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Aus: Ausgabe vom 07.11.2022, Seite 1 / Ausland
COP 27

Folgenschwere Erhitzung der Erde

UN-Konferenz in Ägypten eröffnet: Debatte über Finanzausgleich für Verluste und Schäden
Von Ina Sembdner
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Staffelübergabe in Scharm El-Scheich: Der Präsident der letzten Klimakonferenz in Glasgow, Alok Sharma (6.11.2022)

Der lange Streit über die Finanzierung von klimabedingten Schäden und Verlusten in ärmeren Ländern ist erstmals Teil der offiziellen Agenda bei einer Weltklimakonferenz. Darauf einigten sich die Teilnehmer aus knapp 200 Staaten beim Auftakt der sogenannten COP 27 am Sonntag im ägyptischen Scharm El-Scheich. Die sogenannten Entwicklungsländer, die vor allem die vom globalen Norden verursachten Klimaschäden zu tragen haben, kämpfen schon lange für förmliche Verhandlungen zu diesem Thema.

Diskutiert wird nun, wie die Folgen des Klimawandels in ärmeren Ländern gemeinsam geschultert werden können. Eine genaue Definition gibt es nicht. Aber es soll um Zerstörungen gehen, an die Menschen sich nicht mehr anpassen können, oder um Situationen, in denen die Mittel für eine Anpassung fehlen. Ob ein gemeinsamer Fonds für Verluste und Schäden zustande kommt, ist fraglich. Beim COP 26 im vergangenen Jahr blockierten einkommensstarke Länder die Einrichtung eines solchen Fonds.

Zum Auftakt der UN-Klimakonferenz veröffentlichte die Weltmeteorologieorganisation (WMO) einen Bericht, der die folgenschwere Erhitzung der Erde einmal mehr deutlich macht. Nach derzeitigem Datenstand sei jedes der acht vergangenen Jahre heißer gewesen als alle vorangegangenen in der Geschichte, heißt es in dem WMO-Bericht. Und angesichts des Klimawandels sei es »nur eine Frage der Zeit«, bis noch heißere Jahre registriert würden.

»Je stärker die Erwärmung, desto stärker die Auswirkungen«, fasste WMO-Chef Petteri Taalas zusammen. 2022 gab es weltweit folgenschwere Extremwetterereignisse. So wurde bei Hochwasser in Pakistan ein Drittel des Landes überflutet, acht Millionen Menschen wurden in die Flucht getrieben. Ostafrika leidet hingegen nach der vierten schwachen Regensaison in Folge unter Dürren.

Hitzewellen in den Weltmeeren bedrohen unter anderem die Korallenriffe, die Lebensraum für zahlreiche Arten sind und von denen eine halbe Milliarde Menschen wirtschaftlich abhängig ist. 2022 war mehr als die Hälfte der Meeresoberflächen von mindestens einer Hitzewelle betroffen, wie der WMO-Bericht aufführt.

