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Aus: Ausgabe vom 09.04.2024, Seite 1 / Inland
Litauen-Brigade

»Panzerbrigade 45« startklar

Vorkommando der Bundeswehr in Litauen gelandet. Ab 2027 5.000 Soldaten »einsatzbereit«
Von Arnold Schölzel
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Der Inspekteur des Heeres Generalleutnant Alfons Mais bei der Ankunft auf dem Flughafen in Vilnius (8.4.2024)

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) verabschiedete am Montag auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg ein Vorkommando von 21 Bundeswehrsoldaten nach Vilnius, der Hauptstadt Litauens. Sie sollen die Stationierung einer deutschen Heeresbrigade in dem baltischen NATO-Staat vorbereiten. Pistorius nannte die Entsendung einen bedeutenden Schritt für die Verteidigungsfähigkeit der NATO und wichtigen Tag für die Bundeswehr. Erstmals werde ein solcher Kampfverband außerhalb Deutschlands stationiert. Die Soldaten wurden in Vilnius vom litauischen Verteidigungsminister Laurynas Kasčiūnas begrüßt. Er bezeichnete die Stationierung als »sehr wichtig« für sein Land. Seine Regierung wolle alles unternehmen, um nötige Infrastruktur zu errichten. Nach der überraschenden Ankündigung der bisher größten Auslandsstationierung von Bundeswehr-Soldaten durch Pistorius im Juni 2023 war der »heftige Streit« (FAZ vom Montag) um Details Ende des Jahres »im Sinne Litauens entschieden« worden.

Zum vierten Quartal 2024 soll das Vorkommando laut deutschem Verteidigungsministerium zu einem »Aufstellungsstab« von rund 150 Bundeswehr-Angehörigen anwachsen. Offiziell wird die neue Einheit mit dem Namen »Panzerbrigade 45« 2025 in Dienst gestellt und sie soll danach weitere Kräfte erhalten, »sofern die benötigte Infrastruktur in Litauen vorhanden ist«. Ende 2027 sollen rund 4.800 Soldaten, etwa 200 Zivilangestellte sowie Beschäftigte formal selbständiger Dienstleister »einsatzbereit« sein. Pistorius erklärte bei der Verabschiedung, noch sei einiges zu tun, auch vor Ort. Mit nach Vilnius flog Heeresinspekteur Alfons Mais, der zuvor im ARD-»Morgenmagazin« erklärt hatte, die Ausstattung der Brigade werde in den kommenden drei bis fünf Jahren Lücken reißen.

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte am Montag gegenüber Journalisten, die deutschen Schritte schüfen »Gefahrenstellen« an den russischen Grenzen. Erforderlich sei, »dass wir besondere Maßnahmen ergreifen, um unsere eigene Sicherheit zu gewährleisten«.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred P. aus Hamburg (9. April 2024 um 17:59 Uhr)
    Eine Branche gewinnt immer. Kontinuität oder Zufall? Panzerbrigade 45, ein Traum seit 1945?! »Wenn (eine) … Regierung einen Krieg machen will, geht sie zu Privathändlern. Die Händler lassen die Ausrüstung für die Soldaten, alle Arten von Waffen, Fahrzeugen, Flugzeugen und Schiffen von Arbeitern herstellen, und verkaufen sie an die Regierung. Was den Umsatz betrifft, und damit den Gewinn der Händler, so ist es am besten, wenn ganze Schiffe mit Ladung und Mannschaften versenkt werden.« Es ist folgerichtig gut für die Besitzer von Waffenfabriken. »Manchmal geschieht es, dass auch die Regierung des Feindes zu den Händlern kommt, um militärische Ausrüstungen zu kaufen. Im Ersten Weltkrieg wurden die deutschen Soldaten durch die Engländer mit Granaten beschossen, die nach einem Patent von Krupp hergestellt worden waren. Noch nach dem Krieg zahlte die englische Regierung über hundert Millionen Mark an Krupp für die Granaten. Ein Teil der deutschen Arbeiter und Angestellten wurde durch englische Krupp-Granaten zerrissen, der andere Teil musste diese Granaten nach dem Krieg bezahlen – als Reparationsleistungen an den Sieger.« Aber es kam ja bekanntlich noch dicker: »Deutsche Händler haben an den militärischen Bestellungen für den Zweiten Weltkrieg durch Adolf Hitler zwischen 60 und 70 Milliarden Mark gewonnen. Der Sinn des Handels ist, dass der Händler mehr bekommt, als er gibt. Bei jedem Gewehr, das er verkauft, sammeln sich bei ihm einige Mark mehr Macht.« Und bei jedem Schuss stirbt ein Mensch, der mit diesem Geschäft absolut nichts zu tun hat. (E. A. Rauter; »Wie eine Meinung im Kopf entsteht«; S. 20)
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (9. April 2024 um 14:32 Uhr)
    Na nun geht wenigstens für einen Teil der Bundeswehr die vielbeschworene Erwartung in Erfüllung, dass der böse Russe bereits vor der Haustür steht. Vielleicht ist es doch besser, mit ihm mal auf ein Glas Wodka zusammenzukommen als die Worte »ruki werch!« lernen zu müssen, deren strikte Befolgung einst manch einem unserer Opas erst im allerletzten Moment das Leben gerettet hat.