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Aus: Ausgabe vom 05.11.2022, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Kürbissuppe

Von Maxi Wunder

»Das Klima ist im Klimakterium. Erst ist es kalt, dann kommt ’ne Hitzewallung. Du fährst im T-Shirt Radl, plötzlich kalter Nebel. Nächsten Tag bist du schlauer, nimmst Schal und Mütze, betrittst einen Laden, musst dir alles wieder vom Leib reißen, denn die heizen. Die heizen!!! Dürfen die das?!« Doris versteht die Welt nicht mehr. »Ich versteh’ sie wirklich nicht mehr. Mir ist das alles zuviel. Wie die sich aufführen mit ihrer selbstgemachten Energiekrise. Das ist, als ob ich in meinen Klamottenladen gehe und den Betreiber anschreie: ›Du bist schuld, dass ich mir nichts kaufen kann bei dir und in Lumpen gehe! Denn du bist böse, hat mein großer Bruder gesagt, und vom Bösen kauft man nichts! Hier hast du deinen doofen Gutschein, ich pfeif’ auf deine Rabatte!‹ Ich meine, das ist jetzt nicht so ganz … Also Russland ist kein Klamottenladen, aber du weißt, was ich meine. Als vor acht Jahren die ukrainischen ›Asow‹-Bataillone angefangen haben, die russische Bevölkerung im Donbass zu terrorisieren, hat keiner gesagt, die Ukraine ist böse, von so einem Fascholand kaufen wir keinen Weizen und kein Sonnenblumenöl mehr …« – »Öl? Ach ja, gib mal rüber.« Udo hört nicht zu, er kocht. Doris: »Und dann auch noch ›Halloween‹. Hübsche kleine Menschen lassen sich zu Leichen und Monstern verschandeln, um von den Erwachsenen Kariesmacher zu erpressen. Die Mütter stehen blöde lächelnd daneben. Wie soll ich bitte reagieren, wenn mich die Leute fragen: ›Alles gut?‹ Udo! Jetzt sag doch mal was!« – »›Der Mensch ist gar nicht gut! Drum hau ihn auf den Hut! Hast du ihn auf den Hut gehaut, dann wird er vielleicht gut!‹« – »Du sollst was sagen und nicht singen!« – »Denn für dieses Leeeeben ist der Mensch nicht gut genug … ›Das Lied von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens‹ aus der Dreigroschenoper von Brecht und Weill, Dorle. Das hören wir uns gleich an. Du musst den Frust mit Kunst bekämpfen, dafür ist sie da. Und natürlich mit Suppe. Mit Suppe von Udo! Voilà!«

Udos Kürbissuppe

Einen halben Hokkaido schälen, die Kerne herauslösen und das Fruchtfleisch in dicke Würfel schneiden. Diese mit vier gehackten Zwiebeln, einer gepressten Knoblauchzehe, Salz, Pfeffer und einem EL Zitronensaft in etwas Öl andünsten, dann einen Liter Gemüsebrühe draufgießen und ca. eine halbe Stunde köcheln lassen, bis die Würfel so musig sind, dass man sie durch ein Sieb streichen kann. Das Kürbismus zurück in den Topf geben und mit zwei EL Mehl leicht sämig binden, dann alles aufkochen lassen. Vom Feuer nehmen und eine Tasse Sahne einschlagen. Mit Salz und Paprikapulver nachwürzen, in Schälchen füllen und mit Kürbiskernen dekorieren. Dazu geröstete Weißbrotscheiben reichen.

»Wochenend’ und Sonnenschein, und dann mit dir im Wald allein …« Udos gute Laune steht in eklatantem Widerspruch zu Doris’ berechtigtem Weltschmerz. »Udo, hör endlich auf zu singen, ich will leiden.« – »Üüüber uns die Lerche zieht, singt genau wie wir ein Liebeslied …« – »Jetzt lass mich, ich will lei…« – »Heute nicht, Puppe!« Knuuutsch. Hier blenden wir taktvoll aus. Idealer Begleiter zur Kürbissuppe ist weißer Burgunder.

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