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  • Leserbrief von J. Klink ( 7. November 2022 um 15:18 Uhr)
    An der Covid-Pandemie hat man gut gesehen, wie Krisenlösung hier aussieht. Es ist bestenfalls Dauerkrisenverwaltung. Krisen will man nicht lösen, denn die ungezügelte Vermehrung des Anlagekapitals soll geschützt bleiben. Die hat diese Krisen erst hervorgerufen. Das Kapital mit all seinem zerstörerischen Mutwillen ist Ursache und Ziel des Staatshandelns im Kapitalismus. Es herrscht. Krisen legitimieren außerdem den totalitären Umbau von Staat und Gesellschaft, der wiederum die freie Kapitalmehrung gegen die Interessen und Bedürfnisse der Mehrheit absichert. Mit der Klimakatastrophe steht die schwerste Bedrohung in der Menschheitsgeschichte ins Haus. Das dritte Jahrtausend wird eine einzige Katastrophenserie. Leiden werden alle, aber am wenigsten die maßgeblich verantwortlichen Verursacher, die alle Mittel und Wege haben, es sich dennoch bestens gehen zu lassen. Kapitalismus ist ein Verlustgeschäft für die meisten Menschen, und für die Natur sowieso. Im Gegensatz dazu ist China willens und fähig, das Ruder rumzureißen, wenn es seine Klimastrategie der ökologischen Zivilisation bei sich und seinen Partnern in der »grünen Neuen Seidenstraße« umsetzen wird. Ein Leuchtturm in der Karibik hat schon vorgearbeitet. Kuba gilt als einziges Land der Erde, das sowohl ausreichend entwickelt, als auch ökologisch nachhaltig ist. Die Zukunft kann nur sozialistisch sein, also das Gemeinwohl wollen und das Diktat des Kapitals beenden. Sonst wird es für viele keine Zukunft geben.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum ( 7. November 2022 um 13:45 Uhr)
    Warum »einkommensstarke Länder die Einrichtung eines solchen (Verlustausgleichs-)Fonds« blockieren? Wenn nicht, dann müssten sie ja die Verantwortung für gut zweihundert Jahre Kapitalozän übernehmen. Getreu dem Floriansprinzip lassen sie das Nachbarhaus abfackeln, um das eigene zu behüten. Dieses Prinzip heißt auch »Externalisierung«. Externalisiert wurde und wird auf Teufel-komm-raus durchgesetzt. Vor sechs, sieben Jahrzehnten wurden die Schornsteine erhöht, um die lokale Dreckkonzentration zu verringern. Darauf folgte der sauere Regen, das Waldsterben dauert an. Vor wenigen Jahrzehnten wurden Hochöfen nach China verscherbelt, denn »Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!« (Willy Brand). Plastikmüll? Es gibt aber auch Zahlen zum Thema: https://www.bundestag.de/resource/blob/660794/dfdee26b00e44b018b04a187f0c6843e/WD-8-056-19-pdf-data.pdf , Titel: CO2-Emissionen im Verkehrsbereich. Ein Sätzchen sei zitiert (Seite 4): »Da es sich bei Schäden durch den Klimawandel um generationenübergreifende Schäden handelt, empfehlen wir eine Sensitivitätsanalyse mit einem Wert von 640 Euro 2016 / t CO2 äq, da dieser eine Gleichgewichtung der Nutzen heutiger und zukünftiger Generationen widerspiegelt.« Man multipliziere 640 Euro pro Tonne mit der Zahl der seit dem Jahr 1800 emittierten Tonnen an CO2 und kommt auf den Betrag, der weltweit zur Schadens»behebung« nötig wäre. Zahlen müssten natürlich die Emittenten bzw. deren Erben. Woher der Wind in der Debatte weht, ist z. B. hier zu finden: EDGAR – Emissions Database for Global Atmospheric Research (https://edgar.jrc.ec.europa.eu/report_2022). Da steht (übersetzt von DeepL): »Seit Beginn des 21. Jahrhunderts und bis 2019 sind die globalen Treibhausgasemissionen vor allem aufgrund der Zunahme der CO2-Emissionen aus China und anderen Schwellenländern gestiegen.« Über die Emissionen von 1800 bis 2000 steht nichts da … Weitere nützlicher URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Treibhausgas-Emissionen
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart ( 7. November 2022 um 13:31 Uhr)
    Ein Windpark in Deutschland wird zurückgebaut, um das Braunkohletagewerk Garzweiler zu erweitern. Braunkohle zur Stromerzeugung wird dort gefördert, wo sich jetzt die Windkraftanlagen befinden. Die Windräder in der Nähe des Tagebaus in Nordrhein-Westfalen, der vom deutschen Energieriesen RWE betrieben wird, werden entfernt, um Platz für mehr Braunkohleförderung zu schaffen. Die Turbinen waren seit 2001 in Betrieb, und die staatlichen Subventionen sind ausgelaufen. Es ist nicht bekannt, wie lange der Rückbau dauern würde. Bisher wurde eine Windkraftanlage entfernt.

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