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Aus: Ausgabe vom 23.01.2023, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Vorbild für viele

Zu jW vom 19.1.: »Ein politischer Kopf«

Mein Freund Heinrich Hannover war ein wunderbarer Zeitgenosse und großartiger Anwaltskollege. Ich kannte ihn einige Jahrzehnte. Er hat Maßstäbe gesetzt für die ethisch-moralische Seite anwaltlicher Tätigkeit und sich unerschrocken für seine Mandanten eingesetzt. Für viele wurde er dadurch zum Vorbild. Auch durch seine Sachbücher und Aufsätze trug er dazu bei, den Charakter der Klassenjustiz zu entlarven und besser zu verstehen. Wir vermissen ihn sehr.

Ralph Dobrawa, Gotha

Panzer im Wald

Zu jW vom 14./15.1.: »Neuer Anlauf gegen Moskau«

Mich würde interessieren, wie viele Städte, Dörfer, Agrar-, Wald- und Grünflächen durch Waffenlieferungen auf Jahrzehnte zerstört wurden. Eine besondere Rolle spielen dabei die kriegsgeilen Grünen. Der ukrainische Außenminister Dmitro Kuleba sprach von 40 Prozent der Landesfläche in einem ZDF-Text, der ab 12 Uhr schon nicht mehr auffindbar war. Ich kann bei dem Getöse von Fridays for Future keine laute Stimme gegen den Krieg vernehmen. Die Ukraine jedenfalls dürfte demnächst nur noch eine Wüstenei sein, denn nicht nur Russland zerstört dieses Land. (…)

Peter Groß, Bodenseekreis

Sogenanntes System Putin

Zu jW vom 7./8.1.: »Russischer Salat«

Das »System Putin« hat nicht Putin erdacht. Es haben die USA für ihre Marionette Jelzin 1993 mit einer Verfassungsänderung in Russland genauso inszeniert, wie es eben jetzt wirkt. Nachdem im Rahmen der alten Verfassung Jelzin vom Obersten Sowjet abgesetzt worden war und daraufhin in die US-Botschaft flüchtete, dann sein eigenes Parlament mit Panzern beschießen ließ, zauberte man eine neue Verfassung aus dem Ärmel, welche dem russischen Präsidenten wesentlich mehr Vollmacht einräumte. Die USA erwogen damals sogar, Truppen zur Unterstützung von Jelzin zu entsenden. Solange eine US-Marionette Präsident war, galt dieses »System« im Westen als ganz hervorragend und der russische Präsident als Musterdemokrat. Seit keine Marionette mehr im Kreml sitzt, ist der russische Präsident mit dem gleichen von den USA inspirierten System auf einmal »Diktator«, »Machthaber«, »Unterdrücker aller demokratischen Rechte«. Ihm wird dieses von ihm lediglich vorgefundene System angelastet. Sollte einst wieder eine Marionette in Russland ans Ruder kommen, wird das gleiche System auf Seite eins von Bild wieder bejubelt werden wie zu Jelzins Zeiten – einschließlich aller Kriege, welche diese Marionette im Auftrag der USA führen wird.

Fred Buttkewitz, Ulan-Ude/Russland

Die große Legende?

Zu jW vom 18.1.: »Das allein ist unschätzbar«

»Was wäre geschehen«, fragte Stefan Huth, »wäre mit Corbyn in einem imperialistischen Hauptland ein NATO-Gegner an die Regierung gekommen?« Jeremy Corbyn wäre umgefallen, so wie er schon beim »Brexit« wankelmütig war und sich nicht von der EU trennen konnte. Wobei sich die Frage stellt, ob das wirklich ein Umfallen gewesen wäre. »Auf die Frage von Sky News nach Corbyns angeblichem Widerstand gegen die NATO erklärte Starmer am Freitag: ›Die Labour Party hat bei ihrer Unterstützung für die NATO nie geschwankt … Die Politik der Labour Party hat sich unter seiner Führung nie geändert‹« (»Britische Labour Party an der Spitze der Kriegshetze gegen Russland«, wsws.org, 3.3.2022). Interview mit Corbyn in der griechischen Tageszeitung Ta Nea: »Wie stehen Sie zur russischen Invasion in der Ukraine?« – Corbyn: »Ich verurteile den Einmarsch Russlands in die Ukraine auf das schärfste. Er ist nicht zu rechtfertigen.« Putin habe »seine mörderische und törichte Entscheidung getroffen (…), in die Ukraine einzufallen« (»Jeremy Corbyn über die Ukraine, Griechenland, Brexit, das britische Gesundheitssystem und die Labour-Partei«, diem25.org, 10.5.2022). Zur Kampagne des Westens gegen Syrien wegen eines angeblichen Giftgaseinsatzes syrischer Truppen: (…) »Viel weise darauf hin, so Corbyn weiter, dass das Regime von Baschar Al-Assad für den Chemiewaffeneinsatz von Duma verantwortlich war. Der Labour-Chef sprach sich dafür aus, den Inspektoren der Institution zur Ächtung von Chemiewaffen OPCW rasch Zugang nach Duma zu verschaffen, ›mit nachdrücklichem diplomatischen Druck auf Russland und Syrien‹« (fr.de, 16.4.2018, aktualisiert: 6.1.2019). Oh, Jeremy Corbyn: Die große Legende.

