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Aus: Ausgabe vom 01.12.2023, Seite 5 / Inland
Immobilienspekulation

Das Benko-Beben

Insolvenz des Signa-Imperiums: Galeria-Kaufhäuser vor Abwicklung
Von Alexander Reich
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Schön wär’s (Signa-Baustelle in München)

Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern steht zum Verkauf. Nach der Ausplünderung durch den Immobilienspekulanten René Benko, dessen Signa-Imperium nun, wie lange erwartet, zusammengebrochen ist. Am Mittwoch abend beantragte die Tochtergesellschaft, zu der Galeria Kaufhof gehört, Gläubigerschutz bzw. »Nachlassstundung«. Das heißt, ihre Geschäfte sollen unabhängig vom Rest des Imperiums abgewickelt werden. 12.500 Beschäftigte müssen um ihre Jobs zittern. Schon wieder.

Seit Benko vor vier Jahren Galeria übernommen und mit Karstadt fusioniert hatte, wurden um die 100 Standorte geschlossen und 10.000 Stellen gestrichen. Die verbliebenen Beschäftigten verzichteten auf einen Teil ihrer Löhne und Gläubiger auf Milliardenforderungen. Außerdem überwies die Bundesregierung 680 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds.

So konnten die Galeria-Häuser verlässlich horrende Mieten an den Mutterkonzern überweisen, Hunderte Millionen Euro im Jahr. Astronomische Mieten waren eine »tragende« Säule des Signa-Imperiums. Die andere waren phantastische Bewertungen der Immobilien, auch künftiger. Zum Beispiel standen für die schon länger verwaiste Baustelle des Hamburger »Elbtower« aberwitzige Mietzahlungen an den Mutterkonzern in den Büchern.

Das Platzen der Benko-Blase war überfällig. Zuletzt fehlten kurzfristig 400 Millionen Euro. Der österreichische Selfmade-Milliardär konnte keinen Investor mehr überzeugen, wollte sein Privatvermögen nicht antasten, also stellte die Muttergesellschaft am Mittwoch Insolvenzantrag.

»Keine gute Nachricht, auch für Berlin nicht«, befand die dortige SPD-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey mit Blick auf die hochfliegenden Pläne für die Galeria-Häuser an Hermannplatz und Ku’damm. »Aber klar ist, dass wir an unserem Ziel festhalten wollen: dem Erhalt und der dringend notwendigen Weiterentwicklung der Warenhausstandorte«. Augen zu und durch also, wie und mit wem auch immer. Die nächste Wiederholungsschleife.

»Steuergelder, Lohn- und Pensionsansprüche der Beschäftigten in Milliardenhöhe sind im Unternehmenssumpf der Signa versunken«, erinnerte Katalin Gennburg von der Berliner Linkspartei und forderte die Überführung der Grundstücke und Warenhäuser in öffentliches Eigentum. Das wäre vernünftig, aber soweit wird es nicht kommen.

Zunächst einmal kämpfen nun große Anwaltskanzleien um millionenschwere Mandate für die Insolvenzverwaltung. Wer das Rennen macht, wird lange damit beschäftigt sein, die vielen kuriosen Geldflüsse innerhalb des Konzerns nachzuvollziehen. Das Signa-Imperium umfasst mehr als 1.000 Einzelfirmen in drei Ländern, darunter Hunderte Immobilientöchter.

Es sind also längst nicht nur die Galeria-Häuser, die »im Feuer stehen« (Manager-Magazin). Auch die Schweizer Warenhauskette Globus könnte mit in den Abgrund gerissen werden. Luxushotels gehören zur Insolvenzmasse, gehobene Quartiere in Wolfsburg und Bozen. Baustellen in Düsseldorf (»Carsch-Haus«) und Frankfurt am Main (Geschäftshaus an der Hauptwache) stehen still. Und in New York wollte Signa das ebenfalls 2019 erworbene Chrysler Building sanieren.

Neben dem Immobilienmarkt bebt der für Finanzen. Mehr als 100 Banken haben Benko Geld geliehen, darunter die italienische Unicredit und die österreichische Raiffeisen International, aber auch deutsche Landesbanken. Bei der LBBW ist die Summe unklar, bei Helaba, Bayern LB, Nord/LB soll es sich jeweils um dreistellige Millionenbeträge handeln.

Und selbst der gute, alte Journalismus ist nicht außen vor. In Österreich hält Benko Anteile an Kronenzeitung und Kurier.

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