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Aus: Ausgabe vom 07.01.2023, Seite 1 / Kapital & Arbeit
Arbeitskampf

Deutsche Post AG bangt um Rendite

Erste Tarifrunde: Verdi fordert 15 Prozent mehr Lohn. Konzern hält das für »realitätsfern«
Von Alexander Reich
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Mit Briefen und Paketen in Deutschland machte die Post AG 2022 rund 1,35 Milliarden Euro Gewinn, eine Arbeiterin wie hier im Briefzentrum Duisburg erhielt zwei Prozent mehr Lohn

Die Tarifverhandlungen für 160.000 Beschäftigte der Deutschen Post haben begonnen. Sechs Tage nach Ende der Friedenspflicht stellten beide Seiten am Freitag in Berlin einander ihre Ausgangspositionen vor. Verdi fordert 15 Prozent mehr Lohn und 200 Euro mehr Vergütung für jedes Ausbildungsjahr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der Dax-Konzern hält das für »realitätsfern« und mahnt eine »Balance zwischen Lohnsteigerungen für unsere Beschäftigten und wirtschaftlicher Tragfähigkeit für das Unternehmen« an.

2022 hat die Deutsche Post AG um die 8,5 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Ein Rekord in der Geschichte des Bonner Unternehmens, das aus der Privatisierung der Bundespost 1995 hervorgegangen und längst zum Global Player geworden ist. In jüngeren Konzernmitteilungen sorgte für Profite vor allem das »B2B-Geschäft der DHL-Divisionen Global Forwarding, Freight, Supply Chain und Express«. Mit Briefen und Paketen in Deutschland wird noch ein gutes Sechstel des Gewinns gemacht, 2022 rund 1,35 Milliarden Euro. Die Marge in dem Segment ist über die Jahre konstant geblieben. Auf Kosten der Beschäftigten und der Grundversorgung.

Monat für Monat gehen in der BRD Zehntausende Sendungen verloren, auch Einschreiben. Einige tauchen Wochen später wieder auf. Die meisten bleiben verschollen. Der Bund hat laut Grundgesetz »flächendeckend angemessene und ausreichende« Versorgung zu gewährleisten, ein Instrument zur Durchsetzung soll eine Novelle des Postgesetzes bringen.

Für die Postboten, heute Zusteller, sind die Routen mit der Zeit immer länger geworden, die Pakete schwerer und zahlreicher. Viele machen keine Pause – noch mehr unbezahlte Überstunden! –, brauchen Schmerzmittel. Das alles für wenig Geld. Zuletzt einigten sich Verdi und die Post AG 2020 auf fünf Prozent Lohnerhöhung, schrittweise in zweieinhalb Jahren. Nun soll ein Inflationsausgleich her. Und auf der Gegenseite eine Rekorddividende. Nächster Verhandlungstermin ist in knapp zwei Wochen.

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