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Aus: Ausgabe vom 17.02.2024, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Recherche braucht Zeit

Zu jW vom 12.2.: »Hemmschwelle gesenkt«

Ihr behauptet, die Enthüllung von Correctiv vom Geheimtreffen am 25. November 2023 bedeutete lediglich, es »sollen« Deportationspläne »diskutiert worden« sein. Dort wurde aber wohl nicht nur diskutiert, sondern ganz konkret ein »Masterplan« beschlossen, der nach der Machtübernahme von AfD, »Werteunion« und neonazistischen Gruppen in Kraft treten soll. Der Vergleich mit der Wannseekonferenz wird von euch abgelehnt – und dann zitiert ihr Heydrich und Hitler, welche die »Endlösung der Judenfrage« auch nur als »Abschiebungen« darstellten. Eben. Konkretes wird allerdings im NSDAP-Parteiprogramm von 1920 angekündigt: Deutscher Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist.

Es wird die Frage gestellt, warum die Enthüllung so lange liegen blieb, um dann erst im Januar veröffentlicht zu werden? Hätten die Rechercheure sofort Alarm geben sollen, nachdem sie an der Tür gelauscht haben? Verlangt nicht jede Recherche eine gute Nachrecherche? Es geht ja um Fakten, deren Veröffentlichung zu Mord und Totschlag führen können – im Wortsinne. Oder ganz einfach gefragt: Was hätte eine frühere Veröffentlichung gebracht? Kaufrausch zu Weihnachten und dann das? Die Kirche sieht mit dem Heiligen-Drei-Königstag am 6. Januar die Weihnachtszeit als beendet an. Erst dann konnte mit gewisser Beachtung der Recherche gerechnet werden.

Ich erinnere an die große Recherche zur Wiederaufrüstung Westdeutschlands 1950/1951. Wie war das? Im Buch und Film der DDR zu »Das unsichtbare Visier« (Filmtitel »Wasserschloss«) ging es ruckzuck ran an die Veröffentlichung. In Wirklichkeit ist es nicht so schnell gelaufen. Die Himmeroder Tagung der Nazigeneräle vom 4. bis 9. Oktober 1950 war zwar zuvor von Martin Niemöller als mutmaßlich bevorstehend angekündigt worden. Der Inhalt der Geheimtagung der Hitlergeneräle fand jedoch erst zehn Monate später den Weg in die DDR-Presse. Und zwar am 11. August 1951. Man sprach von einem »Weißbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus« (aus: »Chronik der Arbeiterbewegung«). In dem genannten spannenden Krimi des DDR-Militärverlags aus dem Jahr 1975 mit dem Titel »Das unsichtbare Visier« wird ausführlich geschildert, wie die Wiederherstellung einer deutschen Wehrmacht geplant wurde, um »unter Führung der USA die Vormachtstellung in Europa« zu erlangen.

1999 hat dann diese »Wehrmacht« Belgrad bombardiert und wurde dann weltweit kriegerisch aktiv. Es ist zu hoffen, dass der Masterplan des »Geheimtreffens rechter Akteure in Potsdam« (jW vom 12. Februar 2024) nie so verwirklicht wird, wie jener des Treffens im Eifelkloster Himmerod. Mögen die Massenproteste, die ihr »Aufstand der Unanständigen« schimpft (jW vom 7.2.24), noch wachsen, um das Unheil zu verhindern.

Ulrich Sander, Dortmund

Falsche getroffen

Zu jW vom 7.2.: »Aufstand der Unanständigen«

Da können wir ja von Glück reden, dass hier in Bochum am 19. Januar die Antifaschistische Linke zur Demo aufrief (13.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer offiziell), die wenigen Reden auch die Gemeinsamkeiten von AfD, Regierungsparteien und CDU/CSU in der Migrationsfrage thematisierten und keine Symbole oder Reden von Parteivertreterinnen und -vertretern zugelassen wurden. Falls also dieses Zeichen gegen rechte Ausgrenzung in Form einer spontanen Demo (nicht mehr, nicht weniger) in Bochum in dieser Form die absolute Ausnahme gewesen sein soll, sind wir dann ja hier gar nicht gemeint. Ansonsten treffen und beleidigen Wortwahl und Inhaltsteile des Artikels (»suprematistische[r] Jargon gegenüber dem ›muslimischen Mob‹«; »ampelgelenkte[r] ›Antifaschismus‹ von oben«; »vom Kanzleramt dirigierte[r] Aufstand der Unanständigen«) die Falschen.

Frank Schwarzberg, Bochum

Vegane Reaktoren

Zu jW vom 12.2.: »Gezüchtete Klopse«

Bei Isaac Asimov (Spiegel 21, 1971) nachlesbar: »Jedes zusätzliche Kilogramm Menschheit bedeutet mit absoluter Zwangsläufigkeit ein Kilogramm nichtmenschlichen tierischen Lebens weniger.« Ob das Kilogramm Menschheit aus stählernen Bioreaktoren oder vegan generiert wird, ist vollkommen schnuppe.

Heinrich Hopfmüller, Stadum

»Finanzielle Starthilfe«

Zu jW vom 12.2.: »Beijing baut Zinkraffinerie«

Eine Nachricht, die Hoffnungen, nicht nur in der »dritten Welt« weckt. Sie zeigt den Weg, der die armen, aber rohstoffreichen Länder aus ihrem Elend führen kann. Ein Weg, der bisher von den westlichen Industriestaaten versperrt wurde. Mit zusätzlichen Lohneinnahmen der Bevölkerung, Erhöhung der Inlandssteuern und den Exporterlösen erhält Bolivien finanzielle Mittel zur eigenen Industrialisierung.

China gibt die notwendige finanzielle Starthilfe und die Technologie, die sich die Exkolonialländer Europas oder die USA bisher immer haben teuer bezahlen lassen. Mit besseren Lebensgrundlagen in der sogenannten dritten Welt werden Ursachen für Fluchtwellen abgewendet.

Wie Bolivien die zusätzlichen Steuern verwendet, hängt vom politischen System ab. Die Präsidenten Evo Morales und gegenwärtig Luis Arce beschritten in den vergangenen Jahren einen Fortschrittspfad in sozialer Richtung. Die Monroe- und Truman-Doktrin der USA, »den Sozialismus aufzuhalten und zurückzudrängen«, haben schwere Hürden in Lateinamerika aufgebaut.

Günter Buhlke, Berlin/Zürich

Im DDR-Krimi ›Das unsichtbare Visier‹ wird ausführlich geschildert, wie die Wiederherstellung einer deutschen Wehrmacht geplant wurde, um ›unter Führung der USA die Vormachtstellung in Europa‹ zu erlangen.

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