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Aus: Ausgabe vom 30.11.2022, Seite 1 / Inland
Kaufkraft

Rekord bei Reallohnverlusten in BRD

Statistisches Bundesamt: »Stärkster und langanhaltendster« Rückgang seit Beginn der Zeitreihe
Von Alexander Reich
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Für ärmere Haushalte ist die effektive Inflationsrate höher

Die Reallöhne schrumpfen in der BRD so stark und lange wie nie zuvor. Von Juli bis September wuchsen die Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen zwar um durchschnittlich 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Die Verbraucherpreise seien in dem Zeitraum aber um 8,4 Prozent gestiegen, daraus ergebe sich ein realer Verdienstrückgang von 5,7 Prozent.

»Die Beschäftigten mussten bereits im vierten Quartal in Folge einen Reallohnverlust hinnehmen«, so die Statistiker. Es handle sich »um den stärksten sowie langanhaltendsten Reallohnrückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008«.

Im zweiten Quartal dieses Jarhes waren die Reallöhne um 4,4 Prozent, im ersten Quartal um 1,8 Prozent und im letzten Quartal 2021 um 1,4 Prozent gesunken.

Die Inflation sank im November nach vorläufigen Angaben der Wiesbadener vom Dienstag zwar auf 10,0 Prozent – von 10,4 Prozent im Oktober –, weil vor allem Kraftstoffe und Heizöl etwas billiger wurden; doch dieser Effekt dürfte von den Preiserhöhungen der Strom- und Gaspreisversorger zum 1. Januar pulverisiert werden, und zweistellige Teuerungsraten hat es in der BRD zuvor nicht gegeben, deren Inflationsrekord stammt von 1951 und liegt bei 7,6 Prozent.

Weil ärmere Haushalte anteilig mehr Geld für lebensnotwendige Energie und Nahrungsmittel ausgeben, ist die effektive Inflationsrate für sie höher. Von Regierungsmaßnahmen wie Gas- oder Strompreisbremse wird diese Umverteilung nach oben zusätzlich befördert (wer bisher viel verbraucht hat, etwa für Terrasse und Pool, bekommt das auch subventioniert).

Ein Ende der Inflation ist nicht abzusehen. 95,1 Prozent der Lebensmitteleinzelhändler wollen die Preise in nächster Zeit weiter erhöhen, heißt es im aktuellen Inflationsbarometer des Münchner Ifo-Instituts vom Dienstag.Der größte Sprung zum Vormonat hat mit dem Weihnachtsgeschäft zu tun. Im Oktober planten noch 75,4 Prozent der Spielwarenhändler, die Preise heraufzusetzen, jetzt sind es 94,4 Prozent.

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