3 Monate jW-digital für 18 Euro
Gegründet 1947 Freitag, 3. Februar 2023, Nr. 29
Die junge Welt wird von 2701 GenossInnen herausgegeben
3 Monate jW-digital für 18 Euro 3 Monate jW-digital für 18 Euro
3 Monate jW-digital für 18 Euro
Aus: Ausgabe vom 02.12.2022, Seite 12 / Thema
Geschichtspolitik

Mit Melnyk im Plenarsaal

Der »Holodomor«-Beschluss des Bundestages. Über die Hintergründe einer interessengeleiteten historischen Erzählung
Von Reinhard Lauterbach
12-13.JPG
Die Erzählung vom »Hunger-Genozid« gegen die ukrainische Bevölkerung entstand in den späten 1970er Jahren in Kanada, wo die größte ukrainische Exilcommunitiy lebt und bereits 1983 ein erstes Denkmal zur Erinnerung an den »Holodomor« eingeweiht wurde. Der kanadische Außenminister François-Philippe Champagne am Denkmal für die Opfer der Hungersnot in Kiew (4.3.2020)

Ginge es nur um historische Erkenntnis, könnte man den Beschluss des Bundestages, die Hungersnot in der Ukraine während der Kollektivierung Anfang der 1930er Jahre (nachfolgend auch: »Holodomor«) als »Genozid« einzustufen, ignorieren. Denn zur Klärung dessen, was passiert ist, trägt er nichts Neues bei, und was er beiträgt, ist eine moralisierende Einordnung, durch die man auch nicht klüger wird. Solcher gedankliche Mummenschanz ist kein Zufall. Die Demokratie als »Legitimation durch Verfahren« (Niklas Luhmann) hat sich mit dem Mehrheitsprinzip ein Kriterium für Entscheidungen gewählt, das sich von Inhalten irgendeiner Art unabhängig macht. Papier ist geduldig, und beschließen kann man alles, wofür man eine Mehrheit findet. Das Parlament der Republik Polen hat vor ein paar Jahren auch schon einmal die Jungfrau Maria als Königin Polens anerkannt,¹ ohne dass irgend jemand hierin den Staatsstreich gewittert hat, der dieser Beschluss objektiv gewesen wäre, wenn man ihn ernstgenommen hätte.

Aber etwas mehr als ein beliebiger Unsinn ist dieser Beschluss natürlich schon. Er ist – und soll es sein – eine politische Solidarisierung mit einer Ideologie, die in der Ukraine den Charakter der zentralen Herrschaftslegitimation angenommen hat, obwohl ihre Argumentationsgrundlage zumindest erhebliche Zweifel weckt. Die Ukrainer seien Anfang der 1930er Jahre Opfer eines sowjetisch-russischen Genozidversuchs geworden, so die Erzählung. Bebildert wird diese Behauptung mit der tatsächlich hohen Zahl der Opfer, die die Kollektivierung in den sowjetischen Dörfern forderte, darunter auch in der Ukraine. Die meisten Autoren gehen von sieben bis acht Millionen durch Gewalt oder Hunger getötete Menschen in den Agrarregionen der Sowjetunion aus, darunter etwa die Hälfte in der Ukrainischen Sowjetrepu­blik. Aber eben bei weitem nicht nur dort.

Beschleunigte Kollektivierung

Diese hohe Zahl an Opfern lässt sich erklären, auch ohne dass man dafür die Vermutung eines antiukrainischen Komplotts der (als russisch unterstellten, faktisch durchaus multinationalen) Sowjetführung bemühen müsste. Der Mainstream der historischen Forschung unterstellt, dass die sowjetische Führung den Beschluss des Jahres 1928, die Landwirtschaft beschleunigt zu kollektivieren (also die Agrarrevolution der Jahre 1917 bis 1920 zurückzunehmen, der die Bolschewiki in der frühen Phase ihrer Herrschaft immerhin den Sieg ihrer Revolution verdankten, weil die Bauern dem zaristischen und bürgerlichen System die Gefolgschaft verweigerten und sich statt dessen Landanteile sicherten), aus im wesentlichen drei Motiven heraus fasste:

Erstens, den Aufwand für die Industrialisierung des Landes auf Kosten der Dorfbevölkerung zu finanzieren; Stalin selbst hat diese Überlegung damit verglichen, den Bauern eine »Industrialisierungsrente« abzuverlangen ähnlich derjenigen, mit der die kapitalistischen Industriestaaten ihre ursprüngliche Akkumulation durch die Extraausbeutung der Kolonien und ihrer Bewohner finanziert hatten: eine Phase »ungleichen Tausches« mit dem Ziel, die UdSSR industriell zu entwickeln und dadurch auch zur Abwehr imperialistischer Angriffe zu befähigen. Die Ukrai­ne war zu diesem Zeitpunkt das wichtigste Getreideüberschussgebiet der Sowjetunion – die Urbarmachung des Kaukasusvorlands und der östlichen Ausläufer der Schwarzerderegion in Kasachstan stand erst noch bevor. Damals war in der Ukraine schlicht das meiste für die staatlichen Ziele zu holen, deshalb wurde sie zwangsläufig auch zu einer Schwerpunktregion der Repression gegen den Widerstand der bäuerlichen Bevölkerung gegen ihre faktische Enteignung.

