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Aus: Ausgabe vom 28.09.2022, Seite 10 / Feuilleton

Behrens, Schütz, Hanspach

Von Jegor Jublimov
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Helga Schütz (Potsdam, 7.11.2021)

In Bulgarien und der Tschechoslowakei wurde Heinz Behrens auf der Straße angesprochen, weil man ihn auch dort aus DFF-Serien wie »Drei von der K« oder dem »Polizeiruf 110« kannte. Der beliebte Schauspieler hätte am 30. September seinen 90. Geburtstag feiern können, verstarb aber im August unerwartet an einer Lungenentzündung. Der gebürtige Schlesier begann bereits mit 16 Jahren ein Schauspielstudium in Halle und stand in Rostock, Erfurt und Dessau auf der Bühne, ehe er 1960 zum Fernsehfunk nach Adlershof kam. Schon sein erster Film »Liebe auf den letzten Blick« führte ihn an die Seite von Margot Ebert, die immer mal wieder seine Partnerin war, so in der beliebten »Maxe Baumann«-Schwankreihe (1976–1987). Behrens spielte sehr selten historische Kostümrollen – fast immer waren es Menschen des 20. Jahrhunderts: Journalisten, Wissenschaftler, Lehrer, FDJ-Sekretäre, Kriminalisten, darunter auch Hauptrollen wie die im Dreiteiler »Über ganz Spanien wolkenloser Himmel« (1971), wo er den Ökonomen Wolfgang Hartlieb gab, der im Vorfeld des Franco-Putsches 1936 in Spanien für die deutsche Rüstungsindustrie wertvolle »Marktforschung« betreiben soll. Auf der Bühne stand Behrens nach 1990 oft in musikalischen Produktionen, die ihn bis in die Schweiz führten.

Schlesierin ist auch Helga Schütz. Mit Nutter und Großmutter floh sie als Siebenjährige nach Dresden. Sie studierte in Babelsberg Filmdramaturgie, wurde freie Autorin und schrieb Szenarien für Dokumentar- und Spielfilme. Die größte Wirkung sowohl in Zustimmung wie Ablehnung erzielten die,Filme die in der Zusammenarbeit mit Regisseur Egon Günther entstanden, darunter »Lots Weib« (1965), »Die Schlüssel« (1972/74), »Ursula« (1978) und »Stein« (1991). Seit 1971 hat sie auch bemerkenswerte Erzählungen und Romane veröffentlicht, zuletzt 2021 »Heimliche Reisen«, in dem sie Episoden aus ihrem Leben kunstvoll miteinander verwebt. Am Sonntag begeht sie ihren 85. Geburtstag.

Im August war es 50 Jahre her, dass der erfolgreiche Kinderbuchautor Alfred R. Böttcher bei einem Unfall in Vorpommern starb. Bei der Verfilmung seines Buches »Betragen 4« hätte er sicherlich das Drehbuch geschrieben, womit er durchaus Erfahrung hatte (»Die blauen Schwerter«, 1949). Doch bei der Dramaturgin Beate Hanspach, die am Sonntag ebenfalls 85 wird, war es in guten Händen. Der Fernsehfilm »Warum kann ich nicht artig sein« unter Gunter Friedrichs Regie 1974 entstanden, schaffte es 1976 auch in die Kinos der DDR. Die Leipzigerin war während ihres Dramaturgiestudiums in Babelsberg für die Kamera entdeckt worden (Hauptrolle u. a. in »Tempel des Satans«, 1961), doch hinter der Kamera fühlte sie sich wohler. Im Kinderfernsehen der DDR verantwortete sie einige der besten Kinder- und Märchenfilme unter der Regie von Könnern wie Celino Bleiweiß, Ursula Schmenger und vor allem Wolfgang Hübner. Sie initiierte das mittlerweile jährlich in Gera und Erfurt stattfindende Kinderfilmfestival Goldener Spatz, dessen Präsidentin sie zwischen 1981 und 1983 war.

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