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Aus: Ausgabe vom 09.04.2024, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Putins deutsche Maurer

Monitor | Do., 21.45 Uhr, Das Erste
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Auf den Trümmern der ukrainischen Stadt Mariupol entstehen mit deutscher Aufbauhilfe russische Wohnhäuser

Kapitalisten ist es egal, wo sie ihre Geschäfte machen, solange der Profit stimmt. Den investigativen Journalisten von Monitor ist es offenbar gelungen, ein deutsches Unternehmen zu finden, das sich auch durch die Sanktionen nicht davon abhalten lässt, Geschäfte in Russland zu machen. Die russische Regierung bezahlt den Knauf-Konzern dafür, dass er die zerbombte ukrainische Stadt Mariupol wieder aufbaut. Damit beteiligt sich die Firma an der Zementierung der »völkerrechtswidrigen Besatzung der Stadt«, so Moderator Georg Restle. Wenn der Bau von Häusern für die russische Okkupation genutzt werde, könnte das sogar eine Kriegshandlung sein, wissen die Sanktionsprofis der ARD. Ein wirkliches Kriegsverbrechen wäre es allerdings, wenn die Menschen in der Stadt weiterhin in Trümmern leben müssten. Jeder würde eine neue Plattenbauwohnung aus sanktionierten Baustoffen einem Erdloch vorziehen. Auch in den von Wohnungsmangel geplagten deutschen Großstädten wären diese Apartments schnell vergriffen. (bk)

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  • Leserbrief von Lothar Böling aus Düren (10. April 2024 um 08:45 Uhr)
    Was der billige Monitor-Bericht großzügig verschweigt, ist die Tatsache, dass es der fanatische Widerstand ukrainischer Nationalisten, allen voran des faschistischen »Asow«-Regiments war, was zur Zerstörung von Mariupol führte. Und wer in einer solch zerstörten Stadt noch wohnen will, der muss sie zwangsläufig mühselig wieder aufbauen. Dass ein bekannter deutscher Hersteller von Fertigputz und Gipskartonplatten hierbei behilflich ist, ist zu begrüßen. Liefert Knauf doch im Gegensatz zu den deutschen Waffenherstellern, zivile Produkte, die nicht der Zerstörung, sondern dem Aufbau dienen. Die Schaffung von Wohnraum als Kriegshandlung zu bezeichnen, ist vor diesem Hintergrund natürlich blanker Unsinn. Insgesamt dokumentiert der Monitor-Bericht die Verärgerung hiesiger Kriegstreiber über das positive Verhalten aus der Wirtschaft. Befindet sich doch die deutsche Bauindustrie, Dank der von der Bundesregierung verhängten Sanktionen gegen Russland und den hierdurch explodierten Energiepreisen, aktuell in einer schweren Wirtschaftskrise; deren Ende nicht abzusehen ist. Hätte die Bundesregierung in der Vergangenheit in den sozialen Wohnungsbau investiert, gäbe es heute keinen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Stattdessen aber beteiligt man sich seit 1999 an der NATO-Osterweiterung, einem weiteren Feldzug des Größenwahns zur Eroberung Russlands. Wie das Beispiel Knauf zeigt, kann man auch Geschäfte machen, ohne ein Land erobern zu wollen. Aber zu einer solchen weisen Erkenntnis sind Militaristen ja bekanntlich nicht in der Lage. Sie fahren lieber, wie SPD-Kriegsminister Pistolius, belanglos mit dem Panzer durch die Gegend und liefern Bomben, Granaten und Raketen. Alles mit dem großen Ziel, mal als Eroberer Moskaus in die Geschichte einzugehen. Was für ein Schwachsinn!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (8. April 2024 um 23:19 Uhr)
    Das ist halt deutscher Qualitätsjournalismus. Der kann Zement von Beton nicht unterscheiden. Mir ist Knauf eher als Gipsliferant gegenwärtig. Befragt die wikipedia, so erhält man: »In Iserlohn werden von der Deutschen Perlite GmbH seit 2001 in einem Joint Venture mit der United States Gypsum Corporation, dem weltgrößten Gipshersteller, Aquapanel-Zementplatten gefertigt.« Sind die der Zement des Anstoßes? Ich habe mit durch die monitor-»Zementierung« geklickt und in der Tat gefunden, dass Knauf in Mariupol gipst. Allerding mit Gips aus Russland von russischen ArbeiterInnen in Russland hergestellt. Wie funktionert der Gips-Mehrwerttransfer nach Deutschland? Könnte Russland Knauf enteignen, wenn Deutschland Rosneft in Schwedt enteignet? Ist diese Sendung ( Zementierung: https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/putins-helfer-deutsche-unternehmen-in-russland-102.html) Ki-generiert oder von einer modernen Demenz?

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