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Aus: Ausgabe vom 30.11.2022, Seite 10 / Feuilleton

Philipe, Langhoff

Von Jegor Jublimov
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In der Umkleide: Gérard Philipe (1956)

Stars, die in jungen Jahren sterben, bieten das Potential, zur Legende zu werden. Auch der französische Film kennt Beispiele, wie Patrick Dewaere, der sich 1982 erschossen hat, oder Gaspard Ulliel, der Anfang 2022 nach einem Unfall starb. Mit Fug und Recht kann Gérard Philipe eine Legende genannt werden. Er starb 1959, wenige Tage vor seinem 37. Geburtstag, an einer Krebserkrankung und war der meistgefeierte französische Schauspieler seiner Generation. Am 4. Dezember vor 100 Jahren wurde er in Cannes als Anwaltssohn geboren und begann früh die Schauspielerei. Während sein Vater sich im Krieg mit den deutschen Besatzern arrangierte, schloss sich Gérard der Résistance an, um für die Befreiung von Paris zu kämpfen.

Auf der Bühne wurde er in Stücken von Jean Giraudoux und Albert Camus bekannt, und als er 1951 mit Jean Vilar ans Théâtre National Populaire (TNP) in Paris ging, spielte er nicht nur Pierre Corneilles »El Cid«, sondern auch Heinrich von Kleists »Prinz von Homburg«. Als »Ruy Blas« von Victor Hugo gastierte der Star mit dem TNP 1955 an der Volksbühne in der DDR-Hauptstadt. Zu dieser Zeit war er dort bereits in aller Munde. Besonders populär wurde er neben der jungen Gina Lollobrigida in dem Mantel-und-Degen-Abenteuer »Fanfan, der Husar« (1952), aber auch mit anspruchsvollen Rollen, etwa in »Rot und Schwarz« (1954) und »Das große Manöver« (1955) war er auf DDR-Leinwänden präsent. Eine seiner besten Rollen spielte er als Maler Modigliani an der Seite von Lilli Palmer in »Montparnasse 19« (1958). Da lagen die Dreharbeiten für den Defa-Film »Die Abenteuer des Till Ulenspiegel« (1956) bereits hinter ihm. Die Verfilmung des Romans von Charles De Coster, der der Geschichte des unbekümmerten Narren eine revolutionäre Dimension gab, lag ihm schon lange am Herzen. Nun wurde der Stoff als deutsch-französische Koproduktion realisiert. Philipe selbst übernahm (mit Unterstützung von Joris Ivens) die Regie, und der Publikumsliebling zeigte an der Seite von Erwin Geschonneck und Wilhelm Koch-Hooge sein ganzes Können. Nach seinem Tod wurde nicht nur in Berlin-Treptow ein Kino nach ihm benannt, auch in Raguhn bei Bitterfeld, wo ein Teil der Filmaufnahmen mit dem Kinogott entstanden waren, erhielt ein Kulturhaus seinen Namen.

Darauf sollte Tobias Langhoff noch hinarbeiten. Am Montag ist der Enkel von Wolfgang und Sohn von Thomas Langhoff 60 Jahre alt geworden, bekannt eher vom Theater, wo er mit Peter Zadek, George Tabori und Andrea Breth zusammenarbeitete. In der DDR übernahm er Hauptrollen in der Anna-Seghers-Adaption »Der Aufstand der Fischer von St. Barbara« (1988) und in dem gegen Duckmäusertum und politische Selbstherrlichkeit gerichteten Film »Ein brauchbarer Mann« (1989). Auch aktuell kann man ihn auf Leinwand und Bildschirm erleben, u. a. als Generalmajor Winterfeldt in »Im Westen nichts Neues« nach Erich Maria Remarques Roman.

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