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Aus: Ausgabe vom 12.02.2024, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Deutsche Wirtschaft vs. Welt

Zu jW vom 6.2.: »Deutsche Wirtschaft schwächelt weiter«

»Deutsche Wirtschaft schwächelt«, das klingt so negativ. Dabei kann es fürs Leben auf unserm Planeten nicht viel Besseres geben, als wenn die »Wirtschaft« der reichen Räuberstaaten des globalen Nordens »schwächelt«. Oder sollen hier wirklich immer weiter mit exzessiver Ressourcenübernutzung noch mehr Kriegszeug und sinnlose Wegwerf- und sonstige Luxuskonsumware produziert werden?

Das Problem ist doch nicht, dass insgesamt zuwenig umgesetzt wird. Das Problem ist doch die Verteilung (!) der Einkommen hierzulande und global. Dagegen und gegen die dies (und vieles andere) hervorrufenden Verhältnisse müsste sich doch unser ganzer Unwillen richten und konzentrieren.

Peter Maaßen, Frankfurt am Main

»Zwei Seiten einer Medaille«

Zu jW vom 7.2.: »Symbolpolitik und Blockaden in Dresden«

Den 13. Februar haben Nazis für sich und ihre Ideologie vereinnahmt. Gestern habe ich im Briefkasten Flyer zum Gedenken der Nazis an die Bombennächte in Dresden 1945 gefunden. »Alliierter Bombenterror« wird in Erinnerung gerufen und wie jedes Jahr werden sie aufmarschieren in der Stadt.

Wie viele Tausende, Hunderttausende Demokraten werden sie in diesem Jahre aufhalten? Seit wie vielen Jahren und begleitet von Sachsen-Sumpf bis Nazigewalt und rechter Ideologie lässt die gelobte Demokratie gewähren und leistet sich allenfalls verschämt und zahm den Protest dagegen? – Wie überwältigend wird der Protest nun, da Regierende momentan voll des Lobes sind für die Millionen Demokraten, die gegen rechts auf die Straße gehen? Der 13. Februar wird es auch in diesem Jahre zutage bringen. Wie oft sind es in den Jahren eine Minderheit von Antifaschisten bis Kommunisten gewesen, die sich dem braunen Gebrüll entgegengesetzt haben?

Mit den Trümmerfrauen als Symbol geben sich Nazis auch in diesem Jahr als die Opfer. Von den Trümmern und Toten, die sie in der Welt hinterlassen haben, reden sie nicht. Soll das ein ehrliches Gedenken sein? Faschismus und Krieg sind zwei Seiten einer Medaille, was aber bei den Lobgesängen und den Millionen demonstrierenden Demokraten gegen rechts der letzten Wochen niemandem einzufallen schien. Faschismus war und ist keine andere Gesellschaft, es ist eine andere Herrschaftsform der gleichen Herrschenden. Warum ist diese gesicherte Erkenntnis nach 1945 bis heute kein geistiges Allgemeingut geworden? Wer hat es warum verhindert?

Krieg und Faschismus sind nicht wesentlich und ursächlich moralische Frage, sie sind ­politisch-ökonomischer Zwang des Imperialismus, des deutschen im besonderen, aus historischen Gründen. Auf den Schlachtfeldern heute und seit 1945 bzw. nach 1990 wurde und wird uns dann die moralische Wirkung bewusst.

Roland Winkler, Aue

Chance vertan

Zu jW vom 29.1.: »Zahnlose Mobilisierung«

Alle für Demokratie, alle gegen Faschismus! Es ist schon erstaunlich, dass – initiiert von einem bis vor kurzem wenig bekannten – Recherchenetzwerk mit Namen »Correctiv« Bürger angeblich spontan in Massen (nicht als Klassen) gegen rechts auf die Straße gehen.

Was bedeutet im »Kampf« gegen eine rechte Partei Demokratie, was Faschismus? In der BRD gibt es nur den Nazibegriff »Nationalsozialismus«. Die beiden Begriffe Demokratie und Faschismus werden bei den Demos gleichzeitig sowohl von Regierungskritikern wie von Regierungsvertretern verwendet. Das erstaunt den unabhängigen Beobachter.

Wo bleibt der Aufruf gegen Krieg, gegen Sozialabbau im eigenen Land, wo der Aufschrei gegen die Vertreibung und Vernichtung des palästinensischen Volkes in Gaza? Gegen das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer, gegen ein erweitertes »Abschiebungsverbesserungsgesetz« (welch ein Wort!). Da all das nicht Thema der Massen ist, lässt es den kritischen Beobachter doch sehr an eigener Initiative der Proteste zweifeln und eher an eine manipulative Erscheinung denken.

