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Aus: Ausgabe vom 23.11.2022, Seite 8 / Ansichten

Krieg proben

US-Vizepräsidentin auf Philippinen
Von Jörg Kronauer
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Landung am Strand »üben«: US-Militärs beim jährlichen gemeinsamen Manöver »Kamandag« auf den Philippinen (Manila, 7.10.2022)

Was die USA mit den Philippinen im Schilde führen, was also US-Vizepräsidentin Kamala Harris bei ihrem jüngsten Besuch im Blick hatte, kann man sich an US-Manövern vom Oktober dieses Jahres vor Augen führen. Da hielten US-Einheiten gemeinsam mit den philippinischen Streitkräften die jährliche Kriegsübung »Kamandag« ab. Ein Teil davon fand auf der Insel Palawan statt; vor dieser liegen diejenigen der Spratly-Inseln und -Riffe, die Manila kontrolliert, die aber auch von Vietnam und China beansprucht werden. Ein weiterer Teil wurde in der Provinz Cagayan im äußersten Norden der Hauptinsel Luzon und auf einigen vorgelagerten Inseln durchgeführt. Von dort sind es nur einige hundert Kilometer bis Taiwan. Und während Militärs aus Japan und Südkorea als Beobachter teilnahmen, hielten die USA mit den japanischen Streitkräften ein zweites Großmanöver auf Hokkaido ab, der nördlichen von Japans Hauptinseln. Dass die Manöver gleichzeitig stattfänden, sei Absicht, bekräftigte ein US-General: Man wolle schließlich den Krieg »realistisch« proben.

Was es bedeutet, wenn die Vereinigten Staaten auf den Philippinen Großmanöver abhalten und Militäranlagen bauen, in denen sie für den Fall der Fälle allerlei Kriegsgerät stationieren, zeigt ein simpler Vergleich mit einer anderen Weltregion. Noch nicht lange ist es her, da wurde bekannt, dass China ein Abkommen mit den Salomonen geschlossen hatte, das es chinesischen Kriegsschiffen erlaubt, in den Häfen des Inselstaates Proviant sowie Treibstoff an Bord zu nehmen. Der damalige Premierminister Australiens, Scott Morrison, schäumte: Wenn die Volksrepublik einen Schritt weiter gehe und es wage, auf den Salomonen einen Militärstützpunkt zu errichten, dann sei für Australien und die Vereinigten Staaten eine »rote Linie« überschritten. Die Salomonen, muss man hinzufügen, liegen 2.000 Kilometer vor Australiens dünn besiedelter Nordostküste; die Philippinen sind nur wenig mehr als halb so weit vom äußerst dicht besiedelten Süden Chinas entfernt. Man kennt das: Was der Westen darf, darf der Rest der Welt im alten, kolonial geprägten globalen Herrschaftssystem noch lange nicht.

Die Philippinen bewegen sich mit dem Ausbau der Militärkooperation wieder auf ihren Kalter-Krieg-Status als einer der bedeutendsten US-Stützpunkte am Pazifik zu. Der bis Juni amtierende Präsident Rodrigo Duterte hatte versucht, den US-Einfluss abzuschütteln und enger mit Beijing zu kooperieren. Das ist ihm letztlich nicht gelungen. Sein Nachfolger Ferdinand Marcos, Sohn des gleichnamigen Exdiktators, der ebenfalls umfangreiche US-Militärhilfe erhalten hatte, baut die Beziehungen wieder intensiv aus. Es gibt allerdings Anzeichen dafür, dass er eine Eskalation insbesondere im Südchinesischen Meer vermeiden will. Wohin es führen kann, wenn man sich den USA bedingungslos als Schachfigur zur Verfügung stellt, zeigt die Ukraine. Ihr Schicksal ist für kein Land attraktiv.

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