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Aus: Ausgabe vom 08.12.2022, Seite 1 / Titel
Militarisierung des Indopazifiks

Australien kriegsbereit

Außen- und Verteidigungsminister in Washington. Mehr Truppen und Waffen auf südlichem Kontinent. Japan soll eingebunden werden
Von Jörg Kronauer
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Markieren, wer das Sagen haben soll: Gemeinsame Militärübung in der Philippinischen See (14.11.2022)

Die USA und Australien intensivieren ihre Militärkooperation und binden die Streitkräfte Japans noch enger in ihre Vorbereitungen auf einen möglichen Krieg gegen China ein. Dies ist das Ergebnis von Gesprächen, die die Außen- und Verteidigungsminister beider Länder am Dienstag (Ortszeit) in Washington führten. Bereits jetzt rotieren jährlich Tausende US-Marines zu bilateralen Übungen nach Nordaustralien. Laut der neuen Vereinbarung werden die USA künftig mehr Truppen und große Waffensysteme nach Australien entsenden, darunter neben Landstreitkräften und den Marines auch Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Washington bis zu sechs »B-52«-Bomber, die Atomwaffen tragen können, auf der Luftwaffenbasis Tindal im Norden Australiens stationieren will. In der Region hatte sich im Sommer die deutsche Luftwaffe an Kriegsübungen beteiligt. Geplant ist zudem, US-Kriegsgerät in Australien zu stationieren; das dient dem Zweck, es im Kriegsfalle nicht erst antransportieren zu müssen, sondern direkt in den Kampf starten zu können. Auch bei Logistik und Instandhaltung wollen beide Staaten enger zusammenarbeiten.

In die enge Militärkooperation soll nun auch Japan unmittelbar einbezogen werden. Um nähere Absprachen zu treffen, wollen Australiens Außenministerin Penny Wong und Verteidigungsminister Richard Marles von Washington aus nach Tokio weiterreisen. Australien und Japan hatten in diesem Jahr zunächst ein Militärabkommen geschlossen, das es ihnen gestattet, Truppen in das jeweils andere Land zu entsenden, und anschließend eine ältere Verteidigungsvereinbarung aus dem Jahr 2007 aktualisiert. Letztere leitet eine engere Zusammenarbeit zwischen nicht nur den Streitkräften, sondern auch den Geheimdiensten sowie den Cybersecuritybehörden beider Länder ein. Die japanische Regierung hat gerade erst angekündigt, ihren Militärhaushalt im nächsten Fünfjahreszeitraum um 56 Prozent auf insgesamt 318 Milliarden US-Dollar aufstocken zu wollen. Am Mittwoch vermeldete die Agentur Kyodo, dass in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich fünf Billionen Yen (knapp 37 Milliarden US-Dollar) in die Entwicklung von Langstreckenraketen investiert werden sollen. Aktuell führt Japans Luftwaffe mit der australischen Navy und Kampfjets der Philippinen Übungen nahe Manila durch.

Ganz bruchlos geht der Aufbau eines mächtigen US-geführten Pazifikmilitärblocks gegen China allerdings nicht vonstatten. Die Verteidigungsminister Australiens, der Vereinigten Staaten und Großbritanniens wollten am Mittwoch nach jW-Redaktionsschluss in Washington zu einem Treffen im Rahmen ihres im September 2021 geschlossenen AUKUS-Pakts zusammenkommen und unter anderem über die Atom-U-Boote verhandeln, die Australien erhalten soll. Von Kosten von mindestens 100 Milliarden australischen Dollar (AUD, knapp 67 Milliarden US-Dollar) ist die Rede. Australiens Militäretat soll ohnehin von aktuell 49 Milliarden auf 80 Milliarden AUD im Jahr 2030 angehoben werden – auch, um Preissteigerungen bei bestehenden Waffenkäufen in Höhe von bisher 6,5 Milliarden AUD aufzufangen, die vor allem bei US-Rüstungsprodukten (»F-35«, »P-8 Poseidon«) angefallen sind. Beobachter spekulieren zudem, dass die bestellten Atom-U-Boote noch längst nicht ausgeliefert sein werden, wenn eine größere Zahl älterer australischer U-Boote außer Dienst gestellt werden muss. Um die Lücke zu überbrücken, könnte Australien sich genötigt sehen, US-U-Boote im eigenen Land zu stationieren und damit noch mehr eigenständige militärische Handlungsfähigkeit preiszugeben.

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