So wird die Chance, für reale demokratische Verhältnisse in diesem Land massenhaft einzutreten, vertan.

Eva Ruppert, Bad Homburg

Militärputsch statt Bürgerkrieg

Zu jW vom 6.2.: »›Der größte Teil waren ­Frauen, Kinder und Alte‹«

(…) Es wird immer vom spanischen Bürgerkrieg gesprochen, aber tatsächlich handelt es sich um einen faschistischen Militärputsch. Mit Mär und Wortwahl (Bürgerkrieg) übernehmen auch fortschrittliche Kräfte die bürgerliche und reaktionäre Darstellungsweise.

Martin Mandl, Lisboa (Portugal)

Von der Gefahr zur Chance

Zu jW vom 8.2.: »Neue Waffen der Konkurrenz«

Wenn auch sehr sarkastisch geschrieben, verdeutlicht dieser Artikel eindringlich, wie auch die nützlichsten Dinge zum Unheil werden, wenn sie in der falschen gesellschaftlichen Umgebung stattfinden: Ihr produktives Potential verwandelt sich unter der Hand in ungeahnte zerstörerische Potenz.

Wer das verhindern will, muss nicht die KI eindämmen, sondern destruktive durch konstruktive gesellschaftliche Verhältnisse ersetzen. Erst wenn die KI die Aufgabe hat, allen Menschen zu nützen, wird sie von einer Gefahr zu einer ­Chance für alle. Es ist lediglich die kapitalistische Hülle ihrer Nutzung, von der sie befreit werden muss, damit sie das kann.

Joachim Seider, Berlin

Faschismus und Krieg sind zwei Seiten einer Medaille, was aber bei den Lobgesängen und den Millionen demonstrierenden Demokraten gegen rechts der letzten Wochen niemandem einzufallen schien.

