keinen politischen Einfluss besaß, um dann nach dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik als entschlossener Verteidiger des Sozialismus aufzutreten. Hierher passt auch der Bericht von Herbert Wöltge über Anfänge und Gründergeneration der Leibniz-Sozietät, jenes Versuchs einer Fortsetzung der DDR-Akademie der Wissenschaften unter den Bedingungen der deutschen Einheit mit ihrer Zerstörung der ostdeutschen Wissenschaftsinstitutionen und der »Abwicklung« der DDR-Intelligenz.

Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Nr. 1/2024, 188 Seiten, 16 Euro, Bestellungen über den Buchhandel oder direkt beim Trafo-Wissenschaftsverlag, Finkenstr. 8, 12261 Berlin, E-Mail: info@trafoberlin.de

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