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Aus: Ausgabe vom 04.10.2022, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Banane zur Einheit

Informationen und Musik | Mo., 8.11 Uhr, DLF
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Verschaukelt. Wer will schon die Einheitswippe in der Hauptstadt stehen sehen?

So ein Jammer. Da zelebriert Deutschland den Restaurationstag, und noch immer erinnert in der Hauptstadt kein würdiges Denkmal an die errungene Freiheit des Kapitalverkehrs, die man seit 1989 auch in Ostdeutschland lobpreisen darf. Der Architekturkritiker Nikolaus Bernau ist »froh um jede Minute«, die die geplante Wippe nicht steht. Die Bundesbanane, die offiziell mit dem Slogan »Bürger in Bewegung« versehen werden soll, drohe Berlin-Mitte zu »verunzieren«. Denn stehen soll das Monstrum letztlich auf dem Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal. Die Hohenzollern als Inspiratoren der »friedlichen Revolution«? Bernau wundert sich über das Demokratieverständnis. Auch ansonsten fügt sich das Mahnmal völlig in seine imperiale Umgebung ein. Bernau fasst sich an den Kopf: »Wir leben im Zeitalter des Klimawandels und bauen öffentliche Denkmäler mit Fußbodenheizung.« Bislang verhindern Kommunisten die Fertigstellung: Der Stahl aus China wurde noch nicht geliefert. (sz)

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  • Leserbrief von Bernd Kulawik aus Bern ( 5. Oktober 2022 um 19:11 Uhr)
    Also, im Unterschied zu meinem Studienkollegen Nikolaus Bernau finde ich die Banane bzw. Wippe hervorragend geeignet, die bundesrepublikanische Demokratie in Deutschland zu visualisieren: Je mehr Menschen sich auf der einen Seite versammeln, um so tiefer sinkt diese – als Sinnbild ihres Anteils am gesamtgesellschaftlich erzeugten Reichtum, an den wirtschaftlichen und sozialen Rechten und den Einflussmöglichkeiten auf die Politik. Während die andere Seite umso höher steigt, je weniger sich dort versammeln. Gibt es einen besseren Ausdruck der Klassengesellschaft und des Umstands, dass die, die »aufsteigen«, dies nur (!) der großen Zahl jener verdanken, die absteigen? Soviel Selbstironie (oder ist es doch offen bekannte sarkastische Verachtung?) hätte ich den Herrschenden und den in ihrem Auftrag Regierenden gar nicht zugetraut!

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