Franz Schoierer, per E-Mail

Hexenjagd

Zu jW vom 16.1.: »Rechtsanwalt Heinrich Hannover verstorben«

Heinrich Hannover verdiente seine ersten Sporen als politischer Anwalt neben den Anwälten Amann, Posser, Kaul und Pritt im Düsseldorfer Prozess (1959/60) gegen die Angehörigen des Friedenskomitees der BRD. Hier ein Ausschnitt aus seiner einleitenden Rede in diesem Prozess: »Eine der finstersten Stationen der deutschen Rechtsgeschichte waren bekanntlich die Hexenprozesse des Mittelalters. (…) Eine Frau, die als Hexe verdächtigt wurde, wird so lange gefoltert, bis sie schließlich die unglaublichsten Dinge über ihre Beziehungen zum Teufel eingesteht. Das ist etwas, was nach heutiger, geläuterter Rechtsauffassung unfassbar ist. Aber etwas noch viel Erschütternderes finden Sie in diesen Protokollen, nämlich die Tatsache, dass das beharrliche Schweigen einer solchen als Hexe verdächtigten Frau belastend bewertet wird. Man hat damals gefolgert: Wenn eine Frau nach all diesen Qualen, denen sie unterworfen worden ist, noch immer nicht eingesteht, dass sie Beziehungen zum Teufel hat, dann muss der Teufel ihr die Kraft dazu gegeben haben, diesen Folterungen standhaft zu widerstehen. (…) Was uns heute so erschreckt an diesen Tatbeständen (…), das ist dieser Zynismus, der daraus spricht, dass man eine solche gefolterte Frau schuldig gesprochen hat, ganz gleich, wie sie sich nun unter der Folter verhielt. Fühlen wir uns nicht irgendwie peinlich erinnert an diesen Zynismus einer überwundenen Rechtsauffassung, wenn wir im Jahre 1960 einen Staatsanwalt sagen hören: Die Tatsache, dass das Friedenskomitee von einem gewissen Zeitpunkt an in seinen Verlautbarungen gemäßigter geworden ist, dass es nicht mehr zu erkennen gab, dass es verfassungsfeindliche Ziele hat, ist gerade strafwürdig; denn darin liegt die Tarnung der verfassungsfeindlichen Ziele!«

Joan Ujhazy, per E-Mail

Solange eine US-Marionette Präsident war, galt das russische ›System‹ im Westen als ganz hervorragend und der russische Präsident als Musterdemokrat.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Josie M. aus 38448 Wolfsburg (23. Januar 2023 um 18:22 Uhr)
    Hiermit möchte ich insbesondere allen Leserbriefschreibern für ihre Ergänzung des Nachrufs von Heinrich Hannover durch die Schilderungen ihrer eigenen Erinnerungen an die Verdienste von Heinrich Hannover danken. Übrigens wurde ich Anfang der ’70er durch sein Kinderbuch »Lies und Lene in der Badewanne« aufmerksam, das ich meinen Kindern im Vorschulalter damals hatte vorlesen können. – Er hatte außerdem auch noch Humor und damit die Literatur für Kinder bereichern können. Und Jahrzehnte später, im Jahr 2003, unterzeichnete er eine Petition zugunsten der »Cuban Five«, als die nämlich im Schatten des Irak-Kriegs für immer in einer Isolationshaft in ihren Hochsicherheitsgefängnissen verschwinden sollten.
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