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Mit der Schneeschippe

Von Marek Lantz
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SV 07 Elversberg – FC Ingolstadt 04: Der 0:2-Führungstreffer durch Thore Jacobsen (Nr. 31)

Mit einer Woche Verspätung hat auch Ligaprimus SV Elversberg in die Rückrunde der institutionalisierten fußballerischen Drittklassigkeit gefunden. Nach der Auftaktniederlage beim SV Wehen-Wiesbaden in der Vorwoche schlugen die Saarländer am Sonnabend den FC Ingolstadt mit 4:3 und knüpften wieder an ihre herausragende Vorrunde an. So eng und umkämpft, wie es das Resultat nahelegt, war dabei der Elversberger Sieg gar nicht: Nach einer knappen halben Stunde hieß es schon 3:0. Später stand es lange und bis weit in die Nachspielzeit hinein 4:2, ehe Ingolstadt noch ein wenig Ergebniskosmetik betrieb. Mit drei Treffern hatte Thore Jacobsen gehörigen Anteil am Erfolg, lenkte aber von allen Lobpreisungen ab: »Ich bin richtig dankbar, dass unsere Fans angepackt und freigeschaufelt haben. Dadurch war ein bisschen mehr Druck drauf als sonst. Wir wollten ihnen unbedingt etwas zurückgeben.« Jacobsen wusste ganz genau, wem es zu verdanken war, dass überhaupt gespielt werden konnte. Sein Coach Horst Steffen klärte auf: »Einige Jungs waren schon um vier Uhr morgens hier und haben angefangen, Schnee zu schippen«, berichtete er und fügte an, man habe das einfach »als Mannschaft honorieren« wollen. Tripleknipser Jacobsen jubelte daher nach seinem Tor zum 2:0 mit Pudelmütze und imaginärer Schneeschippe.

In der Tabelle behauptete der SVE somit seinen Siebenpunktevorsprung. Es folgen die Wiesbadener (3:2 beim Halleschen FC) und der 1. FC Saarbrücken (2:0 bei Viktoria Köln). Drei der vier Aufstiegsanwärter sind damit genannt. Komplettiert wird das Quartett von der Drittligaoperette TSV 1860 München. Bei zuletzt kriselnden Löwen standen vor dem Heimspiel gegen Abstiegskandidat FSV Zwickau eigentlich alle Zeichen auf Trennung von Trainer Michael Köllner, doch es kam ganz anders: »Wir kriegen das erste Gegentor, ohne den Ball berührt zu haben«, stöhnte nach dem Schlusspfiff Zwickaus Dominic Baumann. Denn schon nach 28 Sekunden traf Winterneuzugang Raphael Holzhauser für die Sechziger zum 1:0 und verwandelte das auf Krawall gebürstete Löwenumfeld zügig in eine glückselige Partymeute. Zur Halbzeit hieß es schon 3:0, und der Drops war längst gelutscht. Reichlich Adrenalin war bis dahin aber bereits bei den Zwickauern aufgewallt, denn deren Trainer Joe Enochs hatte schon nach 13 Spielminuten beim Stand von 0:2 den von dieser drakonischen Maßnahme mächtig erzürnten Routinier Jan Löhmannsröben vom Feld geholt. Hinterher gab Enochs jedoch Entwarnung: »Ich mag den Löh. Aber wir brauchen halt Punkte«, mühte sich der Coach, das selbstgelegte Feuerchen zu löschen, und versicherte, man habe sich die Hände geschüttelt.

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