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Freibeuter mit Beatplatten

Von Pierre Deason-Tomory
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DJs und Crew von Radio Caroline auf dem Schiff des Senders im September 1967

Radio Caroline, der berühmteste Piratensender der Popgeschichte, hat am 28. März seinen 60. Geburtstag gefeiert. Am Karsamstag 1964 ging das Programm auf Sendung, ausgestrahlt von Bord eines Schiffes, das vor Essex in internationalen Gewässern ankerte. Caroline sollte der BBC Konkurrenz machen, bei der auf die anbrechende Popularmusikrevolution mit völligem Unverständnis reagiert worden war, wie eine legendäre Interviewfrage illustriert, die der versnobte BBC-Moderator Hans Keller 1967 den Musikern von Pink Floyd gestellt hat: »Why has it all got to be so terribly loud?« Die Radiopiraten legten vom Staatsfunk ignorierte Rockmusik etwa von The Who oder The Kinks auf und wurden gemeinsam mit den Bands ungemein populär. Die britische Regierung machte den Seesendern das Leben schwer, doch Caroline überlebte Lawfare, Anschläge und Untergänge, bis der Sender in den 90ern legalisiert wurde und aufs Festland umzog. Die Seesender taten Verbotenes, waren aber nicht politisch, mit ihnen wurde schlicht Geld verdient. Das unterscheidet sie von den linken Piratensendern, die später im Untergrund operierten, um Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Prominente Beispiele dafür sind die inzwischen lizenzierten Stationen Radio Dreyeckland in Freiburg, gegründet 1977, und Radio Lora in Zürich (1981). Auch Caroline funkt noch immer, heute sind es eher unspektakuläre Musikprogramme.

Erster Programmvorschlag dieser Ausgabe sei »Schnitte«, das letzte Rom-Tagebuch des 1975 verunfallten Undergroundpoeten Rolf Dieter Brinkmann, gesprochen von Christian Brückner (BR 1995, Di., 20.10 Uhr, DLF). Helmut Höge hat vorige Woche in seiner jW-Kolumne über das Buch »Eisernes Schweigen« geschrieben, in dem Traudl Bünger den Naziumtrieben des eigenen Vaters nachgeht. Ihre Spurensuche ist ab Mittwoch als Podcast auf der ARD-Mediathek zu finden (WDR 2024). Aus »Bibliomanie«, einer Erzählung des 15jährigen Gustave Flaubert über einen wahnhaften Büchernarren, liest Markus Hering in den Radiogeschichten (Do., 11.05 Uhr, Ö 1). Lord Byrons Einfluss auf die Musikgeschichte wird im Feature »Popstar, Pilger, Poet« untersucht (Fr., 19.05 Uhr und Sa., 14.05 Uhr, BR-Klassik). Die Bergbauernwirtschaft gilt als nachhaltig, aber bedroht. Im Feature »Von Braunvieh, Ziegenmist und Bergkartoffeln« schaut Maike Hildebrand bei drei Almöhis nach dem Rechten (DLF/HR/Radio Bremen 2024, Fr., 20.05 Uhr, DLF). Er sei ein Querulant, moserten kakanische Zeitgenossen über Karl Kraus, der in der Fackel vom 15. Februar 1909 seine Art Gehorsam erklärte: »Ich pariere der Sprache aufs Wort«. Die »Diagonal«-Ausgabe am kommenden Wochenende mit einer Vermisstenanzeige zu seinem bevorstehenden 150. Geburtstag (Sa., 17.05 Uhr und So., 22.05 Uhr, Ö 1). BR-Klassik legt am Sonnabend eine Platte auf, es gibt Gioachino Rossinis »La Cenerentola« in einer Aufnahme der Academy of St Martin in the Fields von 1987 (19.05 Uhr). Am selben Abend läuft im Schweizer Rundfunk das Kammerspiel »Wartezeit« von Alain Franck über einen unerwarteten Besuch, der einen heftigen Schlagabtausch auslöst (SRF 1977, 20 Uhr, SRF 2 Kultur). Indien wählt im Frühjahr, aber ist die »größte Demokratie der Welt« überhaupt noch demokratisch? Alfred Meyer über das »Jagen, Einschüchtern, Einsperren« unter der Knute von Premier Narendra Modi (HR/DLF/WDR 2024, So., 13.05 und 20.04 Uhr, WDR 5, 18.04 Uhr, HR 2 Kultur). Der letzte Hinweis gilt dem Anton-Tschechow-Stück »Der Kirschgarten«, prominent besetzt und inszeniert von Rudolf Noelte (BR 1970, So., 15.05 Uhr, Bayern 2).

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