Denn der zweite Aspekt der Kollektivierung bestand darin, dass sie eine Reihe von Widersprüchen der 1921 von Lenin proklamierten »Neuen Ökonomischen Politik« (NÖP) gewaltsam auflösen sollte. Die NÖP hatte faktisch die Wiederzulassung des Kapitalismus in Landwirtschaft und Leichtindustrie bedeutet. 1921 war das eine aus der wirtschaftlichen Zerrüttung nach dem Bürgerkrieg geborene Notmaßnahme gewesen, ausgelöst auch vom beharrlichen Widerstand der Bauern gegen die Getreidekonfiskationen zugunsten von Städten und Armee. Im Zuge der 1920er Jahre brachte sie neue (bzw. alte) Klasseninteressen hervor: die der Privateigentümer in Landwirtschaft, Kleinhandel und Leichtindustrie, also den konsumnahen Branchen der sowjetischen Wirtschaft. Diese sozialen Interessen liefen denen der zentralen Industrialisierungsplanung zuwider. Bauern verhielten sich zu ihren Produkten wie die Eigentümer, die sie waren, das bedeutete auch, dass sie sie verkauften, wenn es ihnen profitabel erschien, und dies unterließen, wenn ihnen die staatlichen Aufkaufpreise zu niedrig waren. Sie mussten aber niedrig – also aus Sicht der Bauern nicht kostendeckend – sein, wenn mit ihnen das politisch vorgegebene Ziel erreicht werden sollte, Mittel für die Industrialisierung zu beschaffen. Als Folge geriet das andere Ziel in Gefahr, um dessentwillen die Bolschewiki den privaten Handel der Bauern wieder zugelassen hatten: die Versorgung der Industrieregionen und der Arbeiterklasse als ihrer sozialen Hauptstütze zu garantieren. Sie ließ sich eben nicht garantieren, solange man das Interesse der aus der Agrarrevolution ohne Zutun der Bolschewiki hervorgegangenen und durch die NÖP gesetzlich anerkannten privaten Parzellenbauern politisch gelten ließ.

Damit stellte sich drittens die Frage, wie lange auf dieser Grundlage die Herrschaft der Bolschewiki als Partei noch aufrechtzuerhalten sein würde. Wenn Stalin die »Rechtsabweichler« um Nikolai Bucharin, die dafür eintraten, die NÖP laufen zu lassen und der Sowjetwirtschaft ein gemäßigteres und eher an den Konsumbedürfnissen der Bevölkerung orientiertes Wachstum zu erlauben, als Gefahr für die Herrschaft der Bolschewiki ausmachte, war das nicht völlig aus der Luft gegriffen. Es wäre tatsächlich wahrscheinlich früher oder später auf die Notwendigkeit eines Klassenkompromisses mit den Bauern und den sonstigen sozialen Nutznießern der NÖP hinausgelaufen – genau das, was Lenin in seinen Reden und Schriften zur Einführung der NÖP als drohende Gefahr erkannt hatte, die die Partei aber, so seine Überzeugung, neutralisieren könne, wenn sie die politische Kontrolle fest in der Hand behalte.

Die »Scherenkrise« der späten 1920er Jahre (der Umstand, dass die Preise für Industrieprodukte beständig stiegen, während landwirtschaftliche Güter immer niedriger vergütet wurden) demonstrierte der sowjetischen Führung, dass das so einfach nicht war. Von daher gewann der Gedanke, den gordischen Knoten widerstreitender Klasseninteressen lieber früher als später zu durchschlagen, an Plausibilität. Dass dies einen neuen Bürgerkrieg lostreten könnte, war für niemanden in der Parteiführung eine Überraschung; die passende Theorie über den im Verlaufe des Aufbaus des Sozialismus angeblich immer schärfer werdenden Klassenkampf war schnell postuliert, und das für den Sieg in diesem neuen Bürgerkrieg absehbar erforderliche Maß an Gewalt gegen einen Teil der eigenen Gesellschaft, den man noch vor kurzem als Verbündeten der Arbeiterklasse hofiert hatte, bereitete den überlieferten Quellen zufolge nur wenigen in der Parteiführung Probleme, schon gar keine moralischen. Alle Beteiligten hatten den ersten Bürgerkrieg mitgemacht und waren überzeugt, dass dies eben die Regeln des politischen Kampfes seien. Man kann dies im nachhinein bedauern oder kritisieren, aber solche Kritik bleibt moralisch, solange nicht erkannt wird, dass der Handlungs- und Vorstellungsraum der damaligen politischen Akteure eben durch die Gewalterfahrung von Revolution und Bürgerkrieg geprägt worden war.

