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Aus: Ausgabe vom 26.01.2023, Seite 3 / Schwerpunkt
Risikoberuf Journalist

»Mexiko ist ein Massengrab«

Unterdrückung von Pressearbeit und Arbeitskampf. Ein Gespräch mit Juan Recabarren
Von Annuschka Eckhardt
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Unverzichtbar: Die kommunistische Zeitschrift El Machete aus Mexiko

Können Sie die Medienlandschaft Mexikos beschreiben?

Der eine Teil der großen Medien hat sich als Informationssöldner auf die Seite der Regierung geschlagen, der andere Teil hält an der Linie der bürgerlichen Parteien fest und behauptet, die gegenwärtige Regierung sei links und sogar sozialistisch. Organe wie La Jornada, die als links gelten, schweigen zu den Aktionen dieser arbeiterfeindlichen Regierung. Es gibt nur wenige unabhängige Medien, die die Regierung der neuen Sozialdemokratie kritisieren und zugleich darauf hinweisen, dass die bürgerlichen Parteien in der Opposition nicht besser oder noch schlimmer sind. Zu diesen unabhängigen Zeitungen mit Klassenstandpunkt gehört El Machete als Zentralorgan der Kommunistischen Partei Mexikos.

Mexiko gilt als eines der gefährlichsten Länder für Journalisten. Welche Art von Unterdrückung fürchten Sie?

Mexiko ist ein Massengrab. Wer die Interessen der Monopole, seien sie legal oder illegal, gefährdet, begibt sich in Gefahr. Das gilt sowohl für Journalisten als auch für diejenigen, die sich am revolutionären und sozialen Kampf beteiligen.

Von welchen Gefahren sprechen Sie?

2013 wurden fünf unserer Genossen im Bundesstaat Guerrero ermordet, 2015 ein Genosse im Norden des Landes. In beiden Fällen haben sowohl die vorherige als auch die jetzige Regierung, die im Wahlkampf erklärt hatte, sie werde die staatlichen und außergerichtlichen Verbrechen aufklären, nichts getan, um die Ermittlungen voranzutreiben. Wo Genossen gegen Megaprojekte kämpfen, kommt es zu Drohungen und Einschüchterungsversuchen. Obwohl es kein Verbrechen ist, sich gewerkschaftlich zu organisieren und zu kämpfen, gibt es repressive Maßnahmen innerhalb und außerhalb der ­Fabriken. Das Anprangern von Arbeitsbedingungen ist praktisch verboten.

Sie arbeiten heimlich. El Machete ist nicht als Zeitung registriert. Was passiert, wenn Sie erwischt werden?

Die revolutionäre Arbeit erfordert, dass wir im täglichen Kampf Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Der Einsatz von paramilitärischen Kräften ist ein gängiges Mittel der Bosse und auch des Staates, um diejenigen, die in unserem Land kämpfen, außergerichtlich zu schikanieren und zu eliminieren. Zum Fall von El Machete: Es ist nicht illegal, eine kommunistische Zeitung öffentlich zu verkaufen, doch das Verteilen in den Fabriken kann Maßnahmen gegen Verteiler und Leser der Zeitung nach sich ziehen. Natürlich hat man Angst vor ihr, wenn sie die Arbeitsbedingungen in den Fabriken öffentlich macht und das Bewusstsein der Arbeiter entwickelt.

Interview: Annuschka Eckhardt

Juan Recabarren ist stellvertretender Chefredakteur und verantwortlich für den Druck von El Machete

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