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Aus: Ausgabe vom 12.02.2024, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Morning Star Conference 2024

»Die Stimme für den Frieden erheben«

Morning-Star-Konferenz: Linke Stimmen zum britischen Bergarbeiterstreik vor 40 Jahren. Friedens- und Solidaritätsappell von Jeremy Corbyn
Von Berny Torre, London
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Der Streik der Bergleute vor 40 Jahren war eine bedeutende Niederlage für die gesamte britische Arbeiterbewegung

Der Bergarbeiterstreik von 1984/85 war der größte Arbeitskampf in der Regierungszeit der damaligen Regierungschefin Margaret Thatcher und wegweisend für die britische Arbeiterbewegung. Die jährliche Konferenz der britischen Tageszeitung Morning Star widmete sich am Wochenende seinem 40. Jahrestag und diskutierte die Lehren des Ausstandes für gegenwärtige Kämpfe. Der Streik der britischen Kumpel liefert der Arbeiterbewegung bis heute Erkenntnisse, etwa über den koordinierten Einsatz staatlicher Macht zur Zerschlagung der Linken und ihrer Arbeiterorganisationen bis hin zur Bedeutung internationaler Solidarität und dem Kampf gegen den Imperialismus.

Erkämpfte Rechte

In ihrer Eröffnungsrede bezeichnete die Arbeitsrechtsprofessorin Lydia Hayes den Bergarbeiterstreik als eine Verteidigung kollektiv erkämpfter Gewerkschaftsrechte über zwei Weltkriege hinweg. Wegen der schweren Niederlage des Arbeitskampfs habe »New Labour« anschließend gewerkschaftsfeindliche Gesetze nicht aufgehoben. Die Regierung von Expremier Tony Blair habe zudem Arbeitsgesetze erlassen, durch die Arbeiter gegen begangenes Unrecht nur im nachhinein vor Gericht streiten konnten. »Niemand bietet den Mechanismus einer kollektiven Verantwortung für Gerechtigkeit an, zu dem man mit seiner Wahl und Stimme beitragen kann«, sagte Hayes.

Der Labour-Abgeordnete Ian Lavery und Chris Kitchen, Generalsekretär der Bergarbeitergewerkschaft National Union of Mineworkers, forderten eine öffentliche Untersuchung der damaligen Repression gegen den Bergarbeiterstreik. Ein Untersuchungsausschuss könne die Geschichte zwar nicht verändern, wohl aber »Sicherheitsvorkehrungen« für künftige Kämpfe schaffen, erklärte Lavery. Viele seien »für Dinge, die sie nie getan haben« verurteilt worden. Terry Renshaw, ein Veteran der »Shrewsbury 24« – 24 verhaftete und massenhaft mit Klagen überzogene Streikposten des Bauarbeiterstreiks von 1972 –, berichtete auf der Konferenz vom 47jährigen Kampf der Beschuldigten gegen ihre unrechtmäßigen Verurteilungen.

Unter Parteiführung Jeremy Corbyns habe Labour eine »nie gesehene Welle der Inspiration« erlebt, erklärte Ian Lavery. Es gebe nun auch noch Parteigenossen, welche die Themen der Morning-Star-Konferenz »voll und ganz unterstützen«. Er erntete Gelächter, als er Keir Starmer als inspirierenden Fürsprecher der Arbeiterklasse anbot und scherzte, dafür werde er nun aus der Partei geworfen.

Internationale Solidarität

Der frühere Labour-Chef forderte in seinem Beitrag mit Blick auf den Krieg in Gaza einen Waffenstillstand und »die Stimme für den Frieden so laut wie möglich zu erheben«. »Das ist es, was unsere Bewegung international zusammenbringt und was der Morning Star schon immer getan hat.« Der israelische Präsident Benjamin Netanyahu wolle »das palästinensische Volk durch eine geschlossene Grenze aus Rafah vertreiben«. »Dort sterben eine Million Menschen (…) ich kann mir nichts Abscheulicheres vorstellen als das, was wir derzeit auf unseren Bildschirmen bezeugen können.«

Weiche die Arbeiterbewegung von ihren Prinzipien ab, überlasse man »rechtsextremen Parteien ein bedeutendes Feld für den Wahlgang«, erklärte der einstige Labour-Chef angesichts der Parlamentswahl im kommenden Jahr. Es gehe darum, die britische Bevölkerung für soziale Gerechtigkeit, Wohnungsgerechtigkeit und Frieden in der Welt, »aber auch im Kampf gegen die Rassisten zu vereinen«. In ganz Europa werde sich davor gescheut, die Rechte von Geflüchteten »auf Überleben und Existenz in unserer Gesellschaft zu verteidigen«, so Corbyn. Wenn Labour unter dem Vorsitz von Keir Starmer den »Status quo gewährleisten« wolle – »worum soll es im Wahlkampf eigentlich gehen?«

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