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Aus: Ausgabe vom 18.10.2022, Seite 11 / Feuilleton
Kunst

Ein besseres Leben

Eine Berliner Ausstellung zu Karl Erich Müller und Weggefährten
Von Gerhard Hanloser
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K. E. Müller: Mädchen aus Samarkand, 1961

Alle kennen Willi Sitte. Kaum einer kennt Karl Erich Müller (1917–1998). Zu Unrecht: Der Künstler aus Halle war Träger mehrerer DDR-Kunstpreise, illustrierte mit abstrakten Zeichnungen Klassiker von Nikolai Gogol, Thomas Mann oder Günter Grass und schuf sozialrealistische Werke wie die Arbeiterdarstellung »Der Monteur«. Intensive Reisen in den asiatischen Teil der Sowjetunion, nach Indien und Pakistan regten ihn an, den sozialistischen Realismus mit außereuropäischen Stilen anzureichern. Ihm gelangen faszinierende Darstellungen der Menschen des globalen Südens. Dass der Sozialismus ihnen ein besseres Leben offeriert, in dem die Produktionsverhältnisse auf eine höhere Stufe gestellt sind, daran hatte der Arbeitersohn und Antifaschist keinen Zweifel.

»Lasst die Künstler Kunst machen«, soll er gegenüber einigen SED-Kulturfunktionären gesagt haben, über deren mangelndes Kunstverständnis er sich im privaten Rahmen lustig machen konnte, wie seine Tochter Susanne Tischewski zur Eröffnung der Bilderschau in der kleinen Galerie in Friedenau am 30.9. erläuterte. Ein Bild von ihr als Fünfjährige empfängt im Eingangsbereich der Ausstellung die Besucher.

Müller war ein hochgeschätzter Künstler – heiter und ohne Profilierungssucht, Intriganz und Opportunismus lagen ihm fern. Die Ausstellung zeigt neben vielen Landschaftsbildern einige ihm privat gewidmete Arbeiten von Willi Sitte, Fritz Stehwien und Otto Müller. Viele von K. E. Müllers eigenen Bildern in der Ausstellung, wie das expressionistisch anmutende Bildnis »Kartoffelleser« von 1951, zeigen noch nicht den politischen Künstler, der beispielsweise nach 1989/90 Bilder gegen den Zeitgeist schuf. Seine antikolonialen Werke aus den 60er Jahren für die Befreiung der Algerier und der Vietnamesen zeugen ebenso vom tief empfundenen Internationalismus des Malers wie die Bilder von 1991/1992, die Flüchtlingselend und das Schicksal der Kurden zeigen. Aber dieser Karl Erich Müller muss erst noch (wieder-)entdeckt werden.

»Karl Erich Müller – ein Maler der Halleschen Schule & seine Weggefährten«, diekleinegalerie, Goßlerstraße 21, 12161 Berlin-Friedenau, Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag von 15–18 Uhr, Samstag von 11–14 Uhr, bis 29.10.2022

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