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Aus: Ausgabe vom 22.11.2022, Seite 6 / Ausland
Südostasien

Die andere Insel

Nach Wahl in Malaysia: Zwei Bündnisse beinahe gleichauf. Regionalparteien könnten entscheiden
Von Thomas Berger
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Bildschirm in Shah Alam zeigt am Sonnabend die Ergebnisse der Wahlen in Malaysia

Malaysia hat am Sonnabend gewählt, und herausgekommen ist das erste Parlament in der Landesgeschichte ohne klare Mehrheitsverhältnisse. Allerdings müssen sich alle noch etwas gedulden, bis feststeht, wer die künftige Regierung bilden wird. König Al-Sultan Abdullah, der Herrscher des südostasiatischen Landes, gab den Chefs der beiden führenden Blöcke in einer Erklärung am Montag noch einmal 24 Stunden zusätzlich bis Dienstag 14 Uhr (Ortszeit), um ihm die notwendigen Unterstützerzahlen für eine ausreichende Mehrheit von mindestens 112 der 222 Abgeordneten vorzulegen. Sowohl Anwar Ibrahim als auch Muhyiddin Yassin zeigten sich zuversichtlich, dies zu erreichen.

Anwars im Groben liberal-moderat zu nennendes Bündnis Pakatan Harapan (PH) ist der knappe Sieger der um acht Monate vorgezogenen Wahl, bei der es am Sonnabend trotz schwerer Monsunregen und mancher Hürden eine größere Beteiligung als erwartet gegeben hatte. Die Allianz aus seiner Volksgerechtigkeitspartei (PKR), der Demokratischen Aktionspartei (DAP) und der Amanah bringt es auf 81 Sitze, die lose verbündete Jugendpartei MUDA steuert ein weiteres Mandat bei, wie Montag bekannt wurde.

Das ist eine geringfügig bessere Ausgangsbasis als die für den zweiten großen Block, Perikatan Nasional (PN). Dessen Führungsfigur, nach dem Sturz der seit dem historischen Machtwechsel 2018 PH-geführten Reformregierung im Februar 2020 vom König als neuer Premier eingesetzt, agierte seinerzeit ziemlich glücklos und musste seinen Posten nach nur 17 Monaten wieder räumen. Jetzt sieht sich Muhyiddin vor einem möglichen Comeback.

Zumindest liegt die PN mit der PH nahezu gleichauf. Das ist allerdings weniger das Verdienst von Muhyiddins Bersatu-Partei, die davon nur 24 Abgeordnete stellt, sondern in erster Linie des Bündnispartners Islamische Partei (PAS), die mit gleich 49 Sitzen im neuen Parlament sogar die stärkste Einzelkraft wurde und selbst Wahlkreise außerhalb ihrer alten Hochburgen holte. Sollte Muhyiddin die künftige Regierung anführen, dürfte die einer strengen Koraninterpretation folgende PAS sich wichtige Ministerstühle sichern und auch sonst spürbaren Einfluss auf die Politik nehmen.

In der Deutlichkeit eine echte Überraschung ist der Denkzettel für die von Korruptionsskandalen geplagte Vereinte Nationalorganisation der Malaien (UMNO), die mit dem Parteienbündnis Nationale Front (BN) sechs Jahrzehnte seit der Unabhängigkeit regiert und unter dem noch geschäftsführenden Premier Ismail Sabri Yaakob eine Rückkehr an die Macht erhofft hatte. Sie und ihre Partner stellen jetzt nur noch 30 Abgeordnete, sind so mit großem Abstand lediglich drittstärkste Kraft. Dennoch könnten sie für die PN als zusätzlicher Mehrheitsbeschaffer dienen, Gespräche dazu gab es schon. Wohl endgültig in die Politrente geschickt wurde Mahathir Mohammed. Der 97jährige zweifache Expremier (1981 bis 2003 und 2018 bis 2020) verlor sehr deutlich seinen Wahlkreis Langkawi, auch seine Allianz GTA holte nur wenige Mandate.

Dafür fällt den Regionalparteien der Bundesstaaten Sabah und Sarawak, die im malaysischen Teil der Insel Borneo liegen, nun eine Schlüsselrolle bei der Regierungsbildung zu. Mit zusammen 26 Sitzen sind sie das Zünglein an der Waage – und werden entsprechend sowohl von Anwar als auch von Muhyiddin hofiert. Während ein namhafter Vertreter der GRS aus Sarawak in einer ersten Stellungnahme eher Präferenzen für die konservativen Kräften von PN und BN äußerte, hat der bisherige Oppositionsführer den beiden Regionen größere Autonomierechte in Aussicht gestellt. Bisher konzentriert sich die Politik in Malaysia eher auf die Halbinsel Malakka, wo mit der Hauptstadt Kuala Lumpur und dem Regierungssitz Putrajaya das Machtzentrum liegt. Sabah und Sarawak spielten da immer nur eine Nebenrolle. In Zukunft könnte mit diesem Wahlausgang ihre Bedeutung spürbar wachsen.

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