Keine Beweise

All dies ist in der russischen und auch internationalen Forschung umfassend diskutiert worden. Die führende Studie dazu stammt von dem an der russischen Universität Penza lehrenden Historiker Wiktor Kondraschin,² und die Überzeugungskraft des ukrainischen Narrativs könnte insbesondere durch die Tatsache geschmälert werden, dass dieses gut 500 Seiten starke Werk 2008 unter Schirmherrschaft der inzwischen in Russland verbotenen, antisowjetischen NGO »Memorial« und im Verlag des »Jelzin-Zentrums« in Jekaterinburg herausgegeben wurde, also von aus westlicher Sicht »guten« Russen. Auch der notorische Kommunistenfresser Jörg Baberowski von der Humboldt-Universität in Berlin hat sich im Kern dieser Argumentation angeschlossen,³ und sogar die US-Historikerin und -Journalistin Anne Applebaum, die sich in ihrem seit 2010 aus offenkundig ideologischen Beweggründen unter Nutzung ganz überwiegend ukrainischer Quellen entstandenen Buch »Roter Hunger«⁴ bemüht hat, für ein breiteres Lesepublikum die spezielle ukrainisch-nationalistische Sichtweise auf den tragischen Verlauf der Kollektivierung im Westen zu popularisieren, kommt nicht umhin, im Nachwort zu diesem umfangreichen Werk zuzugeben, dass die Argumentation der »funktionalistischen« Historiker wie Wiktor Kondraschin »teilweise richtig« sei.⁵

Auch Applebaum schafft es nicht, den schlüssigen Beweis zu führen, dass die Opfer der Kollektivierungsphase nicht die Folge einer mit höchster Beschleunigung und maximalem Gewalteinsatz durchgesetzten Enteignung der Bauern, konkret der Rücknahme der Agrarrevolution der Jahre 1918 bis 1920, gewesen sei, sondern der Ausdruck einer gezielt gegen die Ukraine und ihre Bevölkerung gerichteten Politik der Bolschewiki. Ihr Trick besteht darin, parallel auf zwei Ebenen zu argumentieren und die Gleichzeitigkeit der Ereignisse auf beiden zum Beleg ihres inneren Zusammenhangs zu erklären, konkret: die Kollektivierung auf der einen Seite und das Zurückdrängen der nationalukrainischen Einflüsse im Kulturleben der ukrainischen Sowjetrepublik ab der zweiten Hälfte der 1920er Jahre auf der anderen Seite.

Selbst wenn man Applebaums These folgt, dass die siegreichen Bolschewiki nach 1917 in mehreren Teilen des Imperiums, das sie aus der Konkursmasse der provisorischen Regierung übernommen hatten, mit nationalen Abspaltungsbewegungen konfrontiert gewesen seien, von denen die in der Ukraine für sie aus verschiedenen Gründen die gefährlichste gewesen sei und sie deshalb über Jahre bemüht waren, diese politisch zu neutralisieren, ist die Folgerung der Autorin, die vielen Kollektivierungsopfer in der Ukraine seien primär Ausdruck einer antiukrainischen Kampagne gewesen (was waren sie dann in Russland oder Kasachstan?) nicht zwingend.

Mit der Parallelisierung beider Entwicklungen versucht sich Applebaum um ein zentrales Beweisproblem herumzudrücken, das Politik und Rechtsprechung seit der Entwicklung des Genozidbegriffs durch den polnischen Juristen Raphael Lemkin in den 1940er Jahren im US-Exil prägt: Lemkin hatte in seiner Pionierstudie »Axis Rule in Occupied Europe« (1944) Genozid definiert als einen »koordinierten Plan verschiedener Aktionen, der auf die Zerstörung essentieller Grundlagen des Lebens einer Bevölkerungsgruppe gerichtet ist mit dem Ziel, die Gruppe zu vernichten«.⁶ Lemkin setzt also erstens Absicht voraus, und zweitens das Ziel, die Zielgruppe des Völkermordes insgesamt zu vernichten. Applebaum räumt selbst ein, dass die Kollektivierungskampagne Stalins dieses Ziel gar nicht verfolgt habe⁷; gleichwohl ist sie bemüht, einen Genozid zu suggerieren. Sie erreicht das, indem sie das Element der Intentionalität aus dem Vorgehen gegen die ukrainische Intelligenz entnimmt (die ja aber nur ein Teil der ukrainischen Bevölkerung war und an der sich – sogar im hypothetischen Fall ihrer vollständigen Vernichtung – das Kriterium der universellen Mordabsicht nicht hätte demonstrieren lassen können) und mit dem Element der Massenhaftigkeit der Repression aus dem Vorgehen gegen die Bauern in der Ukrai­ne (das sich aber nicht auf diese Republik beschränkte) verbindet.

Politische Motive

Applebaum räumt im Nachwort, das der »Wiederkehr der ukrainischen Frage« im Zuge der Diskussion um den »Holodomor« gewidmet ist, verklausuliert ein, dass die von ihr im übrigen propagierte These vom antiukrainischen Völkermord Resultat einer politischen Absichtserklärung unter dem »prowestlichen« ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko (2005–2010) gewesen sei, demselben Juschtschenko, der politisch stark unter dem Einfluss der ukrainischen Diaspora in den USA und Kanada stand und dessen politischer Nachlass im wesentlichen darin besteht, dass er 2006 die Hungersnot zum Genozid und 2010 den Antisemiten und Nazikollaborateur Stepan Bandera sowie etliche seiner Gesinnungsgenossen zu »Helden der Ukrai­ne« erklärt hat. Applebaum ist sich übrigens völlig klar über den manipulativen Charakter von Juschtschenkos Holodomor-Argumentation: »Juschtschenko verstand die Macht der Hungersnot als einigende nationale Erinnerung der Ukrainer (…). Zweifellos politisierte er sie, (…) einige seiner Zahlenangaben waren übertrieben«.⁸

