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Aus: Ausgabe vom 12.11.2022, Seite 10 / Feuilleton
Tagebuch – In dieser großen Zeit

Verklebe nur die Meisterklasse der Kleistermasse!

Von Pierre Deason-Tomory
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»Wenn unsere Genossen nicht sofort aus der Haft entlassen werden, kleben wir dieses Triptychon zusammen!«

Samstag, 5. November

Scholz war in China. Das macht mir Sorgen. Als der Bundeskanzler im Februar nach Russland geflogen ist, um Frieden zu vermitteln, ging nur Tage später der Krieg los. In China sprach Scholz gestern das Thema Uiguren an. Daraufhin brach in Xinjiang eine Massenpanik aus.

Der klebrig-heiße Herbst fordert sein erstes Todesopfer. Ein Klimaaktivist hat sich auf dem Münchner Petuelring versehentlich mit einem Tesastreifen stranguliert. Er wurde dafür von der bayerischen Polizei bis 2. Dezember in Unterbindungsgewahrsam genommen.

Sonntag, 6. November

Im ägyptischen Scharm Al-Scheich hat die Weltklimakonferenz begonnen. 44.000 Delegierte diskutieren in klimatisierten Hotels über die Rettung der Welt. Erstes Ergebnis: Wegen des ökologischen Fußabdrucks der Anreise der Tagungsteilnehmer wurde die angestrebte Erderwärmung um zwei Prozentpunkte nach oben korrigiert. Klimaschützer waren auch gekommen, um zu protestieren, und wurden nach bayerischem Vorbild verhaftet und ins Gefängnis geklebt.

Montag, 7. November

Klimakonferenz, großer Durchbruch: Auf die Tagesordnung genommen wurde eine Debatte über Entschädigungen, die die karbonisierenden reichen Länder nicht bezahlen und die verwüstenden armen nicht bekommen werden. Baerbock begeistert!

Diskussion ums Bürgergeld: Oppositionsführer Merz ist dagegen, auf die guten alten Hartz-IV-Gesetze ein neues Etikett zu kleben. Eine Erhöhung der Knebelsätze um 50 Euro aber könne man mit ihm sofort beschließen. Unter der Bedingung, dass der darin enthaltene Betrag von 0,3 Cent für Haushaltskleber gestrichen wird.

Dienstag, 8. November

Kanzler Scholz hat auf der Klimakonferenz eine umjubelte Rede gehalten. Die Delegierten klebten an seinen Worten, klatschten bis zum Umfallen, und Scholz hielt das Rednerpult fest und freute sich. Fünf Minuten, zehn Minuten, 25 Minuten lang, dann sagte der Tagungsleiter:

»Mister Chancellor, you may now leave the stage.«

»Sorry, but I cannot put my hands off the Rednerpult. Somebody schmierte Pattex on it!«

»I don’t understand what you say.«

»I mean a terrorist has mir eine geklebt.«

Mittwoch, 9. November

Die kaputten Demokraten von Präsident Biden haben ihre Mehrheit im US-Repräsentantenhaus verloren. Donald Trump: »And you know why? Because Sleepy Joe has no ­fuckin’ glue!«

Gestern hat der Dobrindt, der bayerische Trachtenvereinsvorsitzende im Bundestag, vor einer »Klima-RAF« gewarnt. Der Söder kündigte an, seine Polizei mit Zwei-Kontrahenten-Klebern zu bewaffnen und schlug EU-Sanktionen gegen russische Kleisterfabrikanten vor.

Donnerstag, 10. November

Der Bundesverband der Modellbauer schlägt Alarm: Klimaaktivisten und Polizisten kaufen um die Wette den Klebstoffmarkt leer. In Hamburg demonstrieren Pattex-Schnüffler gegen die explodierenden Kleberpreise. Verzweifelte Süchtige brechen nachts in Bastelläden ein und klauen den Stoff. Im Schwarzwald machen Wilderer Jagd auf Uhus. Bild fragt: Klebt eigentlich Keith Richards noch?

Freitag, 11. November

Der Dobrindt hatte recht. Aktivisten der »Letzten Generation« sind in den Untergrund gegangen und haben ein Manifest an die Tür einer Autobahnkirche geklebt. Darauf zu sehen ist der berühmte Paumgartner-Altar von Albrecht Dürer aus der Münchner Pinakothek und der Satz: »Seit 20 Minuten Gefangener der Klima-RAF! Wenn unsere Genossen nicht sofort aus der Haft entlassen werden, kleben wir dieses Triptychon zusammen!«

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