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Aus: Ausgabe vom 09.12.2022, Seite 8 / Ansichten

Historischer Vorstoß

Xi Jinping in Saudi-Arabien
Von Jörg Kronauer
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Der saudische Kronprinz bin Salman empfängt Xi Jinping in Riad (8.12.2022)

Das Bild ging um die Welt, das vom trockenen, rumpligen Faustgruß, mit dem US-Präsident Joseph Biden im Juli bei seinem Besuch in Saudi-Arabien den Kronprinzen Muhammad bin Salman begrüßte. Er war ein treffendes Symbol: Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten waren angespannt – vor allem, seit Riad sich weigerte, seine Ölförderung zu erhöhen, um ein hartes westliches Ölembargo gegen Russland zu ermöglichen. Ganz anders der Empfang für Chinas Präsident Xi Jinping am Mittwoch: Höfliches Händeschütteln, auch einiger Prunk – als Xi auf dem King Khalid International Airport eintraf, sprühten sieben in Formation fliegende Jets Streifen in Rot und Grün, den Farben der Nationalflaggen beider Länder, an den Himmel. Für den Gast aus der Volksrepublik hat der Kronprinz zusätzlich zu den üblichen bilateralen Treffen auch noch zwei weitere Gipfeltreffen mit – laut Berichten – einer zweistelligen Zahl weiterer arabischer Staaten organisiert: Der Kontrast spricht Bände.

Saudi-Arabien und die anderen arabischen Golfstaaten sind dabei, ihre Außenpolitik auf erheblich breitere Füße zu stellen. Nach neuen Kooperationspartnern sehen sie sich schon seit einiger Zeit um, vor allem, da sich die Vereinigten Staaten zunehmend auf ihren Machtkampf gegen China konzentrieren. Riad und Abu Dhabi müssen also realistisch betrachtet damit rechnen, früher oder später bei ihrem Machtkampf gegen Teheran, den sie bislang an der Seite Washingtons austrugen, auf sich selbst gestellt zu sein. Erheblichen Unmut hat bei ihnen hervorgerufen, dass Biden im Wahlkampf angekündigt hat, Muhammad bin Salman, den Herrn der Knochensägen, in der internationalen Politik zum »Paria« machen zu wollen. Viel mehr als ein Faustgruß ist da auch von saudischer Seite im Moment wohl nicht drin.

Dass China die Kooperation mit den arabischen Staaten ausbauen will, das kommt ihnen da wie gerufen. Für die Volksrepublik ist es ein großer Schritt: Sie weitet ihren Einfluss in einer Region aus, die jahrzehntelang als exklusives Hegemonialgebiet der USA galt. Nun, da Washington seine Aktivitäten dort zurückfährt, handelt Beijing, wenn man so will, gemäß einer alten Maxime von Mao: »Wo der Feind vorrückt, ziehen wir uns zurück. Wo der Feind sich zurückzieht, stoßen wir vor.«

Verschwinden wird der US-Einfluss auf der Arabischen Halbinsel allerdings nicht. Das wäre auch gar nicht im Interesse der dortigen Staaten. Ihre Streitkräfte basieren in hohem Maße auf US-Rüstungsprodukten, weshalb sie weiterhin auf Kooperation angewiesen sind; und auch sonst sind die ökonomischen Bindungen noch ziemlich eng. Ohnehin profitieren die arabischen Staaten am meisten, wenn sie nicht auf eine Großmacht angewiesen sind, sondern je nach Anliegen wählen können, etwa zwischen China und den Vereinigten Staaten. Die Tatsache, dass die US-Hegemonie am Persischen Golf immer mehr ins Wanken gerät, kommt einer Kräfteverschiebung von historischer Bedeutung gleich.

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  • Leserbrief von Ullrich-Kurt Pfannschmidt ( 9. Dezember 2022 um 11:36 Uhr)
    Habe ich da was verpasst? Saudi-Arabien war für mich immer noch der Staat, der im Jemen einen brutalen Stellvertreterkrieg führt; und speziell Prinz Salman wird vorgeworfen, den Mord an dem Journalisten Kashoggi in Auftrag gegeben zu haben (die jW berichtete über beides in mehreren Artikeln)! Trotzdem (oder gar deswegen?) die offensichtlich freundschaftliche Begrüßung zwischen Xi Jinping und Kronprinz bin Salman! Wie schnelllebig doch unsere Zeit ist. Wieder was dazu gelernt.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart ( 9. Dezember 2022 um 10:49 Uhr)
    Schon die beigelegten Bilder verraten den Unterschied. Zur Erinnerung: Zwar war beim Binden Besuch auch der rote Teppich ausgerollt, jedoch erwartete der Kronprinz Biden oberhalb der Vortreppe und die Begrüßung war ein lauer Faustschlag. Jetzt empfängt der Kronprinz Xi schon bei der Ankunft seiner Luxuslimousine mit offener Hand zur Begrüßung. Xi Jinping wird am Golf mit offenen Armen empfangen – sehr zur Sorge des Westens. Die Bilder symbolisieren und geben eindeutig die Veränderungen in den Beziehungen am Petrogolf wider!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Paris ( 8. Dezember 2022 um 20:47 Uhr)
    Schon bedenklich & verstörend, dass das sogenannte sozialistische China – aus realpolitischen und geostrategischen Überlegungen – sich mit dieser menschenverachtenden Diktatur einlässt.

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