Der schwedische Historiker Per Anders Rudling hat rekonstruiert, wie die Legende vom Hungerverbrechen an den Ukrainern entstanden ist.⁹ Nach seinen Erkenntnissen haben die ehemaligen ukrainischen Nazikollaborateure, die sich nach 1945 mit Protektion insbesondere des britischen Geheimdienstes trotz ihrer den Alliierten bekannten Nazivergangenheit über den Atlantik retten konnten,¹⁰ die Erzählung vom »Holodomor« in den späten 1970er Jahren entwickelt, als unter dem Eindruck der US-Fernsehserie »Holocaust« (1978) die Auswirkungen der Debatte über die Akteure und Profiteure der Judenvernichtung in Osteuropa spürbar wurden; mit einer Gegenerzählung hätten sie versucht, von ihrer eigenen Verwicklung bzw. der ihrer Organisationen in jene Verbrechen abzulenken. Es ist eine Chuzpe, wie sie in ukrainischen Nationalistenkreisen kein Einzelfall ist. Andrij Melnyk, der langjährige Botschafter der Ukraine in der Bundesrepublik, hat nie etwas dabei gefunden, sich einerseits als Bandera-Fan zu outen, andererseits aber die deutsche Gesellschaft an die Naziopfer in der Ukraine zu erinnern.

Es ist also eine ausgesprochen trübe Suppe, aus der der Bundestag seinen Holodomor-Beschluss geschöpft hat. Die Frage ist, warum; nur die Tatsache, dass zuvor bereits die Parlamente Kanadas (2008) und der USA (2010) ähnliche Beschlüsse gefasst haben, kann es nicht gewesen sein, sie bindet den Bundestag ja nicht. Unkenntnis kann auch nicht geltend gemacht werden, schließlich unterhält der Bundestag »Wissenschaftliche Dienste«, die genau die Aufgabe haben, die politisch Verantwortlichen auf Unsicherheiten, Zweifelsfälle und potentielle Peinlichkeiten hinzuweisen, bevor sie politisch aktenkundig werden.

Allerdings ist es dann die politische Entscheidung der Abgeordneten, ob sie diesen Ratschlägen folgen. Dass sie das nicht tun, wenn ihnen die Schlussfolgerung der Experten nicht in den Kram passt, hat bereits im Frühjahr dieses Jahres die Auseinandersetzung um die Frage gezeigt, ob es eine indirekte Kriegsbeteiligung sei, wenn die Bundeswehr ukrainische Soldaten auf deutschem Boden ausbilde.¹¹ Während die Experten dies bejahten, beschloss die große Mehrheit der Abgeordneten, diese Bedenken zu ignorieren und mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten auf deutschem Boden fortzufahren. Nach genau derselben Logik ignorierten die Parlamentarier jetzt die schwache Argumentationsgrundlage und die fragwürdige Entstehungsgeschichte des »Hunger-Genozids«.

Schlag gegen Russland

Es liegt nahe anzunehmen, dass es die Absicht der den Beschluss tragenden Fraktionen ist, Russland auf geschichtspolitischer Ebene einen symbolischen Schlag zuzufügen. Mehr ist es in der Sache nicht, auch wenn sich jetzt schlechtinformierte Leitartikler auf den Bundestagsbeschluss berufen können, um dessen Inhalt nachzuplappern. Was der Beschluss aber tatsächlich bezwecken soll, ist nicht recht absehbar. Die Vermutung, hier solle durch die Unterstellung eines »sowjetischen Holocaust« die Bedeutung des von Deutschland ins Werk gesetzten Völkermords an den europäischen Juden relativiert werden, wirkt wenig überzeugend. Zu gut hat die bundesdeutsche Geschichtsmoral genau mit der – billig zu habenden – Anerkennung der »Einzigartigkeit« der deutschen Verbrechen international Punkte gemacht, nicht zuletzt in Israel, das aus der Behauptung dieser Einzigartigkeit ein Element seiner Staatsräson gemacht hat. Wozu sich an dieser Stelle den Ärger einhandeln, den sich die Ukraine bereits 2019 eingefangen hat, als Präsident Wolodimir Selenskij Israel aufgefordert hat, die Anerkennung der Hungersnot der frühen 1930er Jahre als mit dem Holocaust vergleichbar vorzunehmen.¹² An der Stelle hört für Israel der Spaß auf. Das ukrainische Ansinnen wurde brüsk zurückgewiesen.

