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Aus: Ausgabe vom 30.01.2024, Seite 1 / Titel
Nahostkonflikt

US-Truppen unter Feuer

»Widerstand im Irak« greift mehrere US-Basen in der Region an. US-Politiker fordern »kristallklare« Antwort
Von Karin Leukefeld
Die US-Militäranlage »Tower 22« an syrisch-jordanischer Grenze soll am Sonntag angegriffen worden sein (12.10.2023)
Unter Druck: Auch in Syrien geraten US-Truppen immer öfter unter Beschuss (Deir Al-Sor, 31.8.2023)

Nach Angaben des Zentralkommandos der US-Streitkräfte (Centcom) sind am Sonntag drei US-Soldaten bei einem Drohnenangriff im jordanisch-syrischen Grenzgebiet getötet worden. Der Angriff habe sich am späten Sonntag nachmittag »auf einer US-Basis im Nordosten Jordaniens« ereignet, hieß es in einer Stellungnahme. Weitere 34 Soldaten seien bei dem Angriff auf die als »Tower 22« bekannte US-Militärbasis im Nordosten des Landes verletzt worden, meldete CNN am Montag morgen.

Al-Dschasira zitierte hingegen einen jordanischen Regierungsvertreter, der sagte, die angegriffene US-Militärbasis befinde sich gar nicht in Jordanien. Das Centcom legte mit einer weiteren Erklärung nach. Der Angriff habe »einen jordanischen Logistikstützpunkt getroffen«, hieß es. Dort seien etwa 350 US-Soldaten stationiert, die für Versorgungsarbeiten »einschließlich der Unterstützung« der Anti-IS-Koalition zuständig seien.

Der »Islamische Widerstand im Irak« übernahm inzwischen die Verantwortung für den Angriff und erklärte, man habe am Sonntag vier feindliche Militärbasen angegriffen. Drei befänden sich in Syrien, hieß es in der Erklärung. Genannt wurden Al-Schaddadi und Al-Rukban, die beide in der Nähe syrischer Ölfelder liegen. Getroffen worden sei weiterhin die Basis Al-Tanf, die im Dreiländereck Syrien, Irak, Jordanien auf syrischem Territorium liegt. Als vierte Militärbasis wurde die israelische Marinebasis Zevulun genannt. Darüber hinaus soll auch eine US-Militärbasis in der Nähe des Flughafens von Erbil im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak angegriffen worden sein. Die Angriffe richteten sich gegen die »US-Besatzungstruppen im Irak und in der Region«. Sie seien auch eine Antwort auf den Krieg Israels in Gaza.

Der »Islamische Widerstand im Irak« ist ein Sammelbegriff für verschiedene bewaffnete Gruppen. Westliche Medien fügen dieser Bezeichnung regelmäßig den Zusatz »vom Iran unterstützt« bei. Der Iran hat diese Angabe stets zurückgewiesen. Nasser Kanaani, Sprecher des iranischen Außenministeriums, bezeichnete entsprechende Erklärungen »westlicher Offizieller« als Gefahr für den Weltfrieden. Die Anschuldigungen gegen den Iran seien haltlos.

In einem Interview mit dem US-Nachrichtenportal Al-Monitor hatte kürzlich der iranische Außenminister Hossein Amir Abdollahian darauf hingewiesen, dass US-Politiker die falsche Vorstellung hätten, die Hamas, die jemenitischen Ansarollah (Huthis) und die libanesische Hisbollah seien vom Iran ferngesteuert. »Wir bewundern sie für ihren Mut«, wird Abdollahian in Al-Monitor bezüglich der Ansarollah zitiert. »Aber es ist doch auch klar, dass sie einen hohen Preis dafür bezahlen, (…) dass sie entschieden haben, das Volk von Gaza und Palästina zu verteidigen.« Ein Krieg in der Region sei nicht im iranischen Interesse. Mit zahlreichen Botschaften habe Teheran die US-Regierung immer wieder davor gewarnt, sich nicht vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und seinen Leuten täuschen zu lassen.

Charles Lister, häufig zitierter US-Analytiker beim Middle East Institute in Washington, sprach von einer »enormen Eskalation«. Michael Johnson, republikanischer Sprecher des US-Repräsentantenhauses, forderte denn auch »rund um den Globus eine kristallklare Botschaft der USA, dass Angriffe auf unsere Soldaten nicht toleriert werden«.

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  • Leserbrief von Lothar Böling aus Düren (3. Februar 2024 um 12:37 Uhr)
    Zunächst einmal ist festzustellen, dass sich die US-Truppen illegal in Syrien aufhalten. Denn niemand hat sie dorthin eingeladen. Von daher kann es nicht verwundern, wenn es zu Angriffen auf US-Soldaten kommt, die völkerrechtswidrig ein Fünftel Syriens besetzt haben. Insbesondere, wenn der illegale Aufenthalt auch noch dem Diebstahl von Erdöl aus Syrien dient. Insgesamt handelt es sich bei den US-Soldaten also nicht um Angehörige einer »Friedenstruppe«, sondern um die einer Räuberbande. Ist doch der organisierte Raub von fremdem Eigentum (Rohöl) eine international anerkannte Straftat. Hier zeigt sich einmal mehr, dass die US-Armee weltweit nur im Interesse amerikanischer Konzerne unterwegs ist, also allein dem US-Imperialismus dient. Vor diesem Hintergrund einen Vergeltungsschlag gegen ein anderes Land durchzuführen, ist ein weiteres Verbrechen und belegt den insgesamt aggressiven und kriminellen Charakter der US-Regierung. Wenn die US-Regierung erklärt, nicht an einem Krieg interessiert zu sein, was machen US-Soldaten dann im syrischen Al-Tanf, wo sie nichts zu suchen haben? Das Rechtsverständnis in den USA orientiert sich offenbar allein an den Profitinteressen amerikanischer Ausbeuter. Alles, was diesen dient, wird entgegen dem Völkerrecht brutal durchgesetzt. Damit sind die USA eine weltweite Bedrohung für den Frieden. Dass auch Deutschland den Angriff auf US-Soldaten verurteilt, zeigt, dass die Bundesregierung die völkerrechtswidrigen Einsätze der US-Armee deckt.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (30. Januar 2024 um 09:54 Uhr)
    Tatsache ist: Zum ersten Mal seit Beginn des Gaza-Krieges Anfang Oktober haben im Nahen Osten bei einem Angriff auf US-Truppen drei amerikanische Soldaten ihr Leben verloren und 34 weitere sind verletzt worden. Die Schlussfolgerung der USA lautet: Präsident Biden macht radikale, vom Iran unterstützte Milizen für dieses tragische Ereignis verantwortlich. Er betont nachdrücklich, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden. Einige republikanische Hardliner drängen sogar darauf, auch den Iran selbst ins Visier zu nehmen. Die Frage, die sich jedoch stellt: Kann sich die USA in ihrer gegenwärtigen Lage einen solchen Schritt leisten und verkraften? Hierbei befindet sich die Biden-Regierung in einem Dilemma. Wenn sie nicht energisch auf diese Bedrohung reagiert, könnte dies proiranische Gruppen zu weiteren Angriffen ermutigen. Allein aus innenpolitischen Gründen ist Biden im Wahljahr gezwungen, Stärke gegenüber dem Erzfeind Iran zu demonstrieren. Auf der anderen Seite besteht das Risiko, dass militärische Härte zu einer Ausweitung des Nahostkonflikts und möglicherweise zu einem direkten Schlagabtausch mit der Regionalmacht Iran führt. Dies ist etwas, das Washington zumindest bisher zu vermeiden versucht hat.

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