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Aus: Ausgabe vom 10.12.2022, Seite 2 / Ausland
Staatsstreich in Lima

Castillo beantragt Asyl in Mexiko

Entscheidung obliegt neuer Regierung in Peru. Landesweite Proteste gegen »Putsch« und Forderung nach Freilassung
Von Volker Hermsdorf
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Der gestürzte Präsident Pedro Castillo bei seiner Verhaftung am Mittwoch in Lima

Der abgesetzte peruanische Präsident Pedro Castillo hat Asyl in Mexiko beantragt. Dies bestätigte das mexikanische Außenministerium am Donnerstag (Ortszeit). In der Angelegenheit werde nun Kontakt mit der peruanischen Regierung aufgenommen, die Castillo nach dessen Absetzung inhaftierte. Derweil protestieren Tausende Anhänger des linken Politikers in Lima und anderen Städten gegen die von ihnen als Putsch bezeichnete Maßnahme. Sie fordern Freiheit für Castillo, eine verfassunggebende Versammlung und Neuwahlen. Der neuen Staatschefin Dina Boluarte werfen sie vor, mit der rechten Mehrheit im Kongress zu paktieren. Mittlerweile sollen die Unruhen das ganze Land erfasst haben.

Der Kongress hatte den am 6. Juni 2021 für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählten ehemaligen Gewerkschaftsführer Castillo am Mittwoch abgesetzt, nachdem er im Fernsehen angekündigt hatte, das Parlament aufzulösen. Zugleich wollte Castillo Neuwahlen des Parlaments einleiten und das Justizsystem reorganisieren, um »die politische Krise zu beenden und die Regierbarkeit wiederherzustellen«. Mit der Absetzung des Staatschefs verhinderte die Mehrheit der Abgeordneten, von denen etliche offenbar fürchteten, ihr Mandat zu verlieren, diese Schritte. Damit habe die »auf Rassismus und Klassismus basierende Strategie der Ultrarechten, den Willen des Volkes zu brechen und Castillo zu entfernen«, Erfolg gehabt, erklärte die Aktivistin der sozialdemokratischen Partei »Nuevo Peru«, Lucia Alvites, gegenüber Telesur.

Castillo war am Mittwoch abend auf dem Weg in die Botschaft Mexikos, das ihm politisches Asyl angeboten hat, verhaftet, in Handschellen in eine Kaserne gebracht und von dort in ein Gefängnis überführt worden. Am Donnerstag ordnete ein Richter eine zunächst siebentägige Untersuchungshaft für den ehemaligen Präsidenten an. Während die rechte Opposition ihren Erfolg offen feierte, kritisierten die Regierungen lateinamerikanischer Länder, darunter Mexiko, Bolivien, Kolumbien und Honduras die Absetzung eines »vom Volk gewählten Präsidenten«. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte am Donnerstag, dass Moskau die Situation in Peru verfolge und darauf hinweise, dass die weitere Entwicklung »ohne destruktive Einmischung aus dem Ausland« vonstatten gehen sollte.

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