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Aus: Ausgabe vom 09.11.2022, Seite 6 / Ausland
Waffenstillstand gebrochen

Assad attackiert Al-Qaida

Nordwestsyrien: Zivilisten Opfer von Angriffen auf dschihadistische Stellungen
Von Karin Leukefeld
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Inspektion nach Angriffen: Einige Unterkünfte im Flüchtlingscamp Maram wurden von Artillerie zerstört (Idlib, 5.11.2022)

Mindestens neun Menschen sind am Sonntag bei einem Angriff der syrischen Streitkräfte auf das Flüchtlingslager Maram in der nordwestsyrischen Provinz Idlib getötet worden. Die Nachrichten über den Angriff wurden von der in England sitzenden »Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte« (SOHR) unter Berufung auf die sogenannten Weißhelme verbreitet und von zahlreichen Medien übernommen. Mehr als 70 Personen seien verletzt worden. Auch russische Kampfjets seien an dem Angriff beteiligt gewesen, so die »Beobachtungsstelle«. SOHR wird unter anderem vom britischen Außenministerium gefördert. Die »Weißhelme« werden von EU-Staaten sowie von Kanada, den USA und Großbritannien unterstützt. Die enge Verbindung der »Weißhelme« zu bewaffneten Dschihadisten im Norden und Nordwesten Syriens wird von ihren Geldgebern bestritten.

Bei dem Angriff seien etwa 30 Raketen auf die Unterkünfte in und um das Maram-Flüchtlingslager abgefeuert worden, hieß es in einem Bericht des katarischen Nachrichtensenders Al-Dschasira. Das Lager liegt nach Angaben der Deutschen Welthungerhilfe, die in dem Gebiet über »lokale Partnerorganisationen« Hilfe leistet, nahe an anderen Flüchtlingslagern. Projektleiter Jesco Weickert berichtete am Dienstag im Deutschlandfunk, dass insgesamt 23 Flüchtlingslager von den Angriffen betroffen gewesen seien. Mehr als 2.500 Familien – etwa 12.500 Menschen – befänden sich auf der Flucht. Die Angriffe verletzten einen 2020 vereinbarten Waffenstillstand. Nordidlib einschließlich der Provinzhauptstadt Idlib wird von der Al-Qaida-nahen Miliz Haiat Tahrir Al-Scham (HTS, übersetzt »Organisation zur Befreiung der Levante«, ehemals Nusra-Front) kontrolliert. Der südliche Teil von Idlib war 2020 von den syrischen Streitkräften zurückerobert worden.

»Rebellen« hätten als Reaktion Stellungen der syrischen Armee mit Artillerie beschossen, berichtete Al-Dschasira. Ziel seien Positionen in der Al-Ghab-Ebene und in Sarakeb gewesen. Der Ort liegt östlich von Idlib an der Gabelung der zwei wichtigen Autobahnen »M 5« (Damaskus–Aleppo) und »M 4« (Aleppo–Latakia).

Der Sender Scham FM mit Sitz in Damaskus berichtete, der Angriff der syrischen Armee habe Stellungen der HTS gegolten. Das wurde auch vom »Russischen Zentrum für die Versöhnung der verfeindeten Seiten in Syrien« mit Sitz in Hmeimim, einem russischen Luftwaffenstützpunkt bei Latakia, bestätigt. Auslöser sei ein HTS-Angriff auf einen wichtigen Militärstützpunkt im Nordwesten der Provinz Hama am Tag zuvor gewesen. Dabei seien zwei Soldaten getötet worden. Ein weiterer Grund sei die Vorbereitung eines HTS-Drohnenangriffs auf die Militärbasis Hmeimim gewesen. Bei vier russischen Luftangriffen seien HTS-Stellungen am Rande von Idlib zerstört worden, darunter »ein Netzwerk von Kommandozentralen, Munitionsdepots und Ausbildungslagern«. Die syrische Armee habe zeitgleich einen schweren Artillerieangriff gestartet, wobei nach russischer Darstellung neun Menschen getötet und mehr als 70 Personen verletzt worden seien. Unter den Toten seien Zivilisten gewesen.

Von russischer Seite ging man nicht davon aus, dass sich die Kämpfe ausweiten. »Eine umfassendere Bodenoffensive der syrischen Streitkräfte könnte zu einer militärischen Konfrontation mit der Türkei führen, die in der Region große Truppenverbände stationiert hat«, hieß es zur Erklärung.

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