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Aus: Ausgabe vom 05.11.2022, Seite 8 / Ansichten

Chinesenkenner des Tages: Christian Mölling

Von Arnold Schölzel
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Weiß, dass Chinesen keine menschlichen Individuen sind: Der »Verteidigungsexperte« Christian Mölling (4.11.2022)

Im April ging es bei »Markus Lanz« im ZDF im Zuge der neusten Völker- und »Rassen«-Forschung nur um Kopfformen und Hautfarbe. Die als Politikwissenschaftlerin firmierende Florence Gaub meinte in der Talkshow damals: »Ich glaube, wir dürfen nicht vergessen, dass auch wenn Russen europäisch aussehen, dass es keine Europäer sind – im kulturellen Sinne.« Seit Donnerstag haben Lanz und die Welt an Erkenntnis zugelegt. Christian Mölling, Forschungsdirektor der einflussreichen Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), widmete sich der im deutschen Bürgertum immer wieder beliebten Völkerpsychologie. Aufs Äußere komme es nicht an, lernten die Zuschauer, sondern aufs Innere. Mölling dozierte über China und seine Bewohner: »Wir haben eine Phase der Blauäugigkeit hinter uns, wo wir gedacht haben, na ja, die sind ja genauso Individuen wie wir. Nein, das sind sie nicht.« Richtig: Der Europäer kommt im Gegensatz zum halbasiatischen Russen oder dem vollöstlichen Chinesen stets mit Geschenken in ferne Länder, denn er macht sich als Individuum dorthin auf. Nicht in einer »Kaderhierarchie« (Mölling) gefesselt, wie es im Reich der Mitte Gewohnheit ist. Kommt der Europäer mal mit Bomben – sagen wir bis zur Gründung der Volksrepublik 1949 –, dann ist das gut gemeint.

Mölling verzichtete darauf, sich auf den Völkerpsychologen Kaiser Wilhelm II. zu berufen, der in seiner »Hunnenrede« 1900 vorm Expeditionskorps, das in »30jähriger treuer Friedensarbeit« herangebildet worden sei, ankündigte, jetzt gehe es »gegen einen verschlagenen, tapferen, gut bewaffneten, grausamen Feind«. Der nicht mal wie Europäer aussieht und kein Einzelner ist. Dietmar Bartsch (Die Linke) saß neben Mölling und trat für vorteilhaften, nicht nachteiligen Austausch mit China ein. Einer wie Mölling fällt bei »Lanz« nicht mehr auf.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam ( 6. November 2022 um 10:21 Uhr)
    Die Rassenideologen der BRD dürfen im »Stürmer-Format« »Lanz« ihre kruden und faschistischen Ideenkloake über die Köpfe der abnickenden Mainzelmännchen*frauchen abkippen. Wann wird eigentlich Thilo Sarrazin, der ja noch vor noch nicht so langer Zeit für ähnliche Äußerungen letztlich aus der SPD geworfen wurde, rehabilitiert? Wenn sich jemand wundert, warum dieses Land der UNO-Resolution gegen Neonazismus nicht zugestimmt hat, der weiß nach dem Ansehen der berühmt-berüchtigten »Lanz«-Talkshow, warum. Das Naziregime in Kiew und Freund der BRD soll schließlich nicht düpiert werden.

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