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KZ Buchenwald: Lampe doch aus Menschenhaut

Weimar. Der »kleine Lampenschirm« in der Sammlung der Gedenkstätte Buchenwald ist nach neuesten Forschungsergebnissen doch aus Menschenhaut hergestellt worden. Das sei eindeutig, sagte der Kriminalbiologe Mark Benecke am Donnerstag in Weimar. Das Material des Lampenschirms weise Muster auf, die »nur menschlich sein können«. Wie ein Gutachten aus dem Jahr 1992 zu dem Schluss gekommen sei, dieser Lampenschirm sei aus Kunststoff gefertigt worden, »das erschließt sich gar nicht«. Der Lampenschirm war nach 1990 vor dem Hintergrund der Kampagne gegen die Erinnerungspolitik der DDR aus der Dauerausstellung entfernt worden. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.03.2024, Seite 2, Inland

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  • Fred Buttkewitz aus Ulan - Ude, Russland 22. März 2024 um 05:02 Uhr
    Das ist ein weiterer Beweis, wie die Geschichte umfrisiert wird und wie das »Wording« funktioniert. Eine Lampe aus Menschenhaut zu Propagandazwecken – eine Fälschung der DDR. So schlimm wars ja unter Hitler gar nicht. Gleich nach der »Wende« begann man allgemein die Glaubwürdigkeit des Antifaschismus in der DDR zu diskreditieren. Die Rolle der Kommunisten im Kampf gegen Hitler und die Rolle der SS in Buchenwald wurden möglichst klein gehalten, dagegen die Tatsache, dass die UdSSR Buchenwald anschließend ebenfalls als Lager für NS-Täter benutzte, groß herausgestellt. Dass solche Täter nicht wie in der BRD auch in der DDR sofort einen Persilschein ausgestellt bekamen und die Besatzungsmacht nach 1945 andere Sorgen hatte, als für diesen Personenkreis neue Gefängnisse zu bauen, wird jedem einleuchten. Aber unter Stalin wurden eben auch Menschen für Nichtigkeiten in solche Lager gesteckt. Eine Gleichsetzung beider Systeme verbietet sich dennoch. Der Moment, wo ich als Vierzehnjähriger im Museum vor dieser Lampe stand, hat sich mir unauslöschlich eingeprägt und sicher auch meinen Klassenkameraden. Vor den Jugendlichen der BRD versteckte man sie dann. Am 8. Mai 2023 saß ich im Museum Berlin-Karlshorst bei einer Veranstaltung direkt mit dem Rücken zum Tisch, an dem die Kapitulation unterschrieben worden war. Die Rede eines Professors aus Wien enthielt zu 20 Prozent wahrheitsgemäß Details der deutschen Verbrechen im Weltkrieg und handelte dann zu 80 Prozent von Verbrechen der Stalinzeit, eine Schwerpunktverlagerung wie in Buchenwald. Vor dem Museum hing am 8. Mai als einzige Flagge die der Ukraine, scheinbar der einzigen Siegermacht. Der Leiter des Museums sagte, das müsse jetzt nun einmal so sein, das Museum könne seine Ausstellung in der bisherigen Form künftig nicht mehr aufrechterhalten. Hat sich an den Verbrechen der Nazis, an den Verdiensten der Roten Armee oder an der Kapitulation Deutschlands an Fakten irgend etwas geändert? Geschichtsfälscher sind überall am Werk.
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