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Aus: Ausgabe vom 18.11.2022, Seite 10 / Feuilleton
Buchmarkt

Sova meldet Insolvenz an

Von Felix Bartels
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Ohne linke Verlage keine linken Bücher

Alle Räder stehen still. Leider. Denn was da passiert, ist nicht das Ergebnis eines Arbeitskampfes. Es geht ums Überleben einer wichtigen Einrichtung. Die Sozialistische Verlagsauslieferung (Sova) musste Insolvenz anmelden, das bestätigte ihr Geschäftsführer Helmut Richter dem Branchenmagazin Börsenblatt am Mittwoch.

Die 1971 gegründete Sova, seit 2012 mit Sitz in Maintal bei Frankfurt, ist von großer Bedeutung für den linken Buchhandel. Sie hat eine ordnende und zentralisierende Funktion; als Zwischenhändlerin beliefert sie mehr als 4.000 Buchhandlungen in der BRD. Sollte sie endgültig das Geschäft aufgeben, werden rund 70 Verlage mit sozialistischen oder linken Profilen sich auf andere Zwischenhändler verteilen, was auch bei günstigem Verlauf zu Verlusten führen kann. Zu den betroffenen Verlagen zählen u. a. Ça ira, Dietz, Edition Tiamat, Laika, Papyrossa, Unrast und Ventil.

Als Ursachen der Insolvenz gab Richter den »heftigen Umsatzrückgang« des laufenden Jahres an sowie die Zahlungsunfähigkeit eines Verlages, mit dem die Sova in geschäftlicher Beziehung stand. Die Insolvenz also folgt einer anderen.

Obwohl der Sinn einer Insolvenz gerade darin liegt, das Unternehmen und seinen Geschäftsbetrieb auch während dessen Zahlungsunfähigkeit aufrechtzuerhalten, passiert gerade das im Moment nicht. Die durch die Auslieferung vermittelten Einnahmen, die ohnehin schon alle drei Monate bloß ausgezahlt werden, können nicht zu den Verlagen gelangen, solange der Insolvenzverwalter seine Arbeit nicht aufgenommen hat. Wie lange das dauern wird, bleibt vorerst unklar. Damit könnten einige der Verlage in große Schwierigkeiten geraten. Erst recht mit Rücksicht auf die Umsatzrückgänge während der seit Frühjahr 2020 drückenden Coronakrise und durch den deutlichen Anstieg der Papierpreise in der ersten Hälfte des Jahres 2022, die die Branche stark belastet haben. Reserven dürften bei den meisten Klein- und Kleinstverlagen kaum noch oder gar nicht mehr vorhanden sein.

Die Forderungen gegen die Sova sollen bei insgesamt 300.000 Euro liegen, wie der Leiter eines der betroffenen Verlage gegenüber junge Welt angab. Da die Bücher, die die Auslieferung in ihren Lagern hält, nicht ihr selbst, sondern den Verlagen gehören, stellt sich die Frage, was denn überhaupt noch an nennenswerter Substanz in die Insolvenzmasse fließen soll, damit wenigstens ein Teil der Ausstände gezahlt werden kann.

Im schlimmsten Fall also folgen auch dieser Insolvenz weitere.

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