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Aus: Ausgabe vom 03.12.2022, Seite 10 / Feuilleton
Tagebuch – In dieser großen Zeit

Sagt der Flick zum Emir: Noch 4:2, dann gehen wir!

Von Pierre Deason-Tomory
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»Vor dem Spiel sind in Katar drei Cottbuser Sternburgsinger mit Irokesenschnitt verhaftet worden. Sie hatten geplant, bei den Hymnen die Stadionsoundanlage zu kapern und ›O Tannenbaum‹ abzuspielen.«

Sonntag, 27. November

Die halbe Welt wirft den Deutschen wegen der WM-Bindenaffäre Doppelmoral vor. Tatsächlich produzieren wir so viel davon, dass wir das Zeug exportieren könnten: »Pling! Mit dem neuen ›Moppeldoral‹ mit Verlogenheitsformel kriegen Sie schmutzige Westen wieder weiß!«

Montag, 28. November

Rüstungsgipfel im Kanzleramt. Scholz, Ministeriale und Waffenhersteller wollten laut Zeit Online »nach Munition suchen«. War bestimmt lustig: »Also, Olaf: Binde vor die Augen, Holzlöffel in die Rechte und los geht’s!« (Tock tock tock …) »Kalt, Kanzler, kalt.« (Tock tock tock …) »Wärmer, schon wärmer!« (Dong!) »Volltreffer!« (Wumms …) »Alles noch dran, Kanzler? Komisch, ne? Unsere Tellermienen funktionieren doch sonst nicht!«

Flitzer bei Portugal gegen Uruguay! Er trug ein Superman-T-Shirt, auf dem drei Botschaften zu lesen waren: »Rettet die Ukraine«, »Respekt für die iranische Frau« und »Hat einer Bier?«

Dienstag, 29. November

Seit Tagen wird darüber gestritten, ob man den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft erleichtern sollte. SPD, Grüne und Linke sind dafür, CDU und NSAFD dagegen. Die oppositionell regierende FDP hat vorgeschlagen: Jeder kriegt einen deutschen Pass, der 40 Jahre lang hier gearbeitet hat und zur Einbürgerung seine Großeltern mitbringt.

Popcorn, die Digitalmultis zoffen sich! Jetzt hat Twitter-Musk Apple den Krieg erklärt und Chuck Norris in die Spur geschickt. Er soll versuchen, einen Mac abstürzen zu lassen.

Mittwoch, 30. November

Die Bundesregierung erwägt, eine Übergewinnsteuer einzuführen und holt nach bewährter Praxis Expertenrat ein: »Guten Tag. Spreche ich mit Herrn Valdez von Exxon?« – »Jawohl, Herr Bundeskanzler.« – »Was halten Sie von ein bisschen Steuer auf Ihre exorbitanten Profite?« – »Viel! Wir müssen alle solidarisch sein! Allerdings …« – »Ja?« – »Es passt gerade gar nicht. Wir brauchen die Milliarden für dringende Investitionen.« – »LNG-Terminals bauen?« – »Nein, mein Sohn braucht eine neue Zahnspange, die Tochter ein neues Flugzeug, und meine Gattin hat ihr Lieblingscollier ins Klo fallen lassen.« – »Aber das ist doch …« – »Außerdem wird euch der US-Kongress mit Handelssanktionen überziehen, wenn ihr uns die Gewinne wegnehmt.« – »Nun gut, dann eben nicht.« – »Na bitte. Aber niemand kann sagen, Herr Bundeskanzler, Sie hätten nicht wirklich alles versucht!«

Donnerstag, 1. Dezember

Der Bundestag hat das CETA-Handelsabkommen mit Kanada ratifiziert und sich damit selbst entmachtet. Künftig können auch kanadische Unternehmen die BRD vor obskure Sondergerichte zerren, wenn ihnen Entscheidungen des Bundestags nicht passen. Vor fünf Jahren hatten die Grünen, die heute zustimmten, noch mit Hunderttausenden gegen CETA demonstriert. Aber niemand kann sagen, sie hätten nicht wirklich alles versucht.

Die Deutschen sind bei der Fußball-WM nur Gruppendritter geworden, trotz 4:2-Sieg über Costa Rica. Aus Protest wollen sie das Achtelfinale boykottieren. Vor dem Spiel sind in Katar drei Cottbuser Sternburgsinger mit Irokesenschnitt verhaftet worden. Sie hatten geplant, bei den Hymnen die Stadionsoundanlage zu kapern und »O Tannenbaum« abzuspielen.

Freitag, 2. Dezember

Der Emir hat die drei in Katar verhafteten Punks gleich wieder freigelassen und mit einem Orden für Zivilcourage ausgezeichnet. Und er schenkte jedem zwei Sterni, drei Ehefrauen und eine Villa auf Sylt. Paddy, Alder!

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