Das hindert die ukrainische Seite freilich nicht, für ein Publikum ohne philologische Kenntnisse diese Gleichsetzung über den ähnlichen Anlaut der beiden Wörter »Holodomor« und »Holocaust« zu suggerieren. Dabei hat das eine slawische und das andere griechische Wurzeln, beide haben also nichts miteinander zu tun. Trotzdem hat sich das Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften nicht entblödet, 2009 den Artikel einer rumänischen Autorin zu veröffentlichen, der diese peinliche Dummheit zumindest als Eingangsfrage wiederholt.¹³

Eher könnte die Resolution der Versuch sein, die innerdeutsche Debatte zu zensieren. Denn schon im Oktober ist das Strafgesetzbuch um einen Paragraphen 130b erweitert worden, der »das öffentliche Billigen, Leugnen oder gröbliche Verharmlosen von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschheit und Kriegsverbrechen« unter Strafe stellt.¹⁴ Damit wäre auch das juristische Dilemma umschifft, dass zwar eine Bestrafung nur auf Grund eines Gesetzes möglich ist, dass jedoch der Inhalt der neuen Vorschrift nicht präzisiert, was das Kriterium solcher »Verharmlosung« ist: womöglich auch ein inhaltlich fragwürdiger und von seinem Charakter her rein deklarativer Parlamentsbeschluss ohne Gesetzeskraft. Wenn sich der Bundestag von ukrainischen Geschichtsideologen vorschreiben lässt, was in Deutschland gesagt und geschrieben werden darf, wäre dies nicht verwunderlich, nachdem das politische Berlin die monatelangen Pöbeleien eines Andrij Melnyk widerstandslos hingenommen hat. Insofern ist leider, so belanglos die Resolution inhaltlich ist, Schlimmes für die Diskussionsfreiheit in Deutschland zu befürchten: die Melnykisierung des Diskurses.

Anmerkungen:

1 http://orka.sejm.gov.pl/proc8.nsf/uchwaly/1128_u.htm, Beschluss vom 15.12.2016

2 Wiktor Kondraschin: Golod 1932-33gg. Tragedija sowetskoj derewni (Der Hunger der Jahre 1932/33. Die Tragödie des sowjetischen Dorfes), Moskwa 2008, online unter: http://library.khpg.org/files/docs/1388162603.pdf

3 Jörg Baberowski: Die Kollektivierung der Landwirtschaft und der Terror gegen die Kulaken (2007), https://www.europa.clio-online.de/essay/id/fdae-1311

4 Anne Applebaum: Roter Hunger. Stalins Krieg gegen die Ukraine, München 2019

5 Ebd., S. 440 f.

6 »a coordinated plan of different actions aiming at the destruction of essential foundations of the life of national groups, with the aim of annihilating the groups themselves«. Rafael Lemkin: Axis Rule in Occupied Europe. Laws of Occupation, Analysis of Government, Proposals for Redress, New Jersey 2005 [1944], S. 79

7 Applebaum, a. a. O., S. 437: »Der Holodomor entspricht diesem Kriterium nicht. Die ukrainische Hungersnot war nicht der Versuch, jeden Einzelnen Ukrainer zu vernichten, außerdem endete sie im Sommer 1933, bevor sie das gesamte ukrainische Volk auslöschen konnte.«

8 Ebda., S. 438:

9 Per Anders Rudling: Memories of »Holodomor« and National Socialism in Ukrainian political culture. In: Yves Bizeul (Hg.): Rekonstruktion des Nationalmythos? Frankreich, Deutschland und die Ukraine im Vergleich. Göttingen 2013. S. 227-258

10 Richard Breitman; Norman J. W. Goda: Hitler’s Shadow. Nazi Criminals, US Intelligence, and the Cold War, Washington D.C. 2007, online unter: https://www.archives.gov/files/iwg/reports/hitlers-shadow.pdf

11 Rechtsfragen der militärischen Unterstützung der Ukraine durch NATO-Staaten zwischen Neutralität und Konfliktteilnahme (16.3.2022), https://kurzelinks.de/Wissenschaftlicher_Dienst

12 https://www.president.gov.ua/en/news/glava-derzhavi-zaklikav-izrayil-viznati-golodomor-aktom-geno-56861

13 Alexandra Ilie: Holodomor, the Ukrainian Holocaust? In: Studia Politica: Romanian Political Science Review 11 (2011), No. 1, 137-154, https://kurzelinks.de/Ukrainian_Holocaust

14 https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9096

Reinhard Lauterbach schrieb an dieser Stelle zuletzt am 1. September 2022 einen Nachruf auf Michail Gorbatschow.

Aufklärung statt Propaganda

Die Tageszeitung junge Welt liefert Aufklärung statt Propaganda! Ihre tägliche Berichterstattung zeigt in Analysen und Hintergrundrecherchen auf, wer wie und in welchem Interesse handelt. Jetzt das Aktionsabo zum Preis von 75 Euro für 75 Ausgaben bestellen!