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  • Leserbrief von E.Rasmus aus Berlin (12. Februar 2024 um 10:25 Uhr)
    »Faschismus war und ist keine andere Gesellschaft, es ist eine andere Herrschaftsform der gleichen Herrschenden. Warum ist diese gesicherte Erkenntnis nach 1945 bis heute kein geistiges Allgemeingut geworden? Wer hat es warum verhindert?« Ich halte diese Bemerkung mit den beiden Fragen von Roland Winkler in seinem Leserbrief für sehr wesentlich. Die Antworten finden wir bereits im Manifest der kommunistischen Partei. Dort beginnt das erste Kapitel »Bourgeois und Proletarier« mit dem Kernsatz, der heute bewusst im Gedöns um Demokratie, Freiheit und den sogenannten Pluralismus vor allem in der Gewerkschaftsbewegung aus dem täglichen Bewusstsein opportunistisch gestrichen worden ist. Er lautet: »Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.« Friedrich Engels setzt sich im »Anti-Dühring« »von der Utopie zur Wissenschaft« mit der Weltanschauung auseinander. Lenin bezeichnete den Anti-Dühring zusammen mit dem Kommunistischen Manifest und dem Werk »Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie« als Handbücher jedes klassenbewussten Arbeiters. In seinem Prawda-Artikel schrieb Lenin 1913 über »Die historischen Schicksale der Lehre von Karl Marx« u. a.: »Die Dialektik der Geschichte ist derart, dass der theoretische Sieg des Marxismus seine Feinde zwingt, sich als Marxisten zu verkleiden. Der innerlich verfaulte Liberalismus versucht, sich als sozialistischer Opportunismus neu zu beleben.« Und das haben wir ganz augenscheinlich seit Mitte der achtziger Jahre erlebt, was im »Wandel durch Annäherung« eines Egon Bahr und Willy Brandt schon viele Jahre zuvor Einzug hielt beim Betrachten der jüngeren Geschichte insbesondere der Sozialdemokratie mit der Sozialdemagogie. Den Grundstein dazu legte in der SU allerdings bereits ein gewisser Nikita Chrustschow mit dem XX. Parteitag 1956 durch den Antistalinismus als in Wahrheit agierendem Antikommunismus, der uns voneinander und auch vom Frieden trennt.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinz-Joachim R. aus Berlin (12. Februar 2024 um 19:46 Uhr)
      Nachtrag zur Demokratie: Aus dem Unterbewusstsein eines christdemokratischen Landrates: »Zur Einweihung eines neuen, kleinen Bärengrabens am Schloss Hartenfels im sächsischen Torgau ist dem Landrat von Nordsachsen ein peinlicher Versprecher passiert. So hieß Michael Czupalla nicht nur die Oberbürgermeisterin Andrea Staude, sondern auch den sehr geehrten Herrn Hitler Willkommen. Gemeint war damit aber nicht der Dikatator, sondern Benno Kittler der Vorstands-Chef der Bärenstiftung. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte Czupalla, dass ihm der Versprecher »äußerst leid tut.« (Quelle Focus-Video: https://www.focus.de/panorama/videos/der-peinlichste-versprecher-des-jahres-sehr-geehrter-herr-hitler-herr-himmler-herr-kittler_id_3878216.html) PS.: Ja, werden nicht auch genug Figuren des sogenannten Dritten Reiches, allen voran Schickelgruber, im Fernsehen zwecks Ablenkung von den Wirtschaftsgewalten, als nur persönlich Böse, dennoch hofierend, ins Unterbewußtsein verpflanzt? Die Kapitalverhältnisse aus Vergangenheit und Gegenwart bleiben so unberührt.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz S. (12. Februar 2024 um 15:36 Uhr)
      »Faschismus war und ist keine andere Gesellschaft« Warum begeben Sie sich in Bezug auf Geschichtskenntnisse auf das Niveau des Herrn Roland W.? In der KAZ Nr. 367 schreibt R. Corell in der Auseinandersetzung mit T. Spanidis und dessen Verharmlosung des Faschismus: »Aber macht es keinen Unterschied, wenn die durch die Sozialdemokratie vertretene Arbeiteraristokratie als soziale Hauptstütze ausgewechselt wird durch das Kleinbürgertum? Wenn frühere sozialdemokratische Würdenträger sich statt auf Ministerposten plötzlich im Kerker und KZ oder als Asylsuchende im Ausland wiederfinden? Macht es keinen Unterschied, wenn statt parlamentarisch-liberalem Geschwätz, bei dem auch mal Nein gesagt werden darf, im Faschismus Ja! Jawoll! gesagt werden muss (!), wo statt partiell zugelassener Vielfalt offene Gleichschaltung herrscht, wo statt formaler Gleichheit und bürgerlichem Recht Ungleichheit und Willkür zum Gesetz erhoben sind? Wo offener, ungeschminkter Terror zur Staatsräson erklärt wird.«
      • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinz-Joachim R. aus Berlin (12. Februar 2024 um 19:27 Uhr)
        Franz S., Sie missverstehen hier etwas und unterstellen eine Verharmlosung anhand von Erscheinungen. Roland Winkler macht jedoch auf die latent lauernde Gefahr aufmerksam, mit der die, ach, so naiv kleinbürgerlich intellektuelle Weltanschauung die bequem anmutende Marktwirtschaft beurteilt. Natürlich macht es einen Unterschied, wenn bereits unmaskiert die Großindustriellen und das Finanzkapital die Ware Mensch ohne den Schein von Moral, beispielsweise aus Menschenhaut für Lampenschirme und aus offen betriebener Sklaverei Superprofite schöpfen können. Bereits in der Weimarer Republik sahen linksdemokratische Publizisten in Hitler eine »Kreatur der Industrie« (Carl von Ossietzky, 1930). »Millionen stehen hinter mir« – die Fotomontage zum Hitlergruß von John Heartfield bringt es doch klar auf den Punkt. Und es ist unbestritten, dass die NSDAP, sei es von Pierpont Morgan, amerikanischer Bankier, Kurt Lüdecke; Emil Kirdorf; Stahlbaron Fritz Thyssen; Henry Ford, US-Autokönig; Dietrick Eckardt, die IG Farben u. a. gefördert worden war. »Müllers Milchreis« kam in der Vergangenheit auch der NPD zugute. Und woher nimmt die AfD, die sich ja im wesentlichen aus der CDU rekrutiert hat, ihre Mittel? Schweizer Konten stehen da wohl auch Pate und die Erasmus-Stiftung. Die bürgerliche Demokratie in Spanien, Italien, Chile, Portugal und nicht zuletzt in Deutschland beweist doch, wie von ihnen selbst ausgedrückt, dass sie nur eine formale Gleichheit darstellt, immer mit der Gefahr der offenen Diktatur. Georgi Dimitroff sei dazu zitiert: »Der Faschismus an der Macht ist, wie ihn das 13. Plenum des EKKI 1936 richtig charakterisiert hat, ›die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals‹.« Mögen Herr Scholz oder Herr Merz auch noch so intensiv zu Demonstrationen gegen rechts aufrufen, es bleibt Häme angesichts der Kollaboration mit der Ukraine und Israelischer Politik gegenüber Palästina.

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