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Aus: Ausgabe vom 09.11.2022, Seite 8 / Ansichten

Händedruck des Tages: Maduro und Macron

Von Frederic Schnatterer
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»Exzellent. Von Tag zu Tag besser«: Maduro (l.) und Macron am Montag in Scharm Al-Scheich

»Exzellent« sei der Händedruck mit seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron am Montag gewesen, ließ Venezuelas Präsident Nicolás Maduro per Twitter verkünden. Ein durchaus starkes Adjektiv für ein Begrüßungsritual, dessen Zweck eher in der Zurschaustellung von Respekt denn in der Anregung körperlicher Sinne liegt. Noch abwegiger wird die Beschreibung des Körperkontakts – wie fest, weich, feucht dieser auch immer gewesen sein mag –, bedenkt man den Ort seines Zustandekommens: einen Flur am Rande des UN-Klimagipfels im ägyptischen Scharm Al-Scheich. Nichts Gewöhnlicheres als ein Händedruck zwischen Politikern für die dort versammelte Presse.

Ähnlich profan das während der rund anderthalb Minuten andauernden Unterhaltung zwischen den beiden Staatschefs Gesagte – möchte man meinen. Denn gegen Ende des Smalltalks (Macron: »Wie geht es Ihnen? Wie läuft es da drüben?« Maduro: »Exzellent. Von Tag zu Tag besser. Wann kommen Sie uns besuchen?«) rutschte dem Franzosen ein in den vergangenen Jahren gegenüber seinem venezolanischen Amtskollegen tunlichst vermiedener Begriff heraus: »Präsident, ich werde Sie anrufen.«

Hoppla, da scheint der Mann aus dem Élysée-Palast etwas (oder besser: einen) vergessen zu haben. Anfang 2019 hatte Paris den Oppositionspolitiker Juan Guaidó als »Übergangspräsidenten« Venezuelas anerkannt. Heute, fast vier Jahre später, läuft es bei Maduro »von Tag zu Tag besser«, bei seinem Möchtegerngegenspieler hingegen zeigt die Kurve steil bergab. Während Maduro vor laufenden Fernsehkameras mit Macron plauderte, ärgerte sich ­Guaidó in Caracas über die spanische Tageszeitung El País. Die früher tatkräftige Unterstützerin des Putschisten hatte sich nur wenige Tage zuvor im Vorspann eines Interviews über den Politiker lustig gemacht. Zeiten ändern sich.

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