  • Leserbrief von Heinz Mösing ( 8. Dezember 2022 um 12:54 Uhr)
    Voll Entsetzen habe ich im ZDF gehört, dass der Bundestag die furchtbare Tragödie, der Millionen Sowjetbürger, darunter auch Ukrainer, zum Opfer fielen, als Völkermord verurteilt wurde. Damit wird der Begriff Völkermord von seiner einzigartigen Bedeutung so wie Holocaust m. E. entwertet und hier einer Hasspropaganda nachgegeben, die mich an die Nazipropaganda vom »bolschewistischem Untermenschen« (ich bin 93) erinnert. Wenn der Bundestag schon in der Geschichte nach Beispielen für Völkermord gräbt, dann wohl die systematische und vorsätzliche Ausrottung der Ureinwohner Nordamerikas durch die Europäer viel eher dazu, um nicht auch Lateinamerika zu nennen. Putins Überfall ist nicht zu entschuldigen, rechtfertigt aber nicht von Hass triefende Geschichtsverdrehung und die Verbrechen der westlichen Staaten, wie auch den Krieg gegen Jugoslawien, der Zeitenwende nach 1945!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz S. ( 5. Dezember 2022 um 09:46 Uhr)
    Beim Lesen habe ich mich gefragt, warum dieser eigentlich überflüssige Artikel. Hatten doch andere, vor allem Thanasis Spanidis, schon alles zu diesem Thema gesagt. Beim zweiten Lesen wurde es mir klar. Reinhard Lauterbach ging es offensichtlich darum, die Kollektivierung der Landwirtschaft zu diskreditieren und als Verbrechen darzustellen. Er spricht von »einer tatsächlich (!) hohen Zahl der Opfer, die die Kollektivierung in den sowjetischen Dörfern forderte«. Und: »Die meisten Autoren gehen von sieben bis acht Millionen durch Gewalt oder Hunger getötete Menschen in den Agrarregionen der Sowjetunion aus.« Dazu zweierlei: Erstens verschweigt Lauterbach, dass die meisten Autoren der Sowjetunion und dem Sozialismus feindlich gegenüberstehen. Zweitens, Spanidis schreibt dazu: »Dass die ›Schätzungen‹ knapp oberhalb der Opferzahl des faschistischen Völkermords an den Juden ansetzen, dürfte kein Zufall sein.« Zudem behauptet Lauterbach, dass die Kollektivierung eine Rücknahme der Agrarrevolution bedeutete. Das Gegenteil ist der Fall, sie war die Fortsetzung der Agrarrevolution, unterbrochen nur durch die zeitweilig notwendige NÖP. Erst durch die Kollektivierung der Landwirtschaft wurden die Bauern wirkliche Herren ihres Bodens und von der »Idiotie des Landlebens« (Marx) befreit. Im übrigen: Auch der Kapitalismus kann dem angeblich so idyllischen Kleinbauerntum keine Zukunft bieten, das zeigt das Höfesterben in den letzten Jahrzehnten hierzulande. (...)
  • Leserbrief von Lothar Böling aus Düren ( 3. Dezember 2022 um 16:08 Uhr)
    Bei der Abstimmung im Bundestag über die Hungersnot in der Sowjetunion der 1930er Jahre geht es nicht nur darum, mal wieder den Antikommunismus mit einer neuen Lügengeschichte zu bedienen. Sie soll auch das russische Volk als unfähig darstellen, diese Welt verändern zu können. Konkret verfolgt man damit das Ziel, den Hass gegen alles Russische zu fördern. Und die Bereitschaft zu stärken, den ukrainischen Nationalismus/Faschismus finanziell zu unterstützen. Schließlich steht Weihnachten vor Tür. Wer nicht gerade mit einem Klammerbeutel gepudert wurde, kann unschwer erkennen, was für eine Tatsachenverdrehung und Geschichtsfälschung hier erfolgt. Und das von Politikern, die das Gymnasium besucht, die studiert haben, gar einen Doktortitel im Namen führen. Dabei kann schon ein Hauptschüler feststellen, was damals passiert ist. Schon zur Zarenzeit, war das russische Volk gewaltigen Hungersnöten ausgesetzt, weil es die blaublütigen Lackaffen vorzogen zu feiern, statt sich um das von ihnen regierte Volk zu kümmern. Noch die vom Kapital finanzierten Hitlerfaschisten erdreisteten sich, sowjetischen Zwangsarbeitern in Deutschland Brot mit einem Strohanteil von 70 Prozent zum Essen zu geben. Wie Vieh wurden die Bürger der Sowjetunion damals behandelt. Und genau diese geistigen Nachfahren, des geschniegelten Adels, die modernen Herrenmenschen sind es, die uns heute weismachen wollen, dass Russland einen Völkermord an den Ukrainern verübt hätte. Das ist schäbigster Nationalismus/Faschismus, der ablenken soll von 27 Millionen getöteten Sowjetbürgern. Nun, wer dem zustimmt, macht nicht nur sich selbst zum Lügenbaron, sondern er entwertet sich auch. Wohin man auch schaut, im Bundestag wimmelt es nur so von Lakaien des Großkapitals, die für Geld offenbar alles tun. Sogar Bekenntnisse abgeben. Mal ehrlich, wer will solche Politkasper noch ernst nehmen, noch anerkennen? Ansehen verschafft man sich mit Wissen und nicht mit der Verbreitung von Lügen. Scharlatane und Betrüger gibt es schon zur Genüge.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in manfred g. aus Berlin ( 3. Dezember 2022 um 14:24 Uhr)
    Die Hungersnot in der Ukraine als Hungergenozid zu bezeichnen würde doch bedeuten, jede Hungerperiode in der Welt, der große Bevölkerungsanteile zum Opfer fallen, als Hungergenozid zu bezeichnen. Oder ist das nicht so?
  • Leserbrief von Fred Buttkewitz aus Ulan - Ude, Russland ( 3. Dezember 2022 um 05:55 Uhr)
    Es gibt oft Glück im Unglück. Sicher war es einesteils ein Unglück, dass Lenin so früh starb und eine Person wie Stalin an die Macht kam. Man kann die Millionen von Opfern zusammenzählen, die auf die Fehler von dessen persönlichen Entscheidungen zurückzuführen sind bzw. auf seinen Charakter. Nicht nur durch Schuld Deutschlands, nein, auch aufgrund seiner Fehlentscheidungen kam es zur Blockade Leningrads und zu über einer Million Hungertoten. Aber das waren bei Stalin eben Fehlentscheidungen. Bei den Deutschen war es Absicht. Und das Parlament dieses Landes hat jetzt diese unglaubliche Frechheit, Russland der Taten des eigenen Landes zu bezichtigen. Zu den brutalen Fehlentscheidungen Stalins zählt auch die Enthauptung des Offizierskorps der Roten Armee in den Schauprozessen 1937. Wenn man darüber spekuliert, unter welchem Staatsführer die Entwicklung nach der Oktoberrevolution hätte humaner, mit weniger Opfern ablaufen können, darf man jedoch eines nicht vergessen: Die Schlachten im Zweiten Weltkrieg wurden nicht nur durch den Mut der sowjetischen Soldaten gewonnen, sondern dadurch, dass hinter ihnen in Sibirien ein industrielles Potential stand, dem Deutschland letztlich nicht gewachsen war. Doch dieses Potential sah teilweise so aus, dass die nackten Maschinen ohne Dach einfach auf die Wiese gestellt wurden. Vieles war 1941 noch nicht richtig fertig und vorbereitet. Und das trotz einer grausamen, künstlich beschleunigten Industrialisierung mit Millionen Opfern innerhalb von 20 Jahren, für die andere Länder 50 Jahre oder mehr Zeit hatten. Aber sie kam nicht einen Tag, nicht eine Stunde zu früh. Sie kam auch nicht zu schnell. Ohne Stalins Gewaltmaßnahmen auf diesem Gebiet hätte Hitler den Krieg gewonnen, denn die Westmächte warteten ja zunächst ab, wohin der Hase läuft. Dann hätte es die zwanzigfache Anzahl an Opfern in der Ukraine gegeben, die ja fest als deutsches Siedlungsgebiet eingeplant war. Es gäbe auch kein Polen mehr.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover ( 2. Dezember 2022 um 21:22 Uhr)
    Wo politische Opportunität regiert, haben wissenschaftliche Dienste leider nichts mehr zu sagen. Schon bei der Entsendung deutscher Tornados nach Syrien zwecks Hilfe bei der Bombardierung des Landes hatte man sich über die Dienste hinweggesetzt. Bei der Anerkennung Guaidos als venezolanischen Interimspräsidenten ist selbst einem juristischen Laien – so er denn den Artikel 233 der Verfassung Venezuelas kennt – vollkommen klar, dass das nicht mit rechten Dingen zuging. Zu nennen wäre auch die Halbherzigkeit der deutschen Ablehnung des westlichen Angriffskrieges gegen den Irak 2003, der Operation »Iraqi freedom«, bei der im Namen der Freiheit drei Millionen Menschen das Leben verloren. Gerade die Operation »Iraqi freedom« ist in ihrer Ideologisierung mit der sozialistischen Ideologisierung vergleichbar: Hier wie da fiel das menschliche Leben dem propagierten Wert millionenfach zum Opfer. Einen einzigen Wert derart zu verabsolutieren ist Kennzeichen von Fanatismus. In Russland weiß man sehr wohl, was hinter den sogenannten westlichen Werten für eine Brutalität steckt. Der Förderung dieser Brutalität dürfte auch der Bundestagsbeschluss zum »Holodomor« dienen. Das Bild des ukrainischen Botschafters, wie er im Bundestag theatralisch die Hand aufs Herz legt, dürfte mehr für ukrainische Medien bestimmt sein als für deutsche. Die Ukraine soll angesichts härter werdender russischer Kriegsführung bei der Stange gehalten werden. Der Krieg muss schließlich weitergehen, bis Russland ruiniert ist. Ein Bundestagsbeschluss ist zudem billig, billiger als Waffenlieferungen. Der neue Paragraph 130 b StGB scheint mir bei dem »Holodomor«-Beschluss des Bundestages nur eine nachgeordnete Bedeutung zu haben. Der massenhafte Hungertod der Jahre 1932/33 ist und bleibt eine menschenverachtende Grausamkeit und damit – egal ob man ihn Genozid nennt oder nicht – von Paragraph 130 b StGB erfasst. Nur der Bundestag scheint indes über dem Gesetz zu schweben, als ob es nichts sei, mal ein wenig Russenhass zu säen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Gerhard R. H. aus Halberstadt ( 2. Dezember 2022 um 13:55 Uhr)
