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Aus: Ausgabe vom 21.01.2023, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Vorkämpfer

Zu jW vom 16.1.: »Unter roten Fahnen«

RLK und Liebknecht-Luxemburg-Demonstration 2023 waren zweifellos eine Wohltat für die Seele. Haben doch beide nicht nur den unmittelbaren Teilnehmern gezeigt: »Wir sind nicht allein!« Ganz nüchtern müssen wir allerdings auch feststellen, dass wir immer noch ein relativ kleines Häufchen sind – vor dessen politischem Gewicht das Kapital keineswegs erschrecken muss. Zudem lähmt uns die erkennbare Zersplitterung der Kräfte außerordentlich, in der zu viele Ressourcen in gegenseitige Abgrenzung statt in realen Kampf investiert werden müssen. Wie wäre es, die alte Erkenntnis der Arbeiterbewegung wieder zutage zu fördern, dass wir nur gemeinsam stark sind? Deren Umkehrung bedeutet nämlich, dass wir vereinzelt immer zu schwach bleiben, um wirklich Bedeutsames bewirken zu können. (…) Stapel von Argumentationen sind gewiss nicht unwichtig. Aber sie bleiben einfach nur bedrucktes Papier, wenn wir es nicht schaffen, die Masse der Menschen dort abzuholen, wo sie bereit sind, um Veränderungen zu kämpfen. Es sind nicht die markigen Worte, die großen Losungen, Plakate und Fahnen, die uns Achtung verschaffen. Es ist unser konkretes Tun, bei dem wir übrigens auch lernen, die Menschen so zu nehmen, wie sie sind. Und ein feines Gespür dafür bekommen, was man tun kann, damit sie nicht immer so bleiben müssen, wie sie gerade sind. Besser als immer wieder über die Lethargie der Massen zu spötteln und sich als ihr Vorkämpfer zu inszenieren, statt es wirklich zu sein, wäre das allemal.

Joachim Seider, per E-Mail

Trotz alledem

Zu jW vom 16.1.: »›Wir stehen vor dem dritten Weltkrieg‹«

Zwei Tage lang habe ich kämpferische Berichte aus Lützerath und anderen Orten gegen die Klimapolitik der Regierung und des Kapitals (…) verfolgt. Dann über die LLL-Demo Berichte gehört und gesehen. Erfreut festgestellt, was die junge Welt publizistisch und aktivierend auf die Beine stellt, die sich gegen die Kampagne der Herrschenden zur Wehr setzt, welche die linke Tageszeitung vernichten will. Ich habe gerade gelesen, was die Neonazis über ihre schwere Niederlage in ihrer Hochburg Dortmund selbst einschätzten, was die VVN-BdA mit anderen an antirassistischer Wirkung erzielte, was die Gewerkschaften beim »Aufstehen gegen Rassismus« und bei der Stammtischkämpferausbildung beitrugen, was die Friedensbewegung zum Thema Abrüstung immerhin bewirkt – wenn auch bei unterschiedlichen Meinungen zu Russland. (Ist ja auch verständlich, wenn man die grauenhaften Bilder aus der Ukraine sieht.) Und all das trotz der ungeheuren Meinungsdampfwalze der Mehrheitsmedien gegen die Massen. Und dann lese ich die Auszüge eurer Podiumsdiskussion und nehme fast nur Trauermeldungen entgegen, Resignation, Klagen über Klagen. Das zieht richtig runter. Nun dann: Trotz alledem!

Ulrich Sander, Dortmund

Demobilisierender Effekt

Zu jW vom 16.1.: »›Wir stehen vor dem dritten Weltkrieg‹«

(…) Stefan Huth warf die Frage auf: »Zum Ostermarsch in Hamburg beispielsweise hat die Linkspartei aktiv demobilisiert. Warum treibt das Thema Frieden und Weltkriegsgefahr die Leute nicht auf die Straße?« Christin Bernhold antwortete: »So etwas hat einen erheblichen demobilisierenden Effekt, das schadet der Friedensbewegung.«

Nun – wir waren dort – auf dem Ostermarsch 2022 in Hamburg. Was wir da gesehen und erlebt haben (…) hatte einen noch weit demobilisierenderen Effekt auf uns. Wir trafen auf mehrere versprengte Gruppen, in der einen Ecke wurde etwas gesungen. In der anderen Ecke wurden elendiglich lange, akustisch und inhaltlich völlig unverständliche Reden gehalten. Für wen eigentlich? Es war ja so gut wie keiner da. (…) Eine Jugendgruppenleiterin versuchte, ihre Schäfchen mit dem Schlachtruf »Nur noch ein Beitrag, dann geht’s los« zusammenzuhalten. Aber es kam immer noch ein Beitrag. Und noch einer. Keine Ahnung, ob es noch zum Ostermarsch kam. Irgendwann haben wir uns unverrichteter Dinge davongeschlichen.

Die Kriegslobby kann sich nur auf die Schenkel klopfen vor Lachen angesichts einer solchen Manifestation gegen den Krieg! Allerdings: Ein paar Wochen vorher war ich auf der Friedensdemo von Fridays for Future – die hatten 120.000 Teilnehmer zusammenbekommen (in Hamburg). Es ist also nicht so, dass man die Menschen nicht mobilisieren kann! Und man braucht nicht zwingend die Linkspartei dafür! (…)

Monika Meinecke, Hamburg

Künstliche Trennung

Zu jW vom 12.1.: »Warum wehren sich die ­Menschen nicht?«

Lieber Thilo Nicklas, danke für deinen ausführlichen Beitrag. Ich wünschte, mehr Gewerkschafter würden sich in die aktuelle politische Debatte einbringen. Eine echte Auseinandersetzung um die Frage, wie sich Gewerkschaften gegen die Kriegspolitik der NATO (in ihr als bedeutende Kraft: die BRD) aufstellen können und sollten, vermisse ich schmerzlich. Es gelingt nicht, die breite Volksmasse auf die Straße zu bringen, da die Arbeiterbewegung in Deutschland und darin die Gewerkschaften kranken. Es geschieht eine künstliche Trennung des Kampfes gegen die Verarmungspolitik der Bundesregierung von ihrer aggressiven Kriegspolitik gegen Russland und China. Du machst diesen Fehler in deinem Beitrag nicht, stellst dich aber auch auf die Seite der Kriegstreiber durch eine Verurteilung Russlands. Das halte ich mindestens für einen taktischen Fehler. Gespräche über die Rolle der BRD beim Ukraine-Krieg sind gesellschaftlich tabuisiert, werden innerhalb der Gewerkschaften (…) abgebügelt und so eine echte Politisierung zum Beispiel auch der vergangenen und kommenden Tarifrunden verhindert. Der DGB verpasst seine Rolle völlig und organisiert bestenfalls Alibiveranstaltungen gegen die Sozialpolitik (…). Ich erlebe das in Thüringen jetzt seit fast einem Jahr. Es gelingt nicht, Menschen für linke Positionen zu begeistern, schlimmer noch: Sie kennen sie schlicht nicht einmal. Insofern hoffe ich, dass du gerade in deiner hauptamtlichen Position dazu beiträgst, den Kampf gegen Kriegs- und Verarmungspolitik als Einheit in deinem Bezirk auf die Tagesordnung zu setzen. (…)

Alexander Simmen, Erfurt

Es sind nicht die markigen Worte, die großen Losungen, Plakate und Fahnen, die uns Achtung verschaffen. Es ist unser konkretes Tun.

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