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Aus: Ausgabe vom 15.11.2022, Seite 4 / Inland
Kommunalwahl an der Küste

Nur knapp die Nase vorn

OB-Wahl in Rostock: Linke-Kandidatin gewinnt erste Runde. Stichwahl Ende November
Von Kristian Stemmler
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Eva-Maria Kröger muss nun gegen den Kandidaten von CDU und FDP bestehen (Rostock, 21.8.2021)

Es gibt noch gute Nachrichten für die Partei Die Linke. In Rostock hat deren Kandidatin Eva-Maria Kröger am Sonntag die erste Runde der Oberbürgermeisterwahl gewonnen, wenn auch nur knapp. Die Landtagsabgeordnete erreichte laut dem vorläufigen Endergebnis 25,3 Prozent der Stimmen. Der von CDU und FDP unterstützte Michael Ebert, Direktor der Landesbereitschaftspolizei und früherer Rostocker Polizeichef, kam demnach auf 23,6 Prozent. In zwei Wochen, am 27. November, treten die beiden in einer Stichwahl gegeneinander an.

Die Wahl war notwendig geworden, weil der bisherige Amtsinhaber, Claus Ruhe Madsen (parteilos), im Juni als Wirtschaftsminister ins Kabinett von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nach Schleswig-Holstein gewechselt war. Der Däne Madsen hatte als erster ausländischer Oberbürgermeister (OB) einer deutschen Großstadt für Schlagzeilen gesorgt. Für seine Nachfolge waren mit fünf Frauen und zwölf Männern ungewöhnlich viele Bewerberinnen und Bewerber ins Rennen gegangen. Die SPD-Kandidatin Carmen-Alina Botezatu, Leiterin des Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamtes Rostock, holte 16,5 Prozent und landete damit auf Platz drei. Nur etwas mehr als die Hälfte dessen konnte Grünen-Kandidatin Claudia Müller (8,6 Prozent) einfahren. Auf den AfD-Landtagsabgeordneten Michael Meister entfielen 6,5 Prozent der Stimmen. Hinter ihm liegt Jörg Kibellus mit 5,1 Prozent. Der 40jährige Bezirksschornsteinfeger ist laut NDR SPD-Mitglied, trat aber als Einzelbewerber an.

Alle weiteren Kandidatinnen und Kandidaten erzielten Stimmenanteile von unter fünf Prozent. In der einzigen Großstadt Mecklenburg-Vorpommerns (rund 208.000 Einwohner) waren etwa 172.000 Wahlberechtigte ab 16 Jahren zur Teilnahme aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag den amtlichen Angaben zufolge bei 43,7 Prozent. Bei der vorherigen OB-Wahl im Mai 2019 waren es im ersten Wahlgang noch 59 Prozent gewesen. Damals war gleichzeitig das EU-Parlament gewählt worden.

Von den erfolgreichen Kandidaten war nach der Wahl eher Nichtssagendes zu hören. Erstplazierte Kröger, die auch Linke-Fraktionschefin in der Rostocker Bürgerschaft ist, erklärte laut NDR das Ziel für die nun anstehende Stichwahl mit der Losung »Rostock bleibt Rostock«. Sie wolle sich zunächst mit der Bürgerschaft verständigen, da sie wisse, dass diese eine intensivere Beziehung zur Oberbürgermeisterin wünsche, »um endlich wichtige Beschlüsse auch umzusetzen«. Ihr Stichwahlgegner Ebert erklärte in einem bereits am Sonnabend veröffentlichten Interview mit dem Sender, dass es ihm »insbesondere« darum gehen werde, »das wirtschaftliche Fundament dieser Stadt zu sichern«.

Direkt gewählt wird Rostocks OB erst seit 2002. Zuvor bestimmte, über Jahrhunderte, der Rat den obersten Repräsentanten der Hansestadt. Bei der ersten Direktwahl setzte sich der Sozialdemokrat Arno Pöker durch, der das Amt bereits seit 1995 innehatte. Er trat im Oktober 2004 angesichts breiter Kritik an seinem Führungsstil und undurchsichtiger Finanzierung der Internationalen Gartenbauausstellung zurück. Bis zur Wahl von Roland Methling (parteilos) im Februar 2005 übernahm Ida Schillen (PDS) das Amt kommissarisch und war damit die bisher einzige Frau in dem Amt.

Eva-Maria Kröger wäre, sollte sie am 27. November gegen Ebert bestehen, die erste direkt gewählte Rostocker Oberbürgermeisterin. Kröger wuchs in der Hansestadt auf und studierte an der Rostocker Universität Politikwissenschaften und öffentliches Recht. Seit 2009 gehört sie der Rostocker Bürgerschaft an, seit 2016 vertritt sie Die Linke im Landtag.

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