    Aufgrund dessen, dass sich die Russische Föderation massiv gegen die aggressive Politik der von den USA geführten NATO-Staaten und ihrem De-facto-Verbündeten, der ins offene Schlachtfeld geführte Ukraine, einfach nicht in die Knie zwingen lassen will, wirkt dieser Beschluss schon wie eine Art Verzweiflungstat, die Russische Föderation als verbrecherischen Staat zu brandmarken. Vor lauter Kommunisten- und Russenhass – denn beides spielt hier bei dem Motiv der »Entscheidungsfindung« eine entscheidende politisch-ideologische Rolle – wissen die NATO-Staaten und die Ukraine nicht mehr, welche verzweifelten politischen, militärischen, ökonomischen und »juristischen« Schritte sie noch erzwingen sollen, um Russland, wie schon seit mehr als 100 Jahren vergeblich versucht wird, in die Knie zu zwingen. Allein mit dümmlichen, wenn auch gefährlichen Wortspielen einer Frau Baerbock, die offen und unverhohlen die Absicht ausspricht, Russland vernichten zu wollen, wird eben dieses gefährliche Vorhaben, ein weiteres Mal nicht funktionieren, selbst wenn sie persönlich Stolz darauf ist, dass ihr Großvater noch an der »Oderfront« gegen die Rote Armee gekämpft hat. Geschichtsfälschung und -verfälschung scheinen dabei, wie bereits bei der im September 2019 vom EU-Parlament angenommenen Resolution, die die Sowjetunion quasi, entgegen jedweden historischen Tatsachen, zum Hauptverantwortlichen des Zweiten Weltkrieges macht, mittlerweile gang und gäbe zu sein. Andererseits führt es, ob nun gewollt oder ungewollt, zwangsläufig dazu, dass die Verbrechen des deutschen Faschismus und aller mit ihm verbündeten Staaten, Organisationen und Helfershelfer verharmlost werden. Um das Ziel, die Russische Föderation zu diskreditieren und zu kriminalisieren, zu erreichen, nimmt man sogar in Kauf, dass sich Israel – und das zu Recht – darüber echauffiert. Selbstverständlich wird sich Russland von all dem stark beeindrucken lassen.
    • Leserbrief von Fred Buttkewitz aus Ulan - Ude, Russland ( 5. Dezember 2022 um 12:46 Uhr)
      »... um Russland, wie schon seit mehr als 100 Jahren vergeblich versucht wird, in die Knie zu zwingen.« Alexander von Humboldt: »Die Deutschen brauchen für jede Dummheit zweihundert Jahre: hundert, um sie zu begehen, und hundert, um sie einzusehen.« Falls es Deutschland in bewohnbarer Form dann noch gibt, hoffen wir, dass man es dann im Jahre 2114 kapiert hat, dass die Russen nie die Feinde – und die USA nie die Freunde von Deutschland waren. Ich denke aber, in der Gegend von Stuttgart, Büchel und Ramstein könnte die Erkenntnis wesentlich früher einsetzen. Echte Freunde gehen irgendwann mal nach Hause, wenn sie bei Freunden zu Besuch waren. Falls sie aus deren Wohnung heraus auf einmal andere Menschen beschießen (Zentralstation für Drohnenkrieg auf deutschem Boden), dann werden ihre Gastgeber auf einmal zu Geiseln.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam ( 2. Dezember 2022 um 11:07 Uhr)
    So kennt man die politische »Elite« im Nazinachfolgestaat BRD. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, den deutschen Verbrechen während des Vernichtungskrieges zwischen 1933 und 1945 die Einmaligkeit abzusprechen, dann wird diese Gelegenheit auch ergriffen. Noch dazu, wenn es sich um den Nachfolgestaat der Sowjetunion handelt, das den größten Blutzoll bei der Vernichtung des deutschen Faschismus, seines Verbrecherregimes und bei der Befreiung Europas geleistet hat. Wenn man sich nun mit den Neofaschisten in Kiew gemein tut, die historischen Erkenntnisse über die Hungersnot in 1930er Jahren in der Sowjetunion ignoriert und anerkannte Historiker, selbst den eigenen wissenschaftlichen Dienst links liegen lässt, dann offenbart man eine Geisteshaltung, die sich nur unwesentlich von der national-faschistischen Bande, die in Kiew das Sagen hat, abhebt.

Ähnliche:

  • Aus ihren Protesten ab Ende Februar entwickelte sich der berühmt...
    09.03.2021

    Mythos Kronstadt

    Gezielt geschürte Unruhen, »Fake News« und rückwirkende Verklärung. Vor 100 Jahren fand der Aufstand in der Festung bei Petrograd statt
  • Auf dem Bajonett die Revolution nach Westen tragen. Budjonnys Ro...
    31.01.2019

    Gescheiterter Revolutionsexport

    Vorabdruck. Im Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1919/20 erlitt der junge Sowjetstaat eine Niederlage. Fortan konzentrierten sich die Bolschewiki auf die Konsolidierung der Macht im eigenen Land
  • Entscheidend für den Sieg der Bolschewiki war die im Januar 1918...
    04.08.2018

    Verlorene Illusionen

    Vor 100 Jahren kam der Russische Bürgerkrieg zu einem ersten Höhepunkt. Als er 1920 zu Ende ging, waren mindestens acht Millionen Menschen tot – und die Bolschewiki hatte eine brutale Lektion in Realpolitik gelernt
